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Geheimtipp in der Garnstraße

Zu Hause in... Geheimtipp in der Garnstraße

Seit 1939 gibt es die „Textilwaren Schülke“ in der Babelsberger Garnstraße. Das Kurzwarengeschäft galt bereits zu DDR-Zeiten als Geheimtipp – und dabei ist es geblieben. „Es gibt keine kuriosen Wünsche, irgendwas geht immer“, sagt Inhaberin Birgit Bieseke, die das Geschäft in dritter Generation führt.

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Birgit Bieseke führt seit 2008 die „Textilwaren Schülke“ in Potsdam-Babelsberg.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Babelsberg. Die Lage scheint dramatisch: „Sie sind meine letzte Rettung“, sagt eine Kundin, die extra vom Wohngebiet Am Stern nach Babelsberg geeilt ist: „Ich suche für die Hosen meines Sohnes ein Gummiband mit Löchern.“ Für Birgit Bieseke kein Problem. Die Inhaberin der „Textilwaren Schülke“ in der Garnstraße greift an ihre „Kurzwarenwand“ und reicht das Gewünschte über den Ladentisch. „Macht 2,95 Euro.“

Garnstraße – der Name ist offenbar Programm: Egal, ob Nähgarne, Wolle, Häkelnadeln, Tischdecken, Nachthemden, Unterwäsche oder Socken, Frau Bieseke kann helfen. „Es gibt keine kuriosen Wünsche, irgendwas geht immer“, erklärt sie nicht ohne Stolz.

Birgit Bieseke steht seit 1977 im Geschäft

Die 57-jährige führt das vom Bruder ihres Opas im Jahr 1939 gegründete Unternehmen bereits in der dritten Generation. „Es ist mein Traumjob. Ich habe 1977 angefangen, gleich nach der Lehre beim Konsum“, erzählt sie. Schon zu DDR-Zeiten galt das Geschäft, in dem bis zu vier Angestellte beschäftigt waren, als Geheimtipp. Schöne Unterwäsche, Nylon-Strumpfhosen oder kuschelige Wolle in verschiedensten Farben waren immer mal zu haben.

Auf den ersten Blick hat sich wenig verändert. Das Geschäft mit der markanten Markise und den Neonröhren-Lampen hat sich den Charme der 1970er-Jahre bewahrt. Die Auslage in den großen Schaufenstern wirkt unaufgeregt, eher sachlich und praktisch. Holzregale, Schubladen und Boxen prägen das Bild im Innern. Auf dem Tresen steht eine imposante Registrierkasse. Keine Spur von Glitzer und Chrom.

Die (Stamm-) Kundschaft ist zumeist jenseits der 60 oder 70. „Wäsche und Strumpfwaren verkaufe ich am meisten. Im Winter kommen viele Leute, weil sie stricken wollen. Im Herbst kommen junge Frauen, weil sie verrückte Strumpfhosen brauchen“, erzählt Frau Bieseke, die den Laden mittlerweile allein führt.

Viele Kunden bringen ihre Wintersachen zum Reinigen

Die Sonne lacht. In diesen Tagen bringen viele Leute ihre dicken Wintersachen zum Reinigen. Eine ältere Dame kauft zwei Nachthemden in der Größe 48. Eine Kundin benötigt Nähgarn. Den gesuchten grünen Farbton gibt es trotz großer Auswahl zwar nicht, aber transparentes Garn tut’s auch.

Reich werde sie nicht, wehrt Frau Bieseke ab, „aber ein bisschen was bleibt übrig.“ Da das Haus der Familie gehört, sei die Miete erträglich. Ansonsten müsste sie wohl dicht machen. „Ich kennen etliche in der Umgebung, die mussten wegen der Miete gehen.“ Babelsberg sei zwar sehr kinderfreundlich, ändere sich aber zunehmend zum Schickimicki-Stadtteil, sagt die Ur-Babelsbergerin. Ihr Geschäft lebe von der Stammkundschaft und von Mund-zu-Mund-Propaganda. „Selbst Kaufhäuser schicken Kunden zu uns. Unser Glück ist, dass man uns kennt“, sagt Birgit Bieseke. Und das seit nunmehr 77 Jahren.

Von Jens Trommer

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