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HPI-Vorstoß: Schulen sollen vernetzt werden

Zukunft des digitalen Lernens HPI-Vorstoß: Schulen sollen vernetzt werden

Verstaubte Computerräume, veraltete Technik, überforderte Administratoren: Brandenburg droht bei der Ausbildung des Nachwuchses in Sachen Digitalkompetenz den Anschluss zu verpassen, befürchtet Christoph Meinel, Chef des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts. Seine Vision: Alle Schulen sollen an eine Schulcloud angeschlossen werden.

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Die Cloud soll künftig beim Lernen helfen.

Quelle: Fotolia

Potsdam. Die Länderstudie „Schule digital 2015“ der Telekom-Stiftung stellt Brandenburg ein mäßiges Zeugnis aus: In keinem anderen Bundesland werden digitale Medien so selten im Unterricht eingesetzt. Viele Lehrer klagen über zu wenig Zeit für gut vorbereitete computergestützte Stunden und die entsprechende Ausstattung schätzen die befragten Pädagogen nur als mittelmäßig ein. Droht Brandenburg also bei der Ausbildung seines Nachwuchses in Sachen Digitalkompetenz den Anschluss zu verpassen? Ja, befürchtet Christoