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Getöteter Islamist war psychisch gestört

Psychologische Grauzone Getöteter Islamist war psychisch gestört

Donnerstagmorgen löste Rafik Y., ein verurteilter Islamist, seine Fußfessel. Sofort wurde dies an die Kontrollbehörde gemeldet. Rafik Y. wurde angerufen. Er ging ans Telefon, wirkte aber so verwirrt, dass die Polizei informiert wurde. Als die auf den Mann traf, eskalierte die Lage – eine Beamtin wurde schwer verletzt, Rafik Y. starb. Jetzt hat sich sein Anwalt zu Wort gemeldet.

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Rafik Y. im Jahr 2008 vor Gericht.

Quelle: dpa

Potsdam/ Berlin. Der in Berlin erschossene Islamist war möglicherweise psychisch gestört oder stark verwirrt. Sein früherer Verteidiger Reinhard Kirpes sprach am Freitag von einem gewissen Realitätsverlust und einer psychologischen Grauzone. Auch in Berliner Sicherheitsbehörden gab es Hinweise auf eine geistige Beeinträchtigung von Rafik Y., der am Donnerstag eine Polizistin mit einem Messer verletzte und dann von einem anderen Polizisten getötet worden war.

Der 41-jährige Iraker sollte erneut vor Gericht. Er war wegen Bedrohung einer Richterin Ende Juni angeklagt worden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Außerdem soll er eine Mitarbeiterin der Ausländerbehörde mit den Worten «Wir werden Euch köpfen» bedroht haben und die Terroranschläge im Januar in Paris gerechtfertigt haben.

Laut Staatsanwaltschaft wurde die Wohnung des Mannes durchsucht, Unterlagen seien mitgenommen worden. Diese würden jetzt ausgewertet.

Rafik Y. war 2008 zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden - wegen Mitgliedschaft in der radikal-islamischen Terrorvereinigung Ansar al-Islam (Helfer des Islam) und der Beteiligung an Plänen für ein Attentat auf den damaligen irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi 2004 in Berlin.

Rechtsanwalt Kirpes, der Rafik Y. vor dem Oberlandesgericht Stuttgart verteidigt hatte, zeigte sich von dessen gewaltsamen Tod wenig überrascht. «Das wundert mich nicht. Er war ein sehr schwieriger Mensch.» Schon während des Gerichtsverfahrens sei sein Mandant, der seine Haft voll verbüßte, auffällig gewesen. «Ich hatte damals den Eindruck, dass er sich in einer psychologischen Grauzone bewegt.» In den letzten Jahren hatte der Anwalt keinen Kontakt mehr zu ihm.

Im März 2013 wurde Rafik Y. aus dem Gefängnis entlassen. Er musste eine elektronische Fußfessel tragen, die er vor der Tat abnahm. Mit der Fußfessel durfte er sich in ganz Berlin bewegen, verboten waren nur drei Vereine und Moscheen, in denen sich Islamisten treffen.

Als die Überwachungsstelle am Donnerstagmorgen bemerkte, dass die Fußfessel entfernt worden war, wurde Alarm ausgelöst. Die Polizei wurde informiert und schickte einen Streifenwagen zu seiner Wohnung. Dort war aber niemand mehr. Eine Stunde nach dem Abnehmen der Fußfessel, um 9.48 Uhr, ging bei der Polizei ein Notruf ein. Passanten hatten beobachtet, wie der Mann mit einem Messer auf dem Gehweg Menschen bedrohte.

Der verletzten Polizistin ging es am Freitag den Umständen entsprechend gut, wie ein Sprecher sagte. Sie sei stabil. Die Frau war noch am Donnerstag operiert worden. Der Täter hatte sie mit seiner Waffe, einem Klappmesser mit einer neun Zentimeter langen Klinge, am Hals und an der Schulter verletzt. Außerdem war die Polizistin versehentlich von einem Schuss ihres Kollegen getroffen worden.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter wies auf eine steigende Bedrohung durch Gewalttaten bewaffneter Täter hin. Polizisten würden «immer öfter in lebensbedrohliche Situationen gelangen», die sie in Sekunden an psychische und physische Belastungsgrenzen bringen könnten, erklärte der Berliner BDK-Landesvorsitzende Michael Böhl. Das Einsatz- und Schießtraining für die Polizisten sei unzureichend, so Böhl. «Hier zu sparen kostet Leben.»

Die Zahl der in Berlin lebenden Salafisten ist weiter gestiegen. Im September lebten nach Angaben des Verfassungsschutzes etwa 670 Menschen, die den Salafisten, also den ultrakonservativen Islamisten, zuzurechnen sind. 350 von ihnen sind gewaltorientiert. Die tatsächliche Zahl ist wegen einer beträchtlichen Dunkelziffer aber höher. Die Zahlenangaben wurden in den vergangenen Jahren immer wieder deutlich nach oben gesetzt.

Von MAZonline

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