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Große Ziele, kleine Fische

MAZ-Serie „Fisch des Jahres“ Große Ziele, kleine Fische

Die rotlackierten Fingernägel auf der schmierigen Fischhaut sind Angelina Walter egal. Die 18-jährige Anglerin aus Schmergow (Potsdam-Mittelmark) hat keine Hemmungen mehr vor den Schuppentieren. Wie viele sie schon gefangen hat, weiß sie nicht mehr, aber es waren eine Menge. Im August wird die Deutsche Meisterin von 2012 bei den Weltmeisterschaften in Belgien antreten.

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Angelina Walter angelt oft am Sacrow-Paretzer-Kanal in Alt-Töplitz (Potdam-Mittelmark).

Quelle: Detlev Scheerbarth

Töplitz. Kleine Wellen schlagen gegen das Ufer aus Steinen am Sacrow-Paretzer-Kanal in Alt Töplitz (Potsdam-Mittelmark). Konzentriert blickt Angelina Walter auf das Wasser. Ein Floß mit drei Männern an Board schiebt sich an ihr vorbei. „Guck mal, die will angeln“, sagt einer von ihnen, winkt und lächelt. Walter kennt diese Sprüche. Sie begegnen der 18 Jahre alten Auszubildenden immer wieder. Als Frau, sagt sie, muss man sich in der Männerdomäne des Angelsports durchsetzen können. Besonders, wenn man so erfolgreich sein will wie sie. In diesem Jahr will die Deutsche Meisterin von 2012 bei der Weltmeisterschaft in Belgien antreten.

Angelina Walter ist seit drei Jahren Mitglied des Vereins „Fishing Team Brandenburg“. Die zierliche Schmergowerin trägt ihre braunen Haare zu einem Zopf gebunden. Die blauen Augen passen zum gleichfarbigen Vereins-T-Shirt, auf dem ihr Name aufgedruckt ist. An ihrer Seite steht ihr Vater Guido Walter (45), dem sie die Leidenschaft zum Angeln zu verdanken hat. Schon als kleines Mädchen hat sie ihren Vater zu Angelausflügen an den See begleitet. Vom Fischen selbst wollte sie zunächst nichts wissen. „Sie hat viel lieber Frösche gefangen“, erzählt Guido Walter. Irgendwann habe er ihr einfach eine Angel in die Hand gedrückt, mit der seine Tochter dann fleißig kleine Fische fing. „Die Stippe war vielleicht drei bis vier Meter lang. Anfangs habe ich mich nicht mal getraut, die Fische anzufassen“, sagt sie. Im Laufe der Zeit wurden die Angelruten immer länger und schwerer. Ihren bisher größten Fang hat die junge Frau am Sacrow-Paretzer-Kanal erzielt – einen 60 Zentimeter langen Aal.

Angelsport begeistert nicht nur Männer

Walter thront auf ihrer Sitzkiepe, die auf einer Plattform am Ufer des Kanals befestigt ist. Wie ein windschnittiger Radfahrer hängt sie nach vorne ausgestreckt über ihrer Angel. Seit fünf Minuten schwimmt die Angelschnur im Wasser. Die Pose zuckt, aber es sind nur die Wellen der großen Schiffe, die auf dem Kanal entlang fahren. Immer wieder wirft Walter schnellballgroße Kugeln aus einem Futtergemisch ins Wasser und zwar genau dort hin, wo die Fische anbeißen sollen. Es riecht nach Karamell. Guido Walter verrät, dass der süßliche Duft die Schuppentiere anlocken soll. „Eigentlich dauert es nicht lange, bis die Fische beißen“, erzählt Angelina Walter. Wenn man allerdings Pech hat, vergeht auch schon mal eine halbe Stunde.

Zum Anfüttern der Fische benutzt Angelina Walter ein Futtergemisch, das sie mit Karamell verfeinert

Zum Anfüttern der Fische benutzt Angelina Walter ein Futtergemisch, das sie mit Karamell verfeinert.

