Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg Großrazzia bei Pflegedienst – Millionenbetrug!
Brandenburg Großrazzia bei Pflegedienst – Millionenbetrug!
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:57 21.04.2016
Einem ambulanten Pflegedienst wird systematischer Abrechnungsbetrug vorgeworfen. Quelle: dpa-Zentralbild
Anzeige
Potsdam

Mit einem Großaufgebot von Beamten hat die Polizei am Donnerstagmorgen in Berlin und Brandenburg Geschäftsräume und Wohnungen eines Pflegedienstleisters durchsucht. 130 Polizisten und Staatsanwälte waren ab 8 Uhr im Einsatz. Es geht um den Verdacht auf Abrechnungsbetrug in Höhe von rund einer Million Euro gegenüber Pflegeversicherung und Sozialämtern.

– Lesen Sie auch: Die Alten, die Mafia und der Milliardenbetrug

Insgesamt fanden an 30 Standorten Durchsuchungen statt, wie Polizeisprecherin Patricia Brämer sagte. Hauptverdächtige ist die 41 Jahre alte Ekaterina S., die in Falkensee (Havelland) lebt. Ihre Wohnräume sowie der Geschäftssitz ihres ambulanten Pflegedienstes in der Seegefelder Straße in Berlin-Spandau wurden ebenso durchsucht wie die Wohnung einer ihrer Angestellten in Dallgow-Döberitz (Havelland). Die übrigen Durchsuchungen konzentrierten sich auf Berlin.

Betrugsmasche: Pflegedienst hat Leistung nur zum Teil abgerechnet

Die Inhaberin wurde festgenommen. Neben ihr stehen sieben ihrer Mitarbeiter und 31 Patienten unter Verdacht, an dem Betrug durch vorgetäuschte Leistungen mitgewirkt zu haben. Die Verdächtigen sind überwiegend russischstämmig oder haben ihre Wurzeln im Gebiet der früheren Sowjetunion.

Pflegebetrug führt zu Milliardenschäden

12 000 Pflegedienste rechnen pro Jahr in Deutschland rund zehn Milliarden Euro bei den Pflegekassen sowie eine ähnliche hohe Summe bei den Sozialämtern ab – es gibt viel zu verdienen.

2 Milliarden Euro Schaden pro Jahr soll in Deutschland durch betrügerische Abrechnungen im Pflegebereich entstehen, 50 Millionen davon sollen auf Berlin entfallen.

217 Anzeigen lagen Ende 2015 gegen 157 Berliner Pflegedienste vor. ­Daraus resultierten damals 101 Verfahren. Anzeige erstatteten Bezirksämter, Verwandte oder Krankenkassen.

7 -mal häufiger als der Durchschnitt werden Menschen russischer Herkunft in Berlin-Mitte zum Pflegefall. Bei türkischer Herkunft beträgt der Faktor vier.

„Der Pflegedienst hat einzelne Leistungen nur zum Teil oder gar nicht erbracht, aber den Pflegekassen oder Sozialämtern in Rechnung gestellt“, erklärt Brämer die mutmaßliche Betrugsmasche. Pflegedienst und Patienten sollen dabei regelrecht zusammengearbeitet haben. Das Unternehmen briefte die Patienten, wie sie sich zu verhalten haben, um keinen Verdacht zu schöpfen, wie Brämer weiter sagte.

Auch kooperierende Patienten bekamen Geld

Pro Monat und Patienten soll der Pflegedienst auf diese Weise bis zu 2000 Euro unrechtmäßig kassiert haben. Als Gegenleistungen hätten kooperierende Patienten Prämien von bis zu mehreren 100 Euro monatlich oder andere Vergünstigungen erhalten.

Die Ermittlungsgruppe Pflegedienste der Berliner Polizei sei seit etwa einem Jahr mit dem Fall befasst, hieß es. Von den Durchsuchungen erhoffen sich die Ermittler weitere Erkenntnisse über mögliche Betrugsfälle, die länger zurückreichen. Den Pflegedienst gibt es laut Polizei seit 2011.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte kürzlich von einer neuen Dringlichkeit gesprochen, gegen organisierte Betrügereien von Pflegediensten vorzugehen. Die „Welt am Sonntag“ und der Bayerische Rundfunk hatten berichtet, dass vor allem russischstämmige Banden billige Hilfskräfte statt qualifizierter Pfleger einsetzten.

Von Bastian Pauly (mit dpa)

Kommt der BER nun endlich Ende 2017 – oder nicht? Der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft berät am Freitag darüber, ob dieser Zeitplan eingehalten werden kann. Es sieht nicht gut aus, denn es sei „kein Geheimnis, dass wir hinter dem Bausoll zurückliegen“, so der Chef des Aufsichtsrates.

21.04.2016
Brandenburg Betrugsprozess zum Resort Schwielowsee - Wie Hilpert seine Rechnungen aufblähte

Ein Ferienhaus zur privaten Nutzung, eine Computeranlage für sein Potsdamer Büro, Anwaltsrechnungen etc. – Hotelier Axel Hilpert soll zum Schaden der Förderbank ILB viele Posten abgerechnet haben, die gar nicht förderfähig waren. Ein Gutachter enthüllt jetzt Details im Betrugsprozess.

21.04.2016
Brandenburg Kritik der Gewerkschaft der Polizei - Wegen Terrorgefahr nur „Blitz-Halbmarathon“

Einmal im Jahr geht die Polizei mit dem Blitz-Marathon auf die Jagd nach Temposündern. Hunderte Blitzer werden allein in Brandenburg gegen Raser eingesetzt. In der Vergangenheit wurden dafür Polizeikräfte aus den verschiedensten Bereichen eingesetzt. Das sei nicht zu verantworten, kritisiert die Gewerkschaft der Polizei und begrüßt das diesjährige Vorgehen.

21.04.2016
Anzeige