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Gestatten, Frau Santa kommt an Heiligabend

Weihnachtsfrauen Gestatten, Frau Santa kommt an Heiligabend

Der Weihnachtsmann wurde gegendert. Das Studierendenwerk Berlin vermittelt neuerdings Weihnachtsfrauen in Berlin und Brandenburg. Das liegt aber nicht nur an dem Mangel an Anmeldungen für den traditionellen Weihnachtsmann, sondern auch an einem ganz grundsätzlichen Wandel in der Gesellschaft. Und Frau Santa, die ist schon mächtig aufgeregt.

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Natalia Vishnyakova (r.) und Kati gehören zu den ersten Weihnachtsfrauen und wollen an Weihnachten Kinder mit Geschenken glücklich machen.

Quelle: dpa

Berlin. Gerötete Wangen, ein gepflegter Rauschebart, dazu ein samtig-roter Mantel, der am ausladenden Bauch kneift: an Weihnachten bringt der Weihnachtsmann traditionell Geschenke. Doch das ist im Raum Berlin und Brandenburg dieses Jahr anders, denn die Weihnachtsikone erhält Konkurrenz: Das Studierendenwerk Berlin vermittelt über das Weihnachtsbüro erstmals Weihnachtsfrauen in die Region.

Natalia Vishnyakova schlüpft in ein rotes Weihnachtsfrauenkostüm. Ein langer Rock bedeckt ihre Beine. Dann zieht sie über ihre dunkelblonden Haare eine weiße Perücke. Sie schaut sich im Spiegel an und lächelt. „Weihnachten ist eine Zeit mit ganz besonderer Stimmung. Der Wunsch, dazu etwas Gutes beizutragen, ist das Wichtigste“, sagt sie. Die 30-Jährige zupft die Haare ihrer Perücke zurecht.

Natalia Vishnyakova (30) aus Weißrussland studiert im Master an der TU in Berlin

Natalia Vishnyakova (30) aus Weißrussland studiert im Master an der TU in Berlin. An Weihnachten wird sie zur Frau des Weihnachtsmannes.

Quelle: Christin Iffert

Die angehende Weihnachtsfrau stammt ursprünglich aus Weißrussland. Seit einem Jahr studiert sie in Berlin Sprache und Kommunikation. Ihre Familie feiert Weihnachten nicht in den Tagen um den 24. Dezember, sondern am 6. und 7. Januar. Sie wurde christlich-orthodox erzogen. „Weihnachten ist in Weißrussland kein Spaß, teilweise verbringt man sechs Stunden in der Kirche. Erst danach kommt der Weihnachtsmann“, erklärt sie. Eine Weihnachtsfrau – die gab es der Legende nach in ihrem Heimatland nie. Verkleidet hat sie sich früher trotzdem für ihren acht Jahre jüngeren Bruder: als Weihnachtsengel. Das Strahlen seiner großen Kulleraugen, als sie die Geschenke überbrachte, hat sich eingeprägt. Das ist es, worauf sie sich an Weihnachten in Berlin am meisten freut.

Die Weihnachtsfrau ist keine Nebenfigur

Die Figur der Weihnachtsfrau ist ein Versuch des Studierendenwerks, das traditionelle Vermittlungsgeschäft zu beleben. Seit Jahren gibt es zu wenig Anmeldungen für die Miet-Weihnachtsmänner. Weit mehr als 2000 Buchungsanfragen für eine besondere Bescherung sind aktuell im studentischen Weihnachtsbüro von Familien in Berlin und Brandenburg eingegangen – Ende dieser Woche endet die Anmeldefrist. Im letzten Jahr hatten 2600 Berliner und Brandenburger Familien das Weihnachtsbüro kontaktiert, nur 110 mal wurden Frauen als Christkind vermittelt.