Quelle: Luise Fröhlich

Durch ihren Vater kam Angelina Walter zuerst in den Angelverein AV Schmergow. Damals bedeutete das Angeln für sie noch, gemütlich am See zu sitzen, immer in Wartestellung, dass etwas passiert und abends mit den Freunden aus dem Verein zu grillen. Davon ist jetzt nicht mehr viel übrig. Irgendwann ergriff sie der Ehrgeiz, genauso gut angeln zu können, wie eine Freundin, die sie mit ins „Fishing Team“ genommen hat. Angelina Walter angelt nicht, um sich einfach die Zeit zu vertreiben, sie will den Menschen und vor allem den Frauen zeigen, dass Angeln eine Sportart ist, die nicht nur Männer begeistern kann. In ihrem Verein gibt es zwischen etwa 30 Männern immerhin acht Frauen. „Wir Mädels werden weniger gesponsort, als die Herren. Wir müssen zum Beispiel die Fahrten zu den Meisterschaften selbst bezahlen“, sagt sie. Bei Wettkämpfen würde sie immer noch schiefe Blicke der Männer kassieren. Auch Menschen, die sie neu kennenlernt, seien von dem Hobby erstmal geschockt.

Pokale stehen im eigenen „Angel-Zimmer“

Wenn die junge Frau an den See kommt, hat sie schweres Gerät bei sich. Baut sie alles allein auf, muss sie zwei Stunden Vorlauf einplanen, bevor sie ihre Angel überhaupt das erste Mal auswerfen kann. „Die Sachen sind teilweise sehr schwer, das kann schon sehr anstrengend werden.“ Ihre komplette Ausrüstung ist neu rund 7000 Euro wert. Allein die Utensilien für den täglichen Bedarf, wie Pose, Blei, Schnur oder Köder kosten über 50 Euro. „Ohne die finanzielle Unterstützung meines Vaters könnte ich mir dieses teure Hobby nicht leisten“, gesteht sie. Als Azubi in der Kinderarztpraxis in Werder/Havel (Potsdam-Mittelmark) verdient sie allein nicht genug. Die Kollegen unterstützen sie jedoch auf eine andere Art und Weise. „Wenn ich freitags schon zu Wettkämpfen reisen muss, werde ich freigestellt. Unter der Bedingung, dass ich den Pokal zeige.“ Davon hat die mehrmalige Landesmeisterin schon so viele, dass das Angelzimmer vom eigenen Haus in den Schuppen verlegt werden musste. Bei den Kinder- und Jugendtagen des Landesanglerverbands Brandenburg, die jährlich stattfinden, gewann sie sechsmal und wurde zweimal Zweiter. Bei der Weltmeisterschaft in Slowenien 2013 hat Walter als Ersatzanglerin immerhin schon am Training teilgenommen.

Angelina Walter zeigt zwei ihrer Pokale

Angelina Walter zeigt zwei ihrer Pokale: den rechten bekam sie für die Deutsche Meisterschaft im Jahr 2012.

Quelle: André Bauer

Angelina Walters Angel ist keine gewöhnliche, denn sie kann sie beliebig anpassen und verlängern. Dafür hat sie fünf verschiedene Ruten zur Verfügung, die sie nur auf eine Art Verlängerungsstück stecken muss. Mit ihrer „Bolognese-Rute“ schafft sie es locker bis in die Mitte des Kanals. „Die Fische halten sich in Kanälen oft an Kanten auf, die weiter vom Ufer entfernt sind.“ Das habe mit Angelhocker und Stippe eben nichts mehr zu tun. Entscheidend für einen erfolgreichen Fang sei außerdem nicht das Futter, sondern die Genauigkeit. Angelina Walter lotet deshalb zuerst die Angelstelle aus. Das heißt, sie prüft die Tiefe und Beschaffenheit des Bodens. Danach beginnt das Anfüttern an genau dieser Stelle. Mit dem sogenannten „Pool-Cup“, der aussieht wie ein Becher an der Spitze der Angel, kann sie die Futterballen direkt an der richtigen Position versenken.

