Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
Google-Software in Schule: Datenschützer sind skeptisch

Testlauf in Brandenburgs Schulen Google-Software in Schule: Datenschützer sind skeptisch

Einer der größten Konzerne der Welt drängt in Brandenburger Schulen, um dort die Digitalisierung voranzubringen. Die Brandenburger Datenschützerin ist besorgt und warnt vor allem vor einem Punkt.

Voriger Artikel
Ein Jüterboger als Krisenmanager für die SPD
Nächster Artikel
MAZ-Leser zeigen Licht und Schatten

So wie hier in Hannover sieht es auch in einigen Brandenburger Schulen aus, wenn Google in die Schule kommt.

Quelle: Tim Saarschmidt

Potsdam. Brandenburgs Datenschutzbeauftragte Dagmar Hartge hat vor den Folgen einer zunehmenden Digitalisierung in den Klassenzimmern gewarnt. Hintergrund ist die testweise Einführung der Lernsoftware „Expeditions“ des US-Internet-Konzerns Google an einigen märkischen Schulen.

Das sagen Lehrer und andere Verbände zur Google-Software

Über 50 deutsche Schulen haben bislang am Pilotprogramm teilgenommen. Anfang September startete das Projekt. Sieben Brandenburger Schulen haben die Virtual-Reality-Expeditionen bereits ausprobiert. Sie wurden von einem Google-Expeditionen-Trainer besucht, der Tablets, Smartphones und Cardboards zum Testen im Gepäck hatte. Nach dem Besuch der Expeditionen-Trainer können die Schulen selbst entscheiden, ob und mit welchen mobilen Geräten ihre Schüler das lernunterstützende Programm im Unterricht weiter anwenden.

Datenschützer sind skeptisch, sollten Schüler zu diesem Zweck ihre eigenen Geräte im Unterricht nutzen müssen. „Aus datenschutzrechtlicher Sicht halte ich den Einsatz solcher Programme für problematisch, da die Schüler zur Nutzung eigener Smartphones angehalten werden“, sagte Hartge der MAZ. Das Mitbringen eigener Geräte stelle ein Sicherheitsrisiko für die Schulen dar, es drohe ein „Verschwimmen der Grenzen zwischen privaten und schulischen Daten“.

Das sagt die Datenschützerin

Wie bewerten Sie den Einsatz von Unterrichtsprogrammen wie „Google Expeditions“ aus Sicht des Datenschutzes?

Aus datenschutzrechtlicher Sicht halte ich den Einsatz solcher Programme für problematisch, da die Schüler zur Nutzung eigener Smartphones angehalten werden. Wenn Lehrer und Schüler ihre mobilen Geräte selber mitbringen, stellt das in erster Linie ein Sicherheitsrisiko für die Schulen dar. Da die privaten Geräte nicht oder zumindest nicht vollkommen überwachbar sind, kann die Schule keine Sicherheit derjenigen Daten gewährleisten, die mit diesen Endgeräten verarbeitet werden.

Wo genau sehen Sie Probleme?

Datenschutzrechtlich liegt das Grundproblem im Verschwimmen der Grenzen zwischen privaten und schulischen Daten. Werden personenbezogene Daten mit den privaten Endgeräten verarbeitet, muss dabei gewährleistet sein, dass die Daten nicht verloren gehen, an unberechtigte Dritte gelangen oder unzulässig erhoben, genutzt oder verarbeitet werden.

Google versichert, dass die Schüler sich die App „anonym“ ­herunterladen dürfen ...

Auch wenn gerne behauptet wird, dass das Herunterladen der App auf dem Smartphone mit „anonymisierten Benutzerdaten“ geschehe, räumt sich die Android-App diverse Rechte auf dem Smartphone ein, die personenbezogene Daten berühren. Hierzu zählen das Finden von Konten auf dem Gerät sowie Lese- und Schreibrechte auf Dateien. Inwieweit tatsächlich Nutzerdaten anonymisiert werden, ist fraglich und müsste konkret überprüft werden.

Das Brandenburger Bildungsministerium teilt auf MAZ-Nachfrage mit, dass der Besuch der „Google-Expeditions“-Trainer nicht mit dem Ministerium abgestimmt sei und auch nicht abgestimmt werden müsse. Die Schulen seien prinzipiell frei in der Wahl ihrer Lehrmittel. Regelungen zur Nutzung von privaten Geräten – etwa wenn Schüler sich für den Unterricht externe Apps auf ihr Handy herunterladen, damit diese beispielsweise für den Geografie-Unterricht genutzt werden – würden „im Rahmen der gesetzlichen Regelungen auf Schulebene getroffen“.

Brandenburgs Datenschutzbeauftragte Dagmar Hartge

Brandenburgs Datenschutzbeauftragte Dagmar Hartge

Quelle: dpa

Der Landeselternrat fordert deshalb Standards für alle Schulen. Zwar sei das digitale Angebot in Brandenburgs Schulen „unterirdisch“, so Landeselternsprecherin Ulrike Schwenter. „Doch Schulen dürfen nicht allein entscheiden, ob Schüler ihre eigenen Geräte mitbringen.“ Demnächst will der Landeselternrat über das Prinzip „Bring your own device“ diskutieren, also wenn Schüler und Lehrer ihre eigenen mobilen Geräte mit in den Unterricht bringen.

Für eine schnellere Digitalisierung an Brandenburgs Schulen hat sich kürzlich auch der Direktor des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts (HPI), Christoph Meinel, ausgesprochen. Meinel wirbt für die Einführung der sogenannten Schul-Cloud, aus der Lern-Inhalte abgerufen und im Unterricht eingesetzt werden können. Moderne Programme ermöglichten auch neue Unterrichtsformate. Derzeit läuft ein bundesweites Schul-Cloud-Pilotprojekt, an dem auch das Marie-Curie-Gymnasium in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) beteiligt ist

Von Diana Bade

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg

Nach dem Aus für Jamaika: Wie sollte es jetzt weitergehen?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg