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Brandenburg Grippe belastet Behörden und Wirtschaft
Brandenburg Grippe belastet Behörden und Wirtschaft
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20:26 23.03.2018
Die Grippe ist inzwischen ein Thema für Wirtschaft und Politik Quelle: imago/Westend61
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Potsdam

Die heftige Grippewelle in diesem Jahr stellt inzwischen eine Belastung für die brandenburgische Behörden und Firmen dar. Brandenburg gehört mit Sachsen-Anhalt und Thüringen zu den Bundesländern mit den höchsten Krankenständen im Februar. Bundesweit waren im Vormonat so viele Beschäftigte krankgeschrieben wie seit zehn Jahren nicht. Einer von den Betriebskrankenkassen (BKK) veröffentlichten Statistik zufolge waren 6,2 Prozent der Arbeitnehmer krank.

Wirtschaft geht von Einbußen aus

„Natürlich werden die hohen Ausfallraten auch zu Schäden führen“, sagt er Sprecher der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg, Carsten Brönstrup. „In einigen Betrieben kann die Arbeit später nachgeholt werden.“ Bei den Dienstleistern sehe das aber anders aus. „Die Brötchen, die jetzt nicht gebacken worden sind, werden auch nicht mehre gebacken.“

Bei der Arbeitsagentur Potsdam beträgt der Krankenstand derzeit 30, in manchen Abteilungen bis zu 50 Prozent. „Die verbliebenen Mitarbeiter machen Überstunden und vertagen Kundentermine“, sagt Pressesprecherin Silke Berlin. „Dringende Anliegen werden aber immer bearbeitet – es kann allerdings etwas dauern“, so Berlin.

30 Mitarbeiter im Amtsgericht Cottbus krank

Leere herrscht auch in etlichen Büros im Amtsgericht Cottbus. „Diese Woche war ziemlich schlimm“, sagt Gerichtsdirektor Michael Höhr. Von den rund 165 Mitarbeitern seien 30 krank. Zur Grippe habe sich ein Magen-Darm-Infekt gesellt. Besonders in der Nachlass-Abteilung sei Land unter. „Von fünf Mitarbeitern ist noch einer im Dienst“, so Höhr. Man konzentriere sich jetzt aufs absolut Notwendige. Viele Arbeiten blieben liegen, „Urteile und Beschlüsse werden nicht geschrieben“, sagt der Direktor.

Auch das brandenburgische Finanzministerium und das Innenministerium sprechen von enormen Ausfällen durch die Grippe und andere Erkältungskrankheiten. Im Finanzministerium verzögert die Grippewelle die Abstimmung über Publikationen und Pressemitteilungen, im Innenministerium gibt es seit Wochen schon Ausfälle beim Personal. „Und das ist zum Teil immer noch so“, sagt Sprecher Ingo Decker.

Obwohl die Zahl der akuten Atemwegserkrankungen laut dem Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) seit dem 12. März deutlich gesunken ist, ist sie immer noch auf hohem Niveau. Nicht weniger als 1741 neue Influenzafälle waren im Land Brandenburg labordiagnostisch bestätigt worden. Das sind nur ein paar Fälle weniger als die Woche zuvor, die deutschlandweit den bisherigen Höhepunkt der Grippewelle darstellt. In der ersten Märzwoche zählte das Institut für Brandenburg 1759 neu bestätigte Influenzafälle. Das waren mehr als zehnmal so viele als im Jahr zuvor. Bislang starben nach Auskunft des Gesundheitsministeriums elf Brandenburger an der Grippe.

Frankfurt (Oder) und Elbe-Elster am stärksten betroffen

Am stärksten wütet die Influenza derzeit in Frankfurt (Oder). Von 100000 Einwohnern sind 727 an Grippe erkrankt. Auch der Landkreis Elbe-Elster leidet. 591 Einwohner von 100000 haben dort die Grippe. Die diesjährige Welle scheint rekordverdächtig. Insgesamt wurden deutschlandweit seit deren Beginn im vergangenen Oktober 270 730 Fälle bestätigt.

Das Ausmaß der Grippe in Brandenburg versetzt Politiker in Sorge. Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, Raik Nowka, hat jetzt bei der Landesregierung angefragt, wie prekär die Lage eigentlich sei. Unter anderem erkundigte er sich nach den Impfquoten in dieser Saison und ob die Grippewelle schon zu Überlegungen geführt habe, das Katastrophenschutzkonzept des Landes zu überdenken.

Zahlen spiegeln nur einen Teil der wirklichen Erkrankungen

Die vorhandenen Zahlen geben noch nicht einmal das tatsächliche Ausmaß wieder. Labortests werden nur bei einigen Patienten, die zum Arzt gehen, gemacht. Und es gehen noch nicht einmal alle Grippekranken zum Arzt.In der vergangenen Woche waren beim Berliner RKI 44562 neue labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle aus ganz Deutschland übermittelt worden. „Auffällig ist in dieser Saison, dass wir viele schwere Verläufe haben und das nicht nur bei älteren Menschen“, sagt RKI-Sprecherin Marieke Degen. Tatsächlich sei die Saison 2017/18 eine heftige Grippewelle mit vielen gemeldeten Fällen. Wie schlimm sie im Vergleich zu früheren Grippewellen sei könne aber erst nach ihrem Ende festgestellt werden.

Das Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikum stellt derweil immerhin Entspannung in Aussicht. „Im Haus herrscht die Einschätzung, dass die Welle derzeit abebbt“, sagt Sprecherin Theresa Decker. In der Infektiologie gebe es derzeit zum Beispiel keinen Grippepatienten mehr.

Von Rüdiger Braun

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