Weltmeisterschaften am 22./23.August

Plötzlich verschwindet die Pose unter Wasser. Walter reagiert augenblicklich, haut an und zieht den Fisch an Land. Mit einem Kescher fängt sie ihn ein und befreit ihn vom Haken. Die silbrigen Schuppen der kleinen Plötze glänzen in der Sonne. Auch Brassen gibt es viele im Kanal. Walter lässt ihn wieder frei, denn essen würde sie ihn sowieso nicht. „Die Fische aus unseren Gewässern schmecken nicht. Der aus Norwegen ist besser“, sagt sie. Für die Weltmeisterschaft in Belgien, die am 22. und 23. August stattfinden wird, rechnet sie sich gute Chancen aus. „Das Angeln dort wird unter ähnlichen Bedingungen wie hier stattfinden.“ Vier Stunden lang wird sie an einer vorher ausgelosten Stelle Fische fangen, die am Ende gewogen werden. Wer die meisten dicken Fische geangelt hat, gewinnt. „Natürlich hat Angeln immer viel mit Glück zu tun, es kommt aber zum großen Teil auch auf den Platz an.“

Alle Infos rund um die Aktion „Fisch des Jahres“

MAZ-Serie „Fisch des Jahres“

„Fisch des Jahres 2015“ ist eine Gemeinschaftsaktion der Märkischen Allgemeinen, des Landesanglerverbandes Brandenburg und des Angelfachgeschäftes „Angeljoe“ in Potsdam, Neuruppin und Berlin. Es geht um die längsten gefangenen Fische von Aal bis Zander.

Dabei gibt es eine Sonderkategorie : deutsche Ostsee- und Boddengewässer. Die von dort gemeldeten Fische müssen von Brandenburger Anglern gefangen worden sein. Bitte beachten Sie die bestehenden Schonzeiten. Fänge möglichst aktuell melden, so können wir unser monatliches Ranking erstellen.

Die Gewinner können sich auf attraktive Preise und ein Grillfest mit Angeln im Frühjahr 2016 freuen. Außerdem verlosen wir unter allen Teilnehmern Gutscheine für hochwertige Angelausrüstungen.

Gewertet werden spektakuläre Fänge bis 31. Dezember 2015. Wer teilnehmen möchte, sollte Namen, Adresse, Telefonnummer, Fischart, Länge, Gewicht und Fangdatum und -ort sowie den Namen eines Zeugen einsenden. Erforderlich ist ein Foto mit Zollstock neben dem Fisch. Gewertet werden Fische aus Brandenburger Gewässern.

Senden Sie Ihre Fotos bitte an folgende Adresse:

MAZ – „Fisch des Jahres“, Friedrich-Engels-Straße 24, 14473 Potsdam

oder per Mail an fischdesjahres@MAZ-online.de

Bisherige Top-Fänge des Jahres 2015

Aal : 3,125 kg bei einer Länge von 104 cm. Gefangen von Jörg Bernholz am 7. Juni im Kleinen Tonsee bei Bestensee (Dahme-Spreewald).

Aland : 1,77 kg bei einer Länge von 52 cm. Diesen Fang hat Vivian Streubel am 4. Juli an der Schwarzen Elster (Elbe-Elster) erzielt.

Barsch : 1,1 kg bei einer Länge von 42 cm. Karsten Krüger meldete uns diesen Fang vom 24. Mai am Lehnitzsee bei Oranienburg (Oberhavel).

Döbel : 1,635 kg bei einer Länge von 49 cm, gefangen von Harald Krebs am 9. April an der Alten Oder (Märkisch-Oderland).

Giebel : 2 kg bei einer Länge von 45 cm. Daniel Urbansky hat diesen glücklichen Fang am 25. Mai am Neuaufschluss Herzberg I (Elbe-Elster) gemacht.

Hecht : 15,5 kg bei einer Länge von 122 cm. Damit liegt Frank Scholter mit seinem Fang vom 11. Mai an der Talsperre Spremberg (Spree-Neiße) nicht nur in der Hecht-Kategorie vorn.

Rotfeder: 0,7 kg bei einer Länge von 41 cm, gefangen von Janek Schmidt am 11. April am Voßkanal (Oberhavel).

Schleie : 2,25 kg bei einer Länge von 54 cm. Michael Schulz hat diesen Fisch am 14. Mai im Trebuser See (Oder-Spree) an den Haken bekommen.

Zander : 4,32 kg bei einer Länge von 82 cm, gemeldet und gefangen von Frank Diehr am 2. Juni im Abbaufeld Elbekies IV (Elbe-Elster).

Von Luise Fröhlich

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