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Geständnis mit Hintertür

Prozess zu Dreifachmord von Ostbrandenburg Geständnis mit Hintertür

Der mutmaßliche Dreifachmörder Jan G. hat zu Prozessauftakt vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) die Tötung zweier Polizisten eingeräumt – er beteuert aber, er habe die Beamten nicht umbringen wollen. Die Staatsanwaltschaft sieht das ganz anders.

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Das Haus in Müllrose, in dem Jan. G. seine Großmutter nach einem Streit umbrachte.

Quelle: Foto: MOZ

Frankfurt (Oder). Überraschung zum Prozessauftakt gegen den mutmaßlichen Dreifachmörder Jan G. vor dem Landgericht Frankfurt (Oder): Der 25 Jahre alte Angeklagte hat am Dienstagmorgen die Tötung zweier Polizeibeamter am 28. Februar dieses Jahres in Ostbrandenburg eingeräumt und sich bei den Hinterbliebenen entschuldigt. Etwas verklausuliert gab er auch zu, zuvor seine Großmutter an deren 79. Geburtstag umgebracht zu haben. Jan G. sprach von einer „Handlung“ im Haus der Rentnerin. Allerdings stritt der in Hand- und Fußfesseln vor Gericht erschienene Angeklagte ab, die Polizisten (49 und 52) an einer Straßensperre bei Oegeln (Oder-Spree) mit Absicht totgefahren zu haben. „Ich habe die ganze Zeit gehupt“, sagte der Angeklagte. „Ich habe das nicht gewollt.“ Das Wörtchen „das“ umschreibt eines der schlimmsten Verbrechen der vergangenen 25 Jahre in Brandenburg.

Die Staatsanwaltschaft sieht dagegen deutliche Indizien dafür, dass der nach dem Mord an seiner Großmutter aus Müllrose (Oder-Spree) Flüchtende einen geraubten Honda „gezielt“ in Richtung der Polizisten lenkte. Laut Staatsanwalt Jörg Tegge fuhr Jan G. schon hundert Meter vor dem Unfallort am Ortsausgang auf die Polizisten zu – und zwar mit 140 bis 160 Kilometern pro Stunde.

An die Angehörigen gewandt – eine Polizisten-Witwe erschien in Begleitung von Anwältin und Seelsorgerin – sprach der Angeklagte: „Ich kann sagen, dass es mir leid tut.“ Er bedauere, dass die Polizisten „nicht nach Hause kamen und nicht mehr zum Dienst konnten“.

Die Angehörigen der toten Beamten und Jan G.s Mutter, die ihre eigene Mutter verloren hat, wird das kaum besänftigen. Das machte Anwältin Kamila Matthies klar. Im Namen einer Polizisten-Witwe legte sie dem Gericht nah, den Katalog der Jan G. vorgeworfenen Mordmerkmale zu erweitern. Heimtücke und ein „gemeingefährliches Mittel“ als Tatwaffe kämen in Betracht – gemeint ist das Auto, mit dem Jan G. die Polizisten überfuhr. Der Berliner Ku’damm-Raser-Prozess stütze sie in dieser Rechtsauffassung, so Matthies.

Zwar geht die Staatsanwaltschaft, gestützt auf ein psychiatrisches Gutachten, von „verminderter Schuldfähigkeit“ des zum Tatzeitpunkt unter Drogen stehenden Angeklagten aus. Doch fordert sie zu prüfen, ob Jan G. wegen seiner Gemeingefährlichkeit in eine Sicherungsverwahrung muss. Das heißt: Er käme möglicherweise nie mehr aus dem Gefängnis.

Äußerlich unbewegt nahm Jan G., der seit März in einer Psychiatrie untergebracht ist, die Verlesung der Anklageschrift hin. Seine Lederjacke legte er während der gesamten Sitzung nicht ab. Mit seinem eng gebundenen Schlips zum weißen Hemd erinnerte er an einen Azubi beim Vorstellungsgespräch – wäre da nicht der flachgelegte Irokesenkamm auf dem seitlich kahlgeschorenen Kopf und der Mini-Spitzbart am Kinn. Was der Staatsanwalt vortrug, war im Detail schwer zu ertragen. Mit Fäusten, einer Porzellan-Zuckerdose und einem Stuhl soll der damals 24-Jährige nach einem Streit um den Zustand des Badezimmers seine Großmutter brutal zu Boden geschlagen haben. Dann soll er ihr mit ihrem „Lieblingsmesser“ tödliche Stiche in den Hals versetzt haben.

Der Anwalt der Mutter des mutmaßlichen Täters, Peter-Michael Diestel, wies auf zahlreiche Versäumnisse und Fehleinschätzungen von Behörden und Gutachtern in der Vergangenheit hin. Hilferufe der Familie, die in Angst vor dem Intensivtäter lebte, seien nicht ernst genommen worden. Er hoffe, dass die Verantwortlichen, die kaum bestraft werden könnten, „so sensibel sind, dass sie lange Zeit nicht gut schlafen können“. Den Angeklagten habe er als „gebrochenen Menschen erlebt, der Distanz zu seinen Taten schaffen will“, so Diestel. „Aber es ist leider zu spät.“

Für Aufsehen erregte der Antrag von Jan G.’s Verteidiger, von den Schöffen dienstliche Stellungnahmen dazu anzufordern, ob sie einen vor dem Prozess ausgestrahlten TV-Beitrag gesehen haben. Die Sendung von Spiegel-TV zeigte Ausschnitte aus Videos, die zum Beweismaterial gehören. So könnte die Unbefangenheit der Schöffen in Zweifel gezogen werden.

Heute wird das Verfahren fortgesetzt – unter anderem mit den Erklärungen der Schöffen.

Von Ulrich Wangemann

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