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Brandenburg Geschäftsführer von Haasenburg hört auf
Brandenburg Geschäftsführer von Haasenburg hört auf
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00:17 04.11.2013
Das Schild bleibt, doch die Spitze der Verwaltung der Haasenburg GmbH in Neuendorf am See wird wechseln. Quelle: dpa
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Neuendorf am See

Die Staatsanwaltschaft Cottbus prüft einen Anfangsverdacht, der sich auf die wirtschaftliche Betriebsführung des Unternehmens bezieht. Das sagte Oberstaatsanwältin Petra Hertwig am Freitag der MAZ. Eine entsprechende Anzeige sei von einer Privatperson erstattet worden. Genauere Angaben machte sie nicht.

Die Haasenburg GmbH erhebt laut Brandenburger Bildungsministerium für jeden Jugendlichen je nach Betreuungsintensität Tagessätze von 300 bis 500 Euro und gehört damit bundesweit zu den teuersten Einrichtungen dieser Art. Die Vorwürfe richten sich gegen den langjährigen Geschäftsführer, Mario Bavar, der – wie ebenfalls gestern bekannt wurde – zum 1. November aus dem Unternehmen ausgeschieden ist, sowie gegen den Eigentümer, Christian Dietz. Unternehmenssprecher Hinrich Bernzen sagte, er höre von diesen Anschuldigungen zum ersten Mal. Mario Bavar und die Haasenburg GmbH hätten sich „in gegenseitigem Einvernehmen“ getrennt, so Bernzen weiter. „Der Druck, der in den letzten Wochen auf der Geschäftsführung gelastet hat, war enorm“, erklärte er.

Unterdessen wurde bekannt, dass die Haasenburg GmbH weitere 50 Mitarbeiter gekündigt hat, was den Personalstamm von ursprünglich 220 auf 120 reduziert. Wegen der geringen Belegung der Heime – das Bildungsministerium hat diese infolge der Vorwürfe eingeschränkt oder gestoppt – habe man keine andere Wahl gehabt, so Bernzen. Derzeit werden nach Angaben des Unternehmenssprechers noch etwa 50 Kinder und Jugendliche betreut. Zwei von ihnen sucht die Polizei, nachdem sie, wie schon andere zuvor, am Dienstag aus dem Heim in Neuendorf weggelaufen sind.

Insgesamt 70 Verfahren hat die Staatsanwaltschaft Cottbus seit Bekanntwerden der Vorwürfe im Juni bearbeitet. In vielen Fällen gehe es um Körperverletzung, in den meisten um die Misshandlung Schutzbefohlener, sagte Oberstaatsanwältin Hertwig. Mit dem Abschluss der Ermittlungen sei nicht vor Ende des Jahres zu rechnen. Allerdings sei schon absehbar, dass eine strafrechtliche Aufarbeitung der Vorkommnisse in den Kinder- und Jugendheimen in Jessern und Neuendorf (Dahme-Spreewald) sowie in Müncheberg (Märkisch-Oderland) schwierig werden könnte. Der Straftatbestand der Körperverletzung verjähre nach fünf Jahren, und für den Straftatbestand der Misshandlung Schutzbefohlener müsse man etwa nachweisen, dass ein Jugendlicher über längere Zeit regelrecht gequält worden sei. Aufklärung erhofft man sich auch von dem 120-seitigen Bericht der unabhängigen Kommission, der voraussichtlich nächste Woche veröffentlicht wird.

Neben all den anderen Turbulenzen muss sich die Haasenburg GmbH auch mit ausgerissenen Jugendliche beschäftigen. Seit Dienstag werden in Neuendorf am See ein 17-jähriges Mädchen und ein 15-jähriger Junge vermisst. Für das Mädchen liegt inzwischen ein Foto und eine Personenbeschreibung vor.

dpa

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