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Brandenburg Im Wirtshaus der Stars
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18:24 24.07.2014
Bier und selbstgemachte Marmelade: Johanna und Peter Naase hinterm Tresen ihres Gröbener Filmgasthofs. Quelle: Angelika Stürmer
Ludwigsfelde

Schauspieler Jörg Schüttauf geht noch mal seinen Text durch. Kollege Horst Krause präpariert das Film-Motorrad mit Hund. Nach dem fünften Dreh ist die Szene für den neuen „Krause-Film“ im Kasten. Was anderswo Aufsehen erregen würde, scheint hier keinen zu interessieren. Im 300-Seelen-Ort Gröben bei Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) nimmt kaum ein Bewohner vom Trubel am Dorfanger Notiz. Seit 20 Jahren entstehen hier Filme. Drehort ist der „Gasthof Naase“, ein in 14. Generation geführter Familienbetrieb.

Nach dem ersten Streifen mit Götz George 1995 („Der Sandmann“) sprach sich das urige Wirtshaus mit dem imposanten Tresen bei Film-Produzenten schnell herum. Inge Meysel hatte hier große Auftritte. Barbara Rudnik und Axel Milberg wurden von Regisseuren in Szene gesetzt. „Henry Hübchen drehte bei uns ’Hoffnung für Kummerow’, Julia Jentsch für ’Effi Briest’“, erinnert sich Wirt Peter Naase. Nach einem „Polizeiruf“ mit Jutta Hoffmann und Horst Krause sei die Idee für die Horst-Krause-Filme entstanden.

Lange Gespräche mit Schausspielern gibt es selten

Horst Krause spielt praktisch Horst Krause“, sagt Peter Naase. Der Kneipier muss es wissen. Seit Jahren erlebt er den aus dem nahen Ludwigsfelde stammenden Mimen aus der Nähe. „Ein angenehmer Typ. Auf unserem Hof hat er sogar schon geholfen, als die Hühner mal ausbüxten“, so der Märker. Gern erinnert sich der gelernte Koch auch an Götz George: „Morgens kam er immer durch die Tür und grüßte sehr höflich.“ Ins Gästebuch schrieb der Star: „Es war ein wirklich schönes Arbeiten bei Ihnen.“ Lange Gespräche gibt es mit den Schauspielern allerdings selten. „Man wechselt mal ein kurzes Wort, aber ansonsten sind die Darsteller sehr konzentriert und angespannt“, sagt Peter Naase. Nach der letzten Klappe seien die Mimen schnell verschwunden.

Der "Gasthof Naase" in Gröben. Quelle: Angelika Stürmer

Filmleute eilen vorbei und nicken dem Wirt freundlich zu. Der nickt zurück. Viel redet der gebürtige Rehbrücker (Potsdam-Mittelmark) nicht. Für einen Film mache er seine Schänke im Schnitt vier Wochen dicht. „An Drehtagen bin ich hier der Erste und der Letzte vor Ort. Ich hab' ja die Schlüssel.“ Die gibt der 45-Jährige nicht aus der Hand, wie er betont. Ohne Peter Naase gäbe es keinen einzigen Horst-Krause-Film in den gewohnten Kulissen. Ein Drehtag dauert schon mal bis zu 18 Stunden.

Filmcrews bringen lieber ihre eigenen Küchengeräte mit

Mit dem Catering der Filmcrews habe er nichts zu tun, sagt der Gastronom. „Die haben ihre eigenen Leute. Meine Küchengeräte wären während der Aufnahmen zu laut.“ Als Komparse musste der Gröbener aber schon einige Male einspringen. Naases Mutter Johanna radelte 2011 in „Krauses Braut“ die Dorfstraße herunter. Natürlich kennen die Naases alle Krause-Filme. „Wobei wir weniger auf die Handlung, vielmehr auf Kulissen und Gasthaus-Details achten.“ Früh erfuhren sie den Titel des neuen Streifens: „Krauses Geheimnis“. Zu Weihnachten soll er in der ARD laufen.

Ursprünglich wollten die Naases das Gasthaus, in dem sie leben, nicht zur Film-Kulisse machen. Doch Produzenten beknieten sie. Angefangen habe alles mit Theaterregisseur Peter Zadek, der Anfang der 90er Jahre mal privat da war. „Mit dem Namen konnte ich gar nichts anfangen“, räumt Peter Naase ein. Zadek, Ex-Intendant des Berliner Ensembles, habe dann angefragt, ob er im Saal nebenan Brechts „Der Jasager – Der Neinsager“ aufführen könne. „Es kamen damals über 100 Leute, dazu Presse und Fernsehen.“

Spargel aus Beelitz und Wurst vom Gröbener Bauern in der Film-Gaststube

Johanna Naase, die liebenswürdige und zurückhaltende Seniorin, ist das ganze Gegenteil von Krauses Film-Schwestern Elsa und Meta (Carmen-Maja Antoni und Angelika Böttiger), die den „Gasthof Krause“ betreiben. Dann lehnt Johanna Naase kurz am alten Tresen. Im Saal nebenan steht der Kunststoff-Schneemann, hinter dem sich Horst Krause im Film versteckte, um einem Gänsedieb auf die Schliche zu kommen. „Den wollte die Crew nach dem Dreh wegschmeißen. Da sagte ich: „Lasst den Schneemann doch einfach stehen“, so Peter Naase. Auch die Täfelung in der Gaststube stamme eigentlich aus einem Krause-Film. „Die gefiel uns so gut, da baten wir, sie zu lassen.“

Am 18. Juli fiel die letzte Klappe zu „Krauses Geheimnis“. Nun kehre wieder Alltag ein, wie Peter Naase sagt. Kundschaft komme aus Potsdam, Berlin und Ludwigsfelde, am Wochenende legen viele Wanderer und Radler eine Rast ein. Mittlerweile kommen viele Gäste, um die Film-Gaststube mal im Original zu erleben.

Was auf die Teller komme, stamme meist aus der Umgebung: Spargel aus Beelitz und Wurst vom Gröbener Bauern. Auf der Speisekarte stehen Kartoffelpuffer, Bauernfrühstück, Schnitzel und Bockwurst. Die Karte ist so bodenständig, dass sie für einen Krause-Film übernommen wurde.

 

Horst Krause spielt Horst Krause

Der Schausspieler Horst Krause quitiert seinen Dienst als TV-Kommissar. Quelle: dpa
  • Nach „Krauses Fest“ (2007), „Krauses Kur“ (2009) und „Krauses Braut“ (2011) ist „Krauses Geheimnis“ der vierte Streifen der erfolgreichen Krause-Film-Reihe.
  • Filmportale listen schon mehr als 100 TV- und Kinofilme mit Horst Krause (73) auf. Ein Ende ist nicht in Sicht. Der Mime will noch weitere Krause-Filme drehen, weil er das, wie er sagt, zur Not auch noch im Rollstuhl könne.
  • Schluss ist bald mit dem Polizisten Horst Krause im Polizeiruf 110. Noch zwei Teile sind hier geplant.
  • Der Bauernsohn Horst Krause lernte Dreher, arbeitete im Traktorenwerk Brandenburg. Als Quereinsteiger kommt er an die Schauspielschule Berlin-Schöneweide. Danach geht er ans Landestheater Parchim, später ans Schauspielhaus Karl-Marx-Stadt und das Staatsschauspiel Dresden.

Von Jens Rümmler

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