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Gehaltsplus: So viel verdienen die Brandenburger

Arbeitsmarkt Gehaltsplus: So viel verdienen die Brandenburger

Die boomende Wirtschaft wirkt sich positiv auf die Lohnentwicklung in Brandenburg aus. Das mittlere Monatseinkommen aller Vollzeitbeschäftigten liegt im Land inzwischen bei 2582 Euro brutto – das sind 2,3 Prozent mehr als 2015. Damit führt Brandenburg die Gehaltsstatistik im Osten an. Die Verdienste in den Landkreisen gehen aber weit auseinander.

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Die Löhne steigen, hinken aber dem Westlohn weiter deutlich hinterher.

Quelle: dpa

Potsdam. Die boomende Wirtschaft wirkt sich positiv auf die Lohnentwicklung in Brandenburg aus. Das mittlere Monatseinkommen aller sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten lag zum 31. Dezember 2016 bei 2582 Euro brutto – das sind 2,3 Prozent mehr als Ende 2015 (2523 Euro). In Brandenburg werden damit unter allen ostdeutschen Ländern – mit Ausnahme Berlins – die höchsten Bruttolöhne gezahlt, wie aus der aktuellen Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit hervorgeht. Dahinter folgen Sachsen-Anhalt mit 2473 Euro (Vorjahr: 2411), Sachsen mit 2448 Euro (Vorjahr: 2379), Thüringen mit 2444 Euro (Vorjahr: 2375) und Mecklenburg-Vorpommern als Schlusslicht von allen Bundesländern mit 2384 Euro (Vorjahr: 2323).

Im bundesdeutschen Vergleich hinken die Löhne im Land jedoch noch deutlich hinterher: Das mittlere Einkommen in Deutschland liegt bei 3137 Euro und damit 21,5 Prozent über dem Brandenburger Wert. Das mittlere Einkommen in Berlin lag bei 3000 Euro. Das mittlere Einkommen ist nicht zu verwechseln mit dem Durchschnittseinkommen, das durch extreme Ausreißer nach oben durch Spitzenverdiener verzerrt wird. Vielmehr beschreibt es die Lohnhöhe, bei der ebenso viele Menschen gibt, die mehr verdienen wie Menschen, die niedriger verdienen. Wenn man also alle 834 100 Brandenburger mit einer Vollzeitstelle nach ihrer Lohnhöhe sortiert in einer Reihe aufstellen würde, wäre das mittlere Einkommen genau in der Mitte zu finden.

„Der Anstieg der Verdienste in Brandenburg innerhalb eines Jahres ist erfreulich, auch wenn der bundesweite Durchschnitt noch deutlich höher liegt“, erklärte Bernd Becking, Chef Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Arbeitsagentur. „Der Anstieg spiegelt die zunehmende Wirtschaftskraft des Landes wider, die sich in einer stark wachsenden Beschäftigung niederschlägt.“ Innerhalb von drei Jahren ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Brandenburg um 40 000 gestiegen.“

Hohe Löhne in Wolfsburg, magere in der Prignitz

Von Löhnen, wie sie in Wolfsburg gezahlt werden, können die meisten Brandenburger nur träumen. Unter allen kreisfreien Städten und Landkreisen wird hier mit 4269 Euro im Monat der bundesweit höchste Bruttolohn gezahlt. Ziemlich am entgegengesetzten Ende der bundesweiten Lohnskala liegt dagegen die Prignitz mit einem mittleren Einkommen von 2209 Euro. Nur noch in Görlitz (2209 Euro) und Vorpommern-Rügen (2148 Euro) werden bescheidenere Löhne gezahlt.

Der Anteil der Geringverdiener liegt in Brandenburg bei 33 Prozent. Auch das ist der niedrigste Wert unter den ostdeutschen Bundesländern. Den höchsten Wert erzieht auch hier Mecklenburg-Vorpommern mit 38,2 Prozent aus.

DGB warnt vor schwindender Tarifbindung

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Berlin-Brandenburg kritisierte, dass die Tarifbindung – und damit die Voraussetzung für eine angemessene Bezahlung – in Brandenburg insgesamt zurückgegangen sei. Laut aktuellem Betriebspanel für das Land – einer Umfrage unter mehr als 1000 Firmen – sind 50 Prozent der Beschäftigten an einen Tarifvertrag gebunden. 2015 waren es noch 52 Prozent. „Statt eines Rückschritts brauchen wir einen echten Sprung nach vorne bei der Tarifbindung“, sagte die DGB-Bezirksvorsitzende Doro Zinke. „Dazu muss die Tarifflucht eingedämmt werden.“ Die Debatte über Fachkräftemangel sei daher skandalös. „Die Chance, Fachkräfte zu finden, hängt von den Bedingungen ab: dazu braucht es gute Arbeit und Bezahlung, auch in der Ausbildung“, sagt sie.

Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Linksfraktion im Landtag, Andreas Bernig, verwies darauf, dass derzeit rund 7800 Brandenburger zwar Vollzeit arbeiten gehen, dabei allerdings auf Sozialleistungen angewiesen sind. „Bei ihnen reicht der Lohn nicht aus, um den Lebensunterhalt für sich und die Familie aus eigener Kraft zu sichern“, sagte er. Insgesamt habe sich die Zahl der Aufstocker aber seit Einführung des Mindestlohns vor zweieinhalb Jahren in Brandenburg um 8,2 Prozent verringert.

Im Juli gab es in Brandenburg 89 020 Arbeitslose, die Quote lag bei 6,7 Prozent und damit einen Prozentpunkt niedriger als vor einem Jahr. Sozialministerin Diana Golze (Linke) appellierte an die Unternehmen, ihren Beschäftigten eine faire Entlohnung und Qualifizierungsmöglichkeiten zu bieten.

Von Torsten Gellner

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