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Geht's auch ne Nummer kleiner, Herr Jakobs?

Potsdams Oberbürgermeister und das Kulturgutschutzgesetz Geht's auch ne Nummer kleiner, Herr Jakobs?

Eins ist klar: So viel Vehemenz ist in Potsdam selten. Doch nun geht es um Hasso Plattner und das Kulturschutzgesetz. Der ist wirklich nicht geizig, spendiert der Landeshauptstadt Millionen. Nun möchte er auch seine private Kunst in Potsdam ausstellen. Allerdings hat er Anforderungen – und die wirft ihm Oberbürgermeister Jakobs vor die Füße. Ein Kommentar.

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Potsdams Oberbürgermsiter Jann Jakobs

Quelle: MAZ

Um solch einen Mann beneiden viele deutsche Städte Potsdam: Hasso Plattner (71), Unternehmer, Motivator, Förderer, Kunstsammler und Milliardär. Er liebt diese Stadt – und das nicht nur verbal. Er finanziert hier ein nach ihm benanntes renommiertes Institut mit einem dreistelligen Millionenbetrag. Plattner, der in Berlin geboren wurde, spendierte dem neu errichteten Stadtschloss und Landtag die historische Fassade, später sogar das Kupferdach. Er bot der Stadt den Bau einer Kunsthalle an – was allerdings scheiterte.

Doch die brandenburgische Landeshauptstadt freut sich schon auf das nächste Ereignis Plattnerscher Prägung: die Eröffnung des noch im Bau befindlichen Museums Barberini mit einer Mega-Schau von Kunstwerken des Impressionismus‘ und der klassischen Moderne 2017. Der SAP-Mitgründer will dort außerdem seine Sammlung von DDR-Kunst (Mattheuer, Heisig, Sitte, Tübke) zeigen und nach seinem Tod die komplette Privatsammlung (Munch, Nolde, Monet, Renoir) beherbergen. Es könnte jedoch bei DDR-Kunst bleiben, warnt Plattner in einem Schreiben an Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Nämlich dann, wenn die Novelle des Kulturgutschutzgesetzes von Bundeskulturstaatssekretärin Monika Grütters (CDU) in Kraft treten würde.

Bislang existiert nur der Entwurf eines Referenten, aber Kunsthandel, Sammler und einige, allerdings sehr prominente Künstler wie Georg von Baselitz laufen prophylaktisch dagegen Sturm. Es geht um Eintragungen als nationales Kulturgut und Ausfuhrregelungen. Das eine hat mit dem anderen nicht unbedingt etwas zu tun, wird jedoch in der Debatte gern vermischt. Letztlich fürchten Sammler wie Plattner oder Künstler wie von Baselitz, sie dürften ihre Werke nicht mehr so veräußern wie ehedem. Das bestreiten die Ministerialen.

Die Lage ist also unübersichtlich. Nur für einen nicht: Potsdams Oberbürgermeister Jakobs. Der Sozialdemokrat taucht aus dem Sommerloch auf, wirft Grütters theatralisch Plattners Schreiben vor die Füße und spricht von einem „kulturpolitischen Skandal allerersten Ranges“, „Bevormundung und staatlicher Kontrolle“. Er beklagt die Diskreditierung von Kunsthändlern und Sammlern, warnt Kommunen vor immensen Schäden.

Mein Gott! Geht es auch eine Nummer kleiner? So vehement erleben die Potsdamer ihren obersten Ratsherren jedenfalls äußerst selten. Oder werden in diesem Stil nun auch andere drängende Probleme dieser Stadt gelöst? Der alltägliche Verkehrskollaps etwa – indem die Faust mal richtig auf den Tisch knallt?
Hasso Plattners Vorstoß ist legitim: Er vertritt seine Interessen gegenüber der Politik. Und Jakobs? Der Oberbürgermeister sollte den Eindruck vermeiden, er handle im vorauseilenden Gehorsam. Die Suppe wird nie so heiß gegessen wie sie gekocht wurde. Das hatte er im Rathaus wohl kurz vergessen.

Quelle: MAZ-Chefredakteur Thoralf Cleven.
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Kunstmuseum Barberini in Potsdam
„Der Jahrhundertschritt“   von Wolfgang Mattheuer aus dem Jahr 1984 wurde  von Hasso Plattner für seine geplante Kunstgalerie erworben und im Kutschstallhof am Neuen  Markt aufgestellt.

Mit einem Kulturgutschutzgesetz will die Bundesregierung den Schutz von Kunstwerken neu regeln. Sollte das Gesetz Wirklichkeit werden, kann der Kunstmäzen Hasso Plattner eine Verlagerung seiner Bilder aus dem kalifornischen Palo Alto nach Deutschland „nicht mehr verantworten“. Die Bundestagsabgeordnete Andrea Wicklein (SPD) sieht dagegen „sehr viel Panikmache“.

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