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Gesprengte Automaten: Streit um offenen Brief

Offener Brief nach Spreng-Serie Gesprengte Automaten: Streit um offenen Brief

„Wer ist der nächste?“ Nach einer Serie von Sprengungen in Geldinstituten geht eine Bank einen ungewöhnlichen Weg. Mit einem offenen Brief wendet sie sich an Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke und bittet um Hilfe. Doch der dramatische Appell stößt nicht gerade auf offene Ohren.

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Die gesprengte Bank in Altdöbern.

Quelle: dpa

Potsdam. Nach einer Serie von Anschlägen auf Geldautomaten hat die Lübbener Spreewaldbank einen dramatischen Hilferuf an Politik und Polizei ausgesendet. „Wir fühlen uns nicht mehr sicher“, heißt es in einem an Ministerpräsident Dietmar Woidke und Innenminister Karl-Heinz Schröter (beide SPD) adressierten Schreiben. Der Brief trägt die Unterschrift der beiden Vorstandschefs der genossenschaftlich organisierten Regionalbank, Doreen Hackenberg-Mathow und Sven Thamm.

Banken-Brand mit Millionenschaden

Auslöser des ungewöhnlich offenen Schreibens war die Sprengung eines Geldautomaten in Altdöbern (Oberspreewald-Lausitz) in der vergangenen Woche. Der dabei entstandene Großbrand hatte zu einem Millionenschaden geführt. Dass dabei kein Mensch verletzt wurde, „ist vielleicht Glück oder der letzte Skrupel, der diesen gewissenlosen Tätern verblieben ist“, so die Banker.

Keine Angriffe und Überfälle aufgeklärt

Allein in den Filialen der Spreewaldbank wurden nach deren Angaben in letzter Zeit vier Angriffe auf Geldautomaten und ebenso viele Raubüberfälle verübt. Keines dieser Verbrechen sei aufgeklärt worden. „Unsere Mitarbeiter haben Angst vor der Arbeit am Kassenschalter“, so die Unterzeichner. Wörtlich heißt es in Richtung Innenminister: „Bitte bekämpfen Sie Banden- und organisierte Kriminalität mit der gleichen Hingabe wie Brandenburgs Verkehrssünder!“

Auch andere Banken haben Angst

Nach MAZ-Informationen herrscht auch bei konkurrierenden Banken Besorgnis. Offiziell halten sich die Wettbewerber jedoch bedeckt, um potenziellen Tätern keinen Angriffspunkt zu bieten. Es gebe immer wieder regionale Wellen von Anschlägen und Überfällen, sagt Cosima Ningelgen, Sprecherin des Ostdeutschen Sparkassenverbands.

„Wer ist der nächste?“

Die Spreewaldbank hingegen macht keinen Hehl aus ihrer Verunsicherung. „Intern sprechen wir darüber: Wer ist der nächste?“, sagt Vorstand Sven Thamm. Privatbanken hätten sich längst aus der Fläche zurückgezogen. Jetzt müsse man sich auch die Frage stellen, ob es überhaupt noch rentabel sei, mit Bargeld zu operieren.

Kommentar von MAZ-Chefredakteur Thoralf Cleven >

Ministerium hat kein Patentrezept

Das Potsdamer Innenministerium reagierte am Donnerstag zurückhaltend. Zwar würden derartige Straftaten „grundsätzlich sehr ernst genommen“, doch gebe es kein „Patentrezept zur Lösung dieser professionell begangenen schweren Straftaten“, so Sprecher Ingo Decker.

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Ministerium: Vorwurf sei unsachlich

Den Vorwurf, man verfolge Verkehrssünder intensiver als Verbrecherbanden, sei unsachlich. Decker: „Diese Bemerkung erstaunt bei einem Institut, das sich von Hause aus eigentlich durch professionelle Nüchternheit und Sachlichkeit auszeichnen sollte.“

Gewerkschaft versteht die Ängste

Die Gewerkschaft der Polizei dagegen hält die Ängste der Banker für berechtigt. Für die Ermittlungen brauche es Zeit und Manpower, doch von beidem habe die Polizei immer weniger zur Verfügung, so Landeschef Andreas Schuster.

Von Bastian Pauly

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