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Brandenburg Gelungene Integration: Syrerin unterrichtet in Potsdam
Brandenburg Gelungene Integration: Syrerin unterrichtet in Potsdam
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12:24 10.11.2017
Quelle: Rüdiger Braun
Potsdam

Auf der Tafel sind Kreise aufgezeichnet. Darinnen befinden sich blaue Magnete. Die Kreise stellen Tüten, die Magnete Äpfel dar. Die Schüler der dritten Klasse der Potsdamer Goethe-Grundschule haben heute das Thema Dividieren mit Rest. Sie sollen das durch das Verteilen von 15 Magneten in die Kreise lernen. Das Verteilen in vier Tüten haben sie durch, jetzt schlägt die Assistenzlehrerin etwas Neues vor. „Wir versuchen es mal mit zwei Tüten“, sagt sie. „Wer möchte verteilen?“, fragt die stellvertretende Schulleiterin Katrin Heinrichs, die heute den Matheunterricht der Klasse leitet. Sofort melden sich zwei der Achtjährigen und beginnen die Magnete in die Kreise zu heften. Da die Tüten beide gleich voll sein müssen, landen in jeder sieben Magnete. Einer bleibt außen. Die Assistenzlehrerin schreibt auf die Tafel; „15 : 2 = 7, R 1“ R steht für „Rest“.

Was Außenstehende nur am Akzent merken: Die blonde Assistenzlehrerin ist Ausländerin. Im Herbst 2015 flüchtete die heute 30-jährige Alesar Saed mit ihrem Mann und ihrem Kind aus dem kriegsgebeutelten Syrien. Sie kam nach Brandenburg. Alesar Saed sprach kein Wort Deutsch. Nun hat sie seit dem 1. Oktober einen Vollzeitvertrag als Assistenzlehrerin an der Goethe-Grundschule. Sie ist eine der ersten zwölf erfolgreichen Absolventen eines Programms der Universität Potsdam, bei dem von April 2016 bis September 2017 geflüchtete Lehrer fit für den Unterricht an deutschen Schulen gemacht wurden. Von den zuletzt noch 26 Teilnehmern des ersten Kurses hatten nur 12 die anspruchsvolle Deutschprüfung geschafft. Dazu muss man wissen: Der Vollzeitkurs ging nur eineinhalb Jahre und schloss mit dem Grad C 1 ab. Das ist der zweithöchste Deutsch-Grad überhaupt. C 1-Sprecher sind zum Hochschulstudium befähigt.

Trotzdem: „Die Sprache ist noch nicht so gut“, sagt Saed, die in ihrer Heimat sechs Jahre lang Mathematik für Schüler der Sekundarstufe unterrichtet hatte. Die Schüler merkten schon, wenn das Deutsch des Lehrers nicht perfekt sei. Diesen kleinen Mangel gleicht Saed aber durch Freundlichkeit und Engagement aus. Man merkt an ihrem Unterricht wie glücklich sie ist. „Ich freue mich, in meinem geliebten Beruf wieder arbeiten zu können“, sagt sie. Hätte sie eine Bleibeperspektive – ihre Aufenthaltserlaubnis gilt im Moment nur noch für ein weiteres Jahr – würde sie vermutlich hier noch studieren, um vollwertige Lehrerin zu werden.

Die an diesem Tag an die Schule gekommene Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) ermutigt sie zu einem solchen Versuch. Über das 2016 begonnene Programm der Universität habe sie sich sehr gefreut. „Es kann möglicherweise ein qualifizierter Weg in die Arbeit bedeuten“, sagt sie. Dass eine solche Qualifizierung für andere Berufe nicht so einfach sei, hänge mit den hohen Anforderungen etwa des dualen Bildungswesens zusammen. Und natürlich mit der Schwierigkeit der deutschen Sprache.

Miriam Vock, Professorin für Unterrichtsforschung und Initiatorin des Potsdamer Programms, betont, dass ausschließlich akademisch gebildete und berufserfahrene geflüchtete Lehrer zugelassen worden seien. Der Crash-Kurs in Deutsch und in Pädagogik ist dennoch schwer. Nur knapp die Hälfte des ersten Kurses hielt bis zum Ende durch. Mehr als die Hälfte müssen weiter Deutsch lernen, um die Prüfung zu wiederholen. Allerdings meldet das Schulamt Potsdam auch, dass acht der 12 erfolgreichen Teilnehmer schon in Potsdam, Luckenwalde und Blankenfelde untergekommen sind. Derzeit gibt es an der Universität noch sechs Kurse für Geflüchtete mit rund 100 Teilnehmern.

„Unbedingt“ hilfreich findet jedenfalls Konrektorin Heinrichs die Arbeit von Alesar Saed an der Schule. Saed kann nicht nur selbstständig Kleingruppen unterrichten. „Sie dolmetscht auch bei Elternabenden“, sagt Heinrichs. Die Schule hat inzwischen auch drei geflüchtete syrische Schüler. Ihnen kann Saed nicht nur Inhalte besser erklären, sie kann ihnen auch dartun, dass der offene Blick eines deutschen Schülers nicht unbedingt eine offene Aggression bedeutet. Damit schlichtet sie interkulturelle Konflikte. Saed sei ein Beispiel wie Integration gelingen könne.

Von Rüdiger Braun

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