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Brandenburg Görke macht den Weg frei für weibliche Doppelspitze
Brandenburg Görke macht den Weg frei für weibliche Doppelspitze
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16:03 16.03.2018
Sie sollen künftig die Doppelspitze stellen: Diane Golze und Anja Mayer (v.l.). Quelle: dpa
Potsdam

Führungswechsel bei der Brandenburger Linken: Finanzminister Christian Görke zieht sich als Parteichef zurück und macht den Weg für eine weibliche Doppelspitze frei. Brandenburgs Sozialministerin Diana Golze und die Landesgeschäftsführerin Anja Mayer sollen nach Görkes Willen künftig gemeinsam die Partei führen. „Die Zukunft Brandenburgs ist weiblich und die der Linken erst recht“, sagte Görke am Mittwochnachmittag in Potsdam. Görke steht seit vier Jahren an der Parteispitze. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel, erklärte er. Ein Parteitag am 17. März soll über die Personalie entscheiden.

Erstmals Doppelspitze

Die Linke hatte im vergangenen Jahr mit einer Satzungsänderung den Weg für eine Doppelspitze geebnet. Damit stellt sich die Partei, die seit 2009 an der Seite der SPD regiert, rechtzeitig vor dem Superwahljahr 2019 mit Kommunal-, Europa- und Landtagswahlen, neu auf. „Eine solche Konstellation hatten wir noch nie“, sagte Diana Golze. Sie habe als Frauenministerin schlecht „nein“ sagen können, als Görke sie gebeten habe, sich um das Parteiamt zu bewerben, erklärte sie. Allerdings hätte sie nicht zur Verfügung gestanden, wenn sie die Partei hätte alleine führen sollen, räumte sie ein. Die 42-Jährige hatte im Sommer 2017 in Italien einen schweren Unfall und war erst vor wenigen Wochen an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt. Sie gilt auch als mögliche Spitzenkandidatin für die Landtagswahl im Herbst 2019.

Verjüngung der Partei

An ihrer Seite soll, so Görkes Plan aufgeht, die Landesgeschäftsführerin und Parteisprecherin Anja Mayer stehen. Die 38-Jährige ist in Bayern geboren und arbeitete bei der Bundesgeschäftsstelle der Partei, ehe sie nach Brandenburg kam. Als Geschäftsführerin arbeitete sie an der Verjüngung der Partei. 6100 Mitglieder zählt der Landesverband, darunter sind 235 Neumitglieder. „Wir wollen die Kreativität der Neuen mit der Erfahrung derjenigen verknüpfen, die schon länger bei uns sind“, sagte sie.

Parteiintern hatte es Kritik an Görke gegeben, weil der als Finanzminister und stellvertretender Ministerpräsident nicht genügend Zeit habe, sich strategisch um die Partei zu kümmern. 2014 verlor die Linke bei der Landtagswahl etwa ein Drittel der Stimmen. Bei seiner Wiederwahl als Parteichef vor knapp zwei Jahren erhielt Görke einen deutlichen Dämpfer – nur 69 Prozent der Delegierten stimmten für ihn. „Ich denke, man hat Verantwortung nur auf Zeit“, sagte Görke Er habe die Partei in den vergangenen vier Jahren konsolidieren und deren soziales Profil schärfen können, sagte er. Seinen Posten als Vize-Ministerpräsident will er behalten.

„Keine Vorwegnahme, sondern ein Angebot“

Görke betonte, dass es sich nur um einen Personalvorschlag für seine Nachfolge handele. „Das ist keine Vorwegnahme, sondern ein Angebot“, so Görke. Es sei nicht ausgeschlossen, dass sich noch weitere Bewerber für das Spitzenamt melden. Der stellvertretende Parteivorsitzende Sebastian Walter, dem selbst Ambitionen auf die Parteiführung nachgesagt wurden, unterstützt nach eigenen Angaben das Team Golze/Mayer. Er wolle erneut für den Parteivorstand kandidieren, allerdings nicht als Vorsitzender, sagte er der MAZ. Walter ist seit anderthalb Jahren kommissarischer Regionsgeschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) in Ostbrandenburg und soll an diesem Samstag bei einem Gewerkschaftskongress regulär gewählt werden.

Die Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann, die Landtagsabgeordnete Isabelle Vandré sowie Mario Dannenberg, Kreischef von Oberspreewald-Lausitz, haben ihr Interesse an einem Stellvertreterposten bekundet.

Von Torsten Gellner