„Außerdem schafft die Figur Vielfältigkeit und Gleichberechtigung“, sagt Jana Judisch. Die Pressesprecherin des Studierendenwerks sieht darin eine Chance, dass auch Studentinnen am Heiligen Abend deutlich mehr Aufträge erhalten. „Engel werden oft mit Christlichkeit in Verbindung gebracht“, sagt Judisch. Die Weihnachtsfrau hingegen sei eine weltliche Figur. Außerdem hat sie eine ganz besondere Wärme und Güte, findet Natalia Vishnyakova. Gleichzeitig sei mit der Weihnachtsfrau keine Nebenfigur geschaffen worden, sondern eine gleichwertige Hauptfigur.

Die beiden Weihnachtsfrauen sind schon aufgeregt, die Kinder an Weihnachten glücklich machen zu dürfen

Die beiden Weihnachtsfrauen sind schon aufgeregt, die Kinder an Weihnachten glücklich machen zu dürfen.

Quelle: Christin Iffert

Um Frau Santa hat das Studierendenwerk eine Geschichte gewoben. „Die Weihnachtsfrau hat immer im Schatten des Weihnachtsmannes gestanden“, sagt Vishnyakova. Sie pflegt das goldene Buch, in dem die Wünsche der Kinder notiert sind. Nun möchte sie den in die Jahre gekommenen Weihnachtsmann unterstützen, der es längst nicht mehr schafft, alle Kinder persönlich aufzusuchen.

Die Weihnachtsgeschichte wird nicht neu geschrieben

Eine weitere Weihnachtsfrau ist Kati (32), die ihren Nachnamen lieber geheim halten will. Letztes Jahr sammelte sie als Engel erste Erfahrungen. Nun ist die Biotechnologie-Studentin als Engel und Weihnachtsfrau unterwegs – auch, weil sie das Weihnachtsfest für sich selbst stark in den Hintergrund rückt. Sie findet die Weihnachtsfrau spannend, weil sie Neugier bei den Kindern wecke. „Damit wird die Weihnachtgeschichte nicht neu geschrieben“, sagt sie. Trotzdem gebe es im Kontext der Genderfrage einen Wandel an Weihnachten. Für sie stellt sich die Frage nach der Weihnachtsfrau gar nicht erst.

Kati (32) aus Berlin ist an Heiligabend nicht nur Weihnachtsfrau, sondern auch Engel

Kati (32) aus Berlin ist an Heiligabend nicht nur Weihnachtsfrau, sondern auch Engel.

Quelle: Christin Iffert

Noch ist die Nachfrage der Studentinnen zur Rolle der Weihnachtsfrau vergleichsweise gering. 181 Studierende wollen an Heiligabend Kinder zum Strahlen bringen. Davon treten sieben Studentinnen als Weihnachtsfrauen auf und vier weitere schlüpfen sowohl in die Engels-, als auch in die Weihnachtsfrauenrolle. 70 Aufträge gibt es für die neue Figur. „Noch buchen die Berliner und Brandenburger recht klassisch. Der Weihnachtsmann ist also nicht obsolet“, sagt Judisch. Gut 150 Weihnachtsmänner sind bisher im Angebot.

Im Schnitt verdient ein Weihnachtswesen, wie das Studierendenwerk ihre Figuren zusammenfasst, rund 500 Euro am Heiligabend. Das Studentenwerk Potsdam hatte vor einigen Jahren den Weihnachtsmannservice aufgrund der geringen Nachfrage an Studierenden einstellen müssen - obwohl der Bedarf in den Brandenburger Haushalten hoch ist. Mehr als 200 märkische Anfragen deckt das Studierendenwerk in Berlin.

Warum eine Weihnachtsfrau eben keinen Bart trägt

Bei Natalia Vishnyakova steigt mit jedem Tag die Aufregung. Sie selbst hat noch bis zum siebten Lebensjahr an den Mann mit dem Rauschebart geglaubt. Genau der Bart ist es, mit dem sie seit Bekanntwerden der neuen Weihnachtsfigur oft konfrontiert wurde. „Es war suspekt, wenn ich danach gefragt wurde, warum ich keinen Bart tragen werde“, sagt sie. Dabei liegt die Antwort auf der Hand: Sie verkörpert nicht den kuschligen Weihnachtsmann mit seinem großen Sack an Geschenken, sondern das weibliche Gegenstück. „Und das trägt nun mal keinen Bart.“

Von Christin Iffert

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