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Brandenburg Gutes Schulessen in Brandenburg für 4 Cent mehr
Brandenburg Gutes Schulessen in Brandenburg für 4 Cent mehr
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01:15 09.11.2018
Vegetarische Mittagsmahlzeit in einem Gymnasium in Potsdam. Quelle: picture alliance / dpa
Potsdam

Vier Cent pro Schulmahlzeit mehr – und schon wird das deutsche Schulessen viel gesünder. Das meint jedenfalls Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU). Sie stellte am Dienstag eine neue Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) vor, nach der schon ein geringer Aufpreis dazu führen könnte, dass das Essen in den deutschen Schulkantinen den hohen Qualitätsstandards der Gesellschaft entsprechen würde.

Abwechslungsreich ist das Essen schon

In mancher Hinsicht werden die Schulen in Brandenburg diesen Standards schon jetzt gerecht. Die Grundschule in Golßen (Dahme-Spreewald) bietet zum Beispiel allein in der ersten Oktoberwoche Möhren-Zucchini-Cremesuppe, Reis mit Gemüse, vegetarische Bulette und Fischli mit Kräutersoße an. Damit erfüllt sie die DGE-Forderung nach abwechslungsreicher Kost. Auf der anderen Seite aber gibt auch der Golßener Speiseplan aus DGE-Sicht zu denken.

Laut DGE sollte es höchstens zweimal in der Woche an den Schulen Fleisch oder Wurst geben. Die Schüler der Grundschule Golßen hätten aber prinzipiell an jedem Wochentag ein Fleisch- oder Wurstgericht wählen können. Laut DGE zu viel, denn hoher Fleischkonsum ist auch ein Gesundheitsrisiko.

Mehr Getreideprodukte und Salat

Dabei könnte laut DGE das Schulessen auch ganz anders aussehen. Im Klartext empfiehlt die Gesellschaft unter anderem ein tägliches Angebot von Getreide, Getreideprodukten, Kartoffeln, Gemüse und Salat. Mindestens einmal pro Woche sollte es außerdem Seefisch geben, umgekehrt sollte aber höchstens zweimal in der Woche Fleisch oder Wurst auf den Tisch kommen.

Der Golßener Schulleiter Dirk Herrmann sieht sich im Grunde ganz auf der Seite der DGE. Die Schule hat erst nach einer Umfrage unter Eltern 2016 die Preise erhöht, um überhaupt erstmals mehrere Gerichte am Tag anbieten zu können. „Wir hatten lange Jahre ein Schulessen für 1,80 Euro angeboten. Da kann die Qualität und Ausgewogenheit des Schulessens nicht hoch sein“, sagt Herrman. Allerdings gebe es umgekehrt auch eine Schmerzgrenze für die Eltern. Die sieht Herrmann bei 2,50 Euro pro Mahlzeit. „Preise von drei Euro und mehr sind fern aller Möglichkeiten und für uns unrealistisch“, sagt er. Genau mit solchen Preisen hantiert aber die DGE bei ihren Berechnungen für gutes Essen. Deutschlandweit zahlen die Eltern im Schnitt trotz hoher Subventionen demnach 3,50 Euro pro Schulessen.

Schulessen ist heiß umstritten

Dabei wären die Eltern offenbar schon bereit, für die Gesundheit ihrer Kinder etwas mehr zu zahlen. „Bei vier Cent am Tag würde ich nicht glauben, dass es da Probleme geben würde“, sagt die Sprecherin des Landeselternrats Brandenburg, Ulrike Schwenter. Allerdings hänge die Bereitschaft zu mehr Investitionen auch stark davon ab, inwieweit sich Eltern bereits mit Fragen zur gesunden Ernährung befasst haben.

Generell sei das Thema Schulessen in Brandenburg sehr umstritten, weil die Bedingungen überall anders seien, sagt Schwenter. „Jede Schule entscheidet selber.“ Das führt auch zu ganz unterschiedlichen Angeboten und Preisen. Beliebig nach oben schieben könne man die Kosten auch bei gut informierten Eltern nicht. Geld spiele bei der Schulspeisung schon eine große Rolle. Immer wieder käme zum Beispiel von Eltern die Frage, warum Schulessen überhaupt bezahlt werden müsse, wo doch Bildung an sich kostenlos sein solle.

Das brandenburgische Bildungsministerium sieht die Verantwortung für qualitativ gutes Schulessen bei den Trägern, letztlich also zumeist bei den Kommunen. Diese handelten zusammen mit den Schulen die Verträge mit Versorgern aus. „Teurer ist nicht unbedingt gleich besser“, wendet Ministeriumssprecher Raph Kotsch gegen die DGE-Studie ein. „Man kann mit regionalen Produkten vor Ort preiswert kochen“, sagt er. Letztlich müssten Träger und Schulen aushandeln, was sie wirklich wollten. Natürlich habe auch die Landesregierung ein Interesse an gesunder Ernährung. Deshalb gebe es die Vernetzungsstelle Schulverpflegung, die sich genau mit solchen Fragen befasse.

Laut der DGE selbst ist das Verhältnis zwischen Preis und gesunden Lebensmitteln aber gar nicht so einfach. „Letztendlich liegen die berechneten höheren Preise vor allem an den etwas höheren Personalkosten“, sagt Sprecherin Antje Gahl. „Wenn DGE-Standards eingehalten werden sollen, dann braucht man ja auch jemanden, der darauf kuckt“, fasst Gahl die Gründe zusammen.

 

Von Fabian Lamster und Rüdiger Braun

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