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HPI-Chef will Daten-Wolken für alle Schulen

Digitaler Unterricht HPI-Chef will Daten-Wolken für alle Schulen

Die Schulen haben doch schon Computerkabinette, reicht das nicht? Nein, findet der Direktor des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts. Ein richtiger digitaler Unterricht nutzt spezielle Online-Angebote, die zum Beispiel Experimente möglich machen, welche es so bisher an den Schulen nicht gab. Das geht aber nur, wenn die politischen Rahmenbedingungen stimmen.

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Die Anfänge des digitalen Unterrichts sind auch in Brandenburg schon gemacht.

Quelle: picture alliance / Carmen Jasper

Potsdam. Für eine schnellere Digitalisierung an Schulen spricht sich der Direktor des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts (HPI), Christoph Meinel, aus. Anlass ist das fünfjährige Bestehen der Online-Plattform „openHPI“. Seit dem ersten Online-Kurs im Dezember 2012 haben insgesamt 400 000 Teilnehmer aus 180 Ländern regelmäßig die deutsch- und englischsprachigen Vorlesungen im Internet verfolgt, online Tests absolviert und nach einer Abschlussprüfung ein Zertifikat erhalten. Laut Meinel müssen die Teilnehmer dafür je nach Vorkenntnissen durchschnittlich drei bis sechs Stunden in der Woche aufbringen.

In einem Jahr sollen 300 Schulen angeschlossen werden

„Das zeigt, welches Potenzial in der digitalen Bildung schlummert, wenn sie richtig gehandhabt wird“, so der HPI-Chef zur MAZ. Der Erfolg von „openHPI“ belege eindeutig, „wonach die Leute gieren, wenn ein bestimmtes Angebot besteht“. Ähnlich erfolgreich könne man auch mit digitalen Angeboten in den Schulen sein, wie man heute schon im asiatischen Stadtstaat Singapur oder in den baltischen Staaten sehen könne.

Bundesweit zum Einsatz kommen solle eine sogenannte Schul-Cloud. Einen Versuch macht das HPI derzeit im Auftrag des Bundesforschungsministeriums (BMBF) mit mathematisch-naturwissenschaftlichen Schulen des sogenannten MINT-EC-Netzwerkes. Für das Pilotprojekt „Schul-Cloud“ stellt das HPI Bildungsangebote im Internet bereit. Inhalte können aus dieser „Cloud“ abgerufen und beliebig im Unterricht eingesetzt werden. Bis Ende September sollen bundesweit 27 Schulen an dieses Netz angeschlossen werden. Mit dabei ist auch das Marie-Curie-Gymnasium in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming). Bis Oktober kommenden Jahres sollen insgesamt 300 Schulen Angebote der Schul-Cloud nutzen.

„Es gibt da ganz tolle Sachen“

Die Programme können sich nicht nur individuell auf den Wissensstand der Schüler einstellen, sie machen auch Unterrichtsformate möglich, die es bisher nicht gab. „Wir können in interaktiven Lernprogrammen beispielsweise darstellen, wie ein Kraftwerk oder wie ein Automotor funktioniert. Es gibt da ganz tolle Sachen“, so Meinel. Dabei handele es sich nicht nur um bloße Videosequenzen, sondern um virtuelle Experimente, bei denen die Schüler selbst Einfluss auf verschiedene Parameter nehmen und dann die Folgen studieren könnten.

„Es kommt immer das Wischiwaschi-Argument, die Schulen bräuchten mehr Geld“, so Meinel, „tatsächlich geht es aber darum, wie mit dem Geld umgegangen wird.“ Rechner, die kaum genutzt im Computerkabinett herumstünden, aber gewartet und erneuert würden, seien für die Schulen letztlich teurer. Technische Ausrüstungen für den digitalen Unterricht wie iPads oder Tablets brächten die Schüler dagegen oft schon selber mit oder sie ließen sich günstig erstehen.

Viele Zuständigkeiten bremsen Digitalisierung aus

Meinel sieht das Haupthindernis für eine schnelle Digitalisierung in der Zuständigkeit. So sind die Kommunen für die Infrastruktur wie Rechner, die Länder für Inhalte, der Bund wiederum für das Ziel der Digitalisierung insgesamt verantwortlich. Wichtig sei jetzt, zügig die Voraussetzungen für die Anwendung der Schul-Clouds zu schaffen. Die Digitalisierung der Gesellschaft sei unvermeidlich und gerade die Schulen könnten als Knotenpunkt für den Aufbau von Breitbandstrukturen dienen. „Ich hoffe, dass sich Bund und Länder schnell einig über den Aufbau einer zentralen IT-Infrastruktur werden“, so Meinel. Dabei gehe es nicht um einen zentralisierten Unterricht, sondern um ein Angebot, auf das alle nach Belieben zugreifen könnten.

Lobend äußert sich der HPI-Chef über Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), der immer wieder die Fortschritte der Digitalisierung in seinen Ressorts abfrage: „Er schiebt das Thema an.“ Auch die märkischen Lehrer wären nach der Erfahrung Meinels für die Digitalisierung zu gewinnen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen würden.

Neue Digital-Fakultät

Ähnliche Hemmnisse der Digitalisierung sieht Meinel auch beim Gesundheitswesen. Mittels Telemedizin könnten Patienten viel effizienter versorgt werden, gäbe es bestimmte Hindernisse nicht. Meinel zählt auf: „Patientendaten dürfen nicht zusammengeführt werden, Kliniken und Arztpraxen die Daten nicht austauschen, Pflegedienste haben ihre eigenen Rahmenbedingungen.“ Dabei sei Telemedizin gerade für die ländlichen Räume Brandenburgs essenziell.

Das HPI ist auch telemedizinisch engagiert und baut als „Digital Engineering Fakultät“ der Universität Potsdam den Bereich „Digital Health“ auf. Im Oktober wird zum Aufbau dieses Forschungs- und Lehrbereichs der bisherige Vorstandsvorsitzende des Berlin Institute of Health (BIH), Erwin Böttinger, nach Potsdam wechseln.

Von Rüdiger Braun

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