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Brandenburg Gutachter hält Silvio S. für voll schuldfähig
Brandenburg Gutachter hält Silvio S. für voll schuldfähig
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21:29 18.07.2016
Für ihn fordert die Staatsanwaltschaft die Höchststrafe: Silvio S. Quelle: dpa
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Potsdam

Die Höchststrafe – lebenslängliche Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung – hat die Staatsanwaltschaft Potsdam für den mutmaßlichen Kindermörder Silvio S. gefordert. Ankläger Peter Petersen begründete dies in seinem Plädoyer vor dem Landgericht Potsdam am Montag mit der besonderen Schwere der Schuld. Dies würde eine spätere Freilassung des 33-Jährigen stark erschweren.

Es sei erwiesen, dass der Wachmann aus Kaltenborn (Teltow-Fläming) im vergangenen Jahr den sechsjährigen Elias und den vierjährigen Mohamed entführt, schwer missbraucht und umgebracht habe. Man müsse sich vor Augen halten, welche Todesängste die Opfer erlebt hätten, sagte der Staatsanwalt. Silvio S. habe Elias mit einer List in sein Auto gelockt. Später habe der Junge erlebt, wie ein „freundlicher Onkel“ zur „Bestie in Menschengestalt“ geworden sei. Auch Mohamed müsse sich gefühlt haben wie „in der Hölle“.

Der Staatsanwalt hob hervor, dass der Angeklagte noch bei seiner Festnahme im Oktober 2015 eine Tasche mit Spielzeug, Fesseln und Chloroform im Auto deponiert hatte. Petersen sagte, der Angeklagte wäre zu einem Serientäter geworden, wenn er nicht auf Videoaufnahmen erkannt und durch seine Festnahme gestoppt worden wäre. „Er hätte nicht aufgehört“, erklärte der Staatsanwalt.

Der renommierte Psychiater Matthias Lammel hatte ebenfalls am Montag als Gutachter erklärt, er halte den Angeklagten für „voll schuldfähig“. Die Voraussetzungen für eine Unterbringung in der Psychiatrie und in der Sicherungsverwahrung sieht Lammel als nicht erfüllt an. „Wir haben zwei Taten, wir haben keine kriminelle Vorgeschichte und keinen symptomatischen Zusammenhang zwischen der Persönlichkeitsstörung und den Taten“, sagte Lammel. Nicht mehr als eine Persönlichkeitsstörung, die den Angeklagten ins Lebensabseits manövriert habe, könne er bei Silvio S. feststellen. Die Störung sei aber keine „pathologische Größe“, also keine Krankheit. Lammel räumte ein, dass sicher Gefahr von Silvio S. ausgehe. Trotzdem sprach sich der Gutachter gegen eine Sicherungsverwahrung aus, weil er die gesetzlichen Voraussetzungen dafür nicht gegeben sieht (siehe Kasten).

Was ist Sicherungsverwahrung?

Sicherungsverwahrung wird – im Gegensatz zur Haft – nicht wegen der Schuld eines Straftäters verhängt. Vielmehr ist einziger Maßstab die Gefährlichkeit des Täters für die Allgemeinheit.

Prognose: Die Annahme, dass der Angeklagte eine Bedrohung für andere ist, muss in einer Prognose begründet werden. Sicherungsverwahrung setzt erst nach Absitzen der Haftstrafe ein und ist grundsätzlich unbefristet.

Mindestens alle zwei Jahre muss überprüft werden, ob von dem Untergebrachten noch eine Gefahr ausgeht.

Lammel charakterisierte den Angeklagten als zurückgezogenen Einzelgänger, der Begegnungen mit anderen Menschen zwanghaft aus dem Weg gehe. Dem Gutachter zufolge soll Silvio S. darüber jede Selbstachtung verloren haben. In den Gesprächen habe er sich selbst als „dumm“ bezeichnet. Der Wachschützer habe sich freiwillige für Nachtschichten gemeldet, um allein arbeiten zu können. Wie Silvio S. dem Gutachter sagte, habe er bislang weder eine sexuelle Beziehung noch eine feste Partnerschaft gehabt.

Ein Urteil wird für Dienstag kommender Woche erwartet.

Die Verhandlungstage im Überblick

1. Prozesstag: Anklage enthüllt grausige Einzelheiten

2. Prozesstag:
Bekannte von Silvio S. sagen aus

3. Prozesstag:
Überraschung am Ende des dritten Tages

4. Prozesstag:
Emotionale Aussage der Mutter von Mohamed in Potsdam

5. Prozesstag:
Gruseliger Verhandlungstag im Prozess gegen Silvio S.

6. Prozesstag:
Die sexuellen Fantasien des Silvio S.

7. Prozesstag:
Ein Geständnis, aber kein Bedauern

8. Prozesstag:
DNA von Silvio S. auf Slips der toten Kinder

9. Prozesstag:
Erhöhter Druck auf Silvio S. und qualvolle Details

10. Prozesstag:
Psychiatrisches Gutachten und das erste Plädoyer

Von Bastian Pauly und Nadine Fabian

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Am zehnten Verhandlungstag wurde ein abschließendes Gutachten über Silvio S. vorgestellt.. Der Angeklagte ist demnach ein zwanghafter Einzelgänger – doch das wird den mutmaßlichen Mörder von Elias (6) und Mohamed (4) voraussichtlich nicht vor einer hohen Strafe bewahren.

18.07.2016
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