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Brandenburg Gegen das Vergessen: So wichtig ist die Demenzlotsin
Brandenburg Gegen das Vergessen: So wichtig ist die Demenzlotsin
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00:30 02.04.2018
Die MAZ traf Chefarzt Dr. Eric Hilf unf Demenzschwester Mandy Stolpe im Krankenhaus Sana in Templin. Quelle: Julian Stähle
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Templin

Es ist ruhig auf den Fluren der altersmedizinischen Station im Templiner Krankenhaus. Schwester Mandy beginnt ihre Mittagsschicht und klopft an der Zimmertür von Frau Z. Die an Demenz erkrankte Patientin liegt im Bett und hält ein Kuscheltier in ihren Händen. Schwester Mandy setzt sich ans Krankenbett, gibt ihr etwas zu trinken und streichelt die Hand der alten Dame. „Hat das Schäfchen einen Namen?“, fragt sie die Patientin. Frau Z. antwortet nicht, aber sie lächelt.

Menschen im Krankenhaus vermissen Nähe

„Viele demenzkranke Menschen vermissen Nähe im Krankenhaus“, sagt Mandy Stolpe. Vertraute Gegenstände und die richtigen Worte würden ihnen Halt geben. Als Krankenschwester in der altersmedizinischen Abteilung im Sana Krankenhaus Templin in der Uckermark weiß Mandy Stolpe gut um die Besonderheiten von Patienten wie Frau Z.. Und von diesen Erfahrungen sollen auch die Kollegen auf anderen Stationen profitieren. Als erste Demenzlotsin im Templiner Krankenhaus sensibilisiert die 41-Jährige andere Schwestern und Pfleger für das Krankheitsbild und den richtigen Umgang mit Demenz-Patienten im Krankenhaus.

55 000 Demenzkranke in Brandenburg

Insgesamt leben in der Mark zurzeit 55 000 Demenzerkrankte. In den kommenden 13 Jahren soll die Zahl der an Demenz leidenden Brandenburger auf mehr als 87 000 steigen, was das Land vor Probleme stellt. Denn vielerorts fehlt es an qualifizierten Pflegekräften. Dass die Zahl älterer Patienten mit Demenz wächst, stellt nicht nur die Pflegeheime, sondern auch die Kliniken vor große Herausforderungen.

Stolpe schult ihre Kollegen

„Wenn demenzkranke Menschen ihr vertrautes Umfeld verlassen und ins Krankenhaus kommen, können sie schnell in Stress geraten“, erklärt Stolpe. Fremde Menschen und ungewohnte Tagesabläufe können diese besonderen Patienten so sehr verunsichern, dass sie unruhig, desorientiert, ängstlich und sogar aggressiv wirken. Schlimmstenfalls lehnen diese Patienten ihre Medikamente, medizinische Untersuchungen oder das Essen ab. Damit Krankenpfleger und Ärzte aller Stationen im Krankenhaus behutsam auf Demenzkranke eingehen, schult Mandy Stolpe ihre Kollegen und gibt Tipps für den Klinikalltag.

Demenzkranke besonders aufmerksam begleitet

Die Brandenburgerin arbeitet seit drei Jahren auf der geriatrischen Station. Dort verweilen Patienten länger als in anderen Abteilungen des Hauses. Durchschnittlich sind es 14 bis 20 Tage. „Dadurch entstehen auch engere Beziehungen zum Patienten“, erklärt Eric Hilf, Chefarzt der Klinik für Geriatrie und Facharzt für Innere Medizin am Sana Klinikum Templin. Menschen mit Demenz werden auf der Station besonders aufmerksam begleitet.

Chefarzt Dr. Eric Hilf. Quelle: Julian Stähle

Weglauftendenz und Rückfall in die Kindheit

„Ich muss mich in die Realität dieser Patienten begeben“, sagt die Demenzlotsin. Die Krankenschwester schildert den Fall einer 92 Jahre alten Patientin, die nachts auf dem Klinikflur unterwegs war und angab, dass ihre Eltern dort auf sie warteten. „Demenzkranke entwickeln häufig eine Weglauftendenz und fallen zurück in ihre Kindheit“, erklärt Stolpe. Umso wichtiger sei es, dass das Pflegepersonal auf solche Situationen vorbereitet ist. Eine Antwort wie: „Ihre Eltern sind doch schon lange tot, Frau Meyer.“ könne bei Demenzkranke leicht eine Krise auslösen. Schwester Mandy ging einfühlsam auf die Patientin ein und sagte: „„Komm, Margarete, wir schauen einmal gemeinsam nach.“ Denn bereits die Ansprache mit „Du“ gebe Demenzkranken ein Gefühl der Sicherheit, wenn diese fest daran glauben, sie seien 13 oder 14 Jahre alt. Immer wieder arbeitet die Demenzlotsin gegen das Vergessen. Auch sei es wichtig, dass demenzkranke Patienten in der Klinik einen Alltag haben, der gleich bleibt. Ständig wechselnde Bezugskrankenpfleger oder Zimmerwechsel sollen vermieden werden.

„Genau diese Erfahrungen soll Schwester Mandy an Kollegen anderer Stationen weitergeben“, erklärt der Chefarzt. Dies führt unter anderem zu weniger Stürzen oder zu einer reduzierten Weglauftendenz während des Klinikaufenthalts. Auch erfahrene Pfleger können von der Arbeit der Demenzlotsin profitieren, etwa wenn ein Patient in der Notaufnahme mit einer Lungenentzündung eingeliefert wird und nicht auf den ersten Blick klar ist, dass derjenige zudem demenzkrank ist. „Schnell kann eine solche Situation dazu führen, dass ein Patient dehydriert und in eine sehr bedrohliche Situation kommt“, sagt Hilf. Auch hier kann die Demenzlotsin wertvolle Ratschläge geben.

Mehr Demenz-Ansprechpartner nötig

Zwar ist Templin nicht das einzige märkische Krankenhaus, das in Brandenburg auf Demenz-Ansprechpartner setzt. „Doch wir brauchen in den Krankenhäusern noch viel mehr Verantwortliche“, sagt Birgitta Neumann vom Kompetenzzentrum Demenz für das Land Brandenburg. Dass das Pflegepersonal und auch die Ärzte für das Thema sensibilisiert werden, ist aus ihrer Sicht für Patienten von großer Bedeutung. Denn bei Erkrankten, die mit einer Lungenentzündung oder einem Oberschenkelhalsbruch in eine Klinik eingeliefert werden, gerate die Demenz oftmals in den Hintergrund. „Dabei ist es gerade für diese Patienten wichtig, dass ihnen im Klinikalltag Orientierung gegeben wird.“

Von Diana Bade

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