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Geldtransfer bald in Sekundenschnelle möglich

Sparkassen und Banken Geldtransfer bald in Sekundenschnelle möglich

Viele Banken und Sparkassen wollen Mitte des nächsten Jahres die Echtzeitüberweisung einführen. Dazu gehören auch die Sparkassen in Brandenburg. Die Deutsche Bank peilt die Einführung erst für das „dritte Quartal 2018“ an. Die neue Zahlungsmethode könnte auch den Online-Handel umkrempeln, wie Branchenkenner vermuten.

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Instant payment ermöglicht es, Geld an jedem Tag zu jeder Zeit innerhalb weniger Sekunden zu transferieren.

Quelle: dpa

Potsdam. Eine schlichte Geldüberweisung braucht noch immer mindestens einen Tag. Das soll sich nun ändern. Viele Kunden von Sparkassen und Banken können schon bald Geldbeträge innerhalb von wenigen Sekunden auf ein anderes Konto überweisen. Die neue Echtzeitüberweisung (Instant Payment) ist bereits ab November europaweit möglich – dank eines einheitlichen Rechtsrahmens.

Die Mittelbrandenburgische Sparkasse (MBS) plant, die Echtzeitüberweisung Mitte 2018 einzuführen. Momentan werde die Umstellung mit dem zentralen IT-Dienstleister, die Finanz Informatik, noch getestet, sagte die stellvertretende MBS-Sprecherin Daniela Toppel. Für die Kunden bedeute dies eine deutliche Verbesserung. Sie könnten dann bequem Geld überweisen, das dann sofort auf dem anderen Konto sei.

Bereits jetzt sei eine Echtzeitüberweisung über die eigene Sparkassen-App möglich, hob die Sprecherin hervor. Die Funktion in der App nennt sich „Kwitt“. Die kostenlose App ermöglicht Überweisungen per Smartphone oder Tablet. So könnte im Restaurant einer die komplette Rechnung bezahlen und anschließend die Anteile per Handy zurückbekommen. Die MBS ist die größte Sparkasse im Land mit Filialen in Potsdam, Brandenburg/Havel sowie Havelland, Dahme-Spreewald, Oberhavel, Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming.

Auch andere Geldinstitute wollen die Echtzeitüberweisung in der zweiten Jahreshälfte 2018 einführen. Die Deutsche Bank peilt die Einführung erst für das „dritte Quartal 2018“ an. Schließlich hätten die meisten Unternehmen ihre Systeme noch gar nicht dafür ausgerüstet, sagte ein Banksprecher. Daher habe es wenig Sinn, als Bank vorzupreschen. Ob und welche Extragebühren für dieses Angebot fällig werden, ist aber noch unklar.

Jahrelang hatte der European Payments Council (EPC) nach den Vorgaben der Europäischen Zentralbank an dem neuen System gearbeitet. Instant Payment , die sogenannte Echtzeitüberweisung, ist an jedem Tag zu jeder Tageszeit innerhalb des 34 Länder umfassenden europäischen Zahlungsraums möglich, auch Sepa (Single Euro Payments Area) genannt. Bis zu 15 000 Euro kann man auf die Reise schicken, spätestens nach zehn Sekunden soll das Geld auf dem Empfängerkonto angekommen sein. So schreibt es das 140-seitige Regelbuch zum „Sepa Instant Credit Transfer“ vor. Keine Bank muss jedoch mitmachen. Dennoch dürfte sich der Service rasch ausbreiten, sobald die technischen Voraussetzungen geschaffen sind.

Was in Deutschland als Beginn einer neuen Epoche im Zahlungsverkehr gilt, ist in etlichen anderen Ländern schon ein alter Hut. Nationale Lösungen gibt es zum Beispiel in Australien, Finnland, Großbritannien, Mexiko, die Niederlande, Polen, Schweden oder Südafrika. Die möglichen Einsatzgebiete für die Echtzeitüberweisung sind vielfältig – vom privaten Gebrauchtwagengeschäft über die Ersteigerung bei Ebay bis hin zur Notüberweisung ins Ausland, wenn zum Beispiel dem dort studierenden Kind Geld und Kreditkarte abhanden gekommen sind. Interessant ist sie jedoch besonders für den Einzelhandel. Schließlich könnte der Soforttransfer an der Kasse die Zahlung mit der Kredit- oder Bankkarte ablösen – was vor allem aus Kostengründen für den Handel sehr attraktiv wäre, weil er dann nicht mehr so viel Prozente vom Umsatz an Kreditkartenorganisationen und Banken abgeben muss.

Die Echtzeitüberweisung könnte auch herkömmliche Zahlungsmethoden im Online-Handel ersetzen. Bislang bieten Paypal, Amazon, Klarna und andere Anbieter den Händlern die Garantie, dass sie ihr Geld auch bekommen. Sie lassen sich den Service aber gut bezahlen.

Ulrich Binnebößel vom Handelsverband Deutschland (HDE) sieht große Möglichkeiten im Fall der Einführung von Instant Payment. Es handele sich um ganz neue Zahlungsinfrastruktur, die theoretisch alle heute gängigen Zahlungsmethoden ersetzen könnte, sagte Binnebößel. Entscheidend sei jedoch, welche neuen Angebote die Händler auf dieser Basis entwickeln und wie die Banken und Sparkassen ihre Gebühren für diese Dienstleistung gestalten.

Von Igor Göldner

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