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Grillen will gelernt sein: Was zu beachten ist

Prävention und Erste Hilfe Grillen will gelernt sein: Was zu beachten ist

Jedes Jahr passieren in Deutschland rund 4000 Grillunfälle, manchmal mit dramatischen Folgen. Vergangenes Jahr ist in Päwesin (Potsdam-Mittelmark) beim unsachgemäßen Anzünden des Grillfeuers ein Haus niedergebrannt, selten sterben auch Menschen. - Was zu tun ist, wenn das Feuer außer Kontrolle gerät.

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Quelle: dpa

Potsdam. Die Grillsaison ist wieder eröffnet. Doch Grillen will gelernt sein und ist ganz und gar nicht ungefährlich. Im Juli vergangenen Jahres war beim unsachgemäßen Anzünden des Grillfeuers ein Wohnhaus in Päwesin (Potsdam-Mittelmark) niedergebrannt, ein Mann wurde verletzt. Manchmal sogar sterben Menschen, so im Mai 2007, als ein 38-Jähriger in Trier versuchte, ein erloschenes Feuer mit Benzin zu entfachen. Jedes Jahr kommt es in Deutschland zu rund 4.000 Grillunfällen. Häufig sind schwere Verbrennungen die Folge.

Laut DRK ist die häufigste Ursache für einen Unfall am Grill der falsche Umgang mit Brandbeschleunigern. Sie werden in die beginnende Glut gegossen, um den Grill schneller anzuheizen. Dabei kann eine Stichflamme entstehen, die nicht nur die Person am Grill verletzt, sondern auch auf Umstehende übergreifen kann.

Richtiges Verhalten beim Grillen und beim Grillunfall

Für Sicherheit sorgen: Grillen Sie ausschließlich im Freien. Nur feste Grillanzünder und Brennpasten verwenden. Niemals flüssigen Brennstoff auf die heiße Kohle gießen. Halten Sie einen Eimer mit Löschwasser griffbereit. Achten Sie auf einen sicheren Stand des Grills. Spielende Kinder und tobende Hunde könnten ihn umwerfen. Alkoholisierte Menschen nicht den Grill bedienen lassen.

Notruf 112 absetzen: Kommt es beim Grillen zu einer größeren Verbrennung, sollte der Notarzt gerufen werden. Das gelte bereits dann, wenn fünf Prozent der Haut - etwa die Fläche einer Hand - betroffen sind, sagt Stefan Markus vom Malteser Hilfsdienst in Köln. Besonders bei Verbrennungen im Gesicht, oder wenn heiße Luft eingeatmet wurde, kann die Situation für den Verletzten lebensbedrohlich werden. Bei kleineren Verbrennungen genüge es meist, die betroffene Stelle unter fließendem Wasser zu kühlen, bis der Schmerz nachlässt. Anschließend kann Brand- oder Wundgel aufgetragen werden. Bilden sich Blasen, sollte der Betroffene einen Arzt aufsuchen.

Flammen am Körper löschen oder ersticken: Ersticken Sie in Brand geratene Kleidung, indem Sie eine Decke oder ein großflächiges Kleidungsstück fest auf den Körper drücken und die Flammen vom Kopf an abwärts ausstreichen, rät das DRK. Vorsicht: Nutzen Sie auf keinen Fall eine Decke aus Synthetik, sondern löschen Sie den Brand mit Wasser! Ist ein Feuerlöscher zur Hand, dürfen Sie den Schaum niemals ins Gesicht spritzen. Entfernen Sie verbrannte Kleidung. Wenn diese mit der Haut verklebt sind, schneiden Sie um die Verklebung herum.

Brandverletzungen nicht dauerhaft kühlen: Hautschädigungen treten bei Verbrennungen schon nach wenigen Sekunden ein. DRK-Bundesarzt Professor Peter Sefrin rät: „Große Brandwunden nicht kühlen. Bei kleinflächigen Wunden (bis zur Größe einer Handfläche) kann zur Schmerzlinderung kurzfristig gekühlt werden. Eine länger andauernde Kühlung mit Wasser kann bei großflächigen Verletzungen eine Unterkühlung nach sich ziehen. Bedecken Sie die Wunde mit einem (Brandwunden-)Verbandtuch aus dem Verbandkasten des Autos. Verbinden Sie dann die Wunde locker und ohne Druck. Decken Sie den Verletzten gegebenenfalls mit der Rettungsdecke ab, um eine Auskühlung zu verhindern. `Hausmittel´ wie Salben, Öl oder Mehl gehören keinesfalls auf eine Brandwunde!“

Große Vorsicht mit Brandbeschleuniger: Wer Brandbeschleuniger verwendet und dabei jemanden verletzt, muss für den Schaden geradestehen. Und nicht nur das: Auch Beteiligte, die eine Verwendung von Spiritus und Co. nicht verhindern, haften bei einem Unfall. Es reicht jedoch nicht aus, einfach darauf hinzuweisen, den Brandbeschleuniger besser nicht einzusetzen. Laut Oberlandesgericht Hamm (Az.: 9 U 129/08) muss man selbst aktiv einschreiten, um die Gefahr abzuwenden. Tut man dies nicht, können alle Beteiligten haftbar gemacht werden, wenn es zu einem Grillunfall kommt. In so einem Fall kommt Privathaftpflichtversicherung für entstandene Schäden auf. Diese springt ein, falls jemand einen anderen schuldhaft verletzt. Kann jedoch keinem der Beteiligten ein Verschulden an einem Personen- oder Sachschaden nachgewiesen werden, zahlt die Haftpflicht nicht.

Grillen nur mit Hinweisschild erlaubt: Gegrillt werden darf nur dort, wo die Erlaubnis etwa durch ein Hinweisschild sichtbar ist. Wer jenseits ausgewiesener Plätze grillt, riskiert ein Bußgeld. Besonders in Naturschutzgebieten kann das teuer werden. Außerdem gilt: Wenn alles aufgegessen ist, muss der ganze Müll samt Kohlereste mitgenommen werden. Andernfalls drohen auch hier Bußgelder.

Rücksicht nehmen auf die Nachbarn: Mieter sollten beim Grillen darauf achten, dass Nachbarn nicht gefährdet oder belästigt werden. Wer darauf achtet, dass der Geruch und Rauch niemanden beeinträchtigt, vermeidet Streit. Darüber hinaus ist es oft hilfreich, die Nachbarn rechtzeitig über die Grillparty zu informieren. Generell sollte die Anzahl der Grillabende beschränkt werden - eine Faustregel für die zulässige Zahl gibt es aber nicht. Ein moderater Lärmpegel und Respekt vor nächtlichen Ruhezeiten helfen, die Nerven der Nachbarn zu schonen. Wichtig zu beachten: Auf Balkonen von Mehrfamilienhäusern dürfen aus Gründen des Brandschutzes nur Elektrogrills verwendet werden. Außerdem kann dort das Grillen durch die Hausordnung verboten oder beschränkt sein.

Wenn der Grill zum Fall für den Richter wird

Nicht immer sorgt der Grill für einen harmlosen Freizeitspaß. Das Freiluftvergnügen um Fleisch und Würstchen kann auch Probleme bereiten und endet bisweilen sogar mit folgenschweren Unfällen und Straftaten.

- Ein Streit bei einem Grillfest in Marienheide bei Köln endet im April 2013 mit einem Mord. Zwei angetrunkene Nachbarn gehen zunächst mit Schaschlik-Spießen aufeinander los, dann holt einer der Kontrahenten ein Messer und ersticht seinen Gegner. Das Landgericht Köln verurteilt den 64 Jahre alten Mann zu achteinhalb Jahren Haft.

- Nach einem Grillunfall bei einem Kita-Ausflug muss ein Betreuer 1800 Euro Geldbuße zahlen. Im Juli 2014 hatte ein damals sechs Jahre alter Junge im hessischen Friedberg schwere Verbrennungen erlitten, weil der Mann beim Anzünden Spiritus verwendete und eine Stichflamme das Kind traf.

- Ein Mann in Ostholstein verletzt sich an einer Nadel in seiner Grillwurst. Eine Frau hatte abgepackte Fleisch- und Wurstpakete in Supermärkten mit den Metallstiften gespickt - aus Protest gegen ihrer Ansicht nach krankmachendes Industriefleisch. Das Landgericht Lübeck verurteilt die 60-Jährige im Mai 2015 zu einer Bewährungsstrafe.

- Vermutlich durch eine nicht gelöschte Grillstelle geraten im April 2015 Teile des Stadtwalds von Püttlingen im Saarland in Flammen. Verletzt wird niemand, auf rund 600 Quadratmetern brennen aber alle Bäume ab. Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Brandstiftung.

- Bei Velen in Nordrhein-Westfalen brennt im April 2010 eine Grasfläche in der Größe von drei Fußballplätzen ab. Leichtsinnige Griller hatten allen Warnungen vor Waldbränden zum Trotz auf einer Lichtung heiße Kohle in trockenes Heidegras ausgeschüttet.

Von MAZonline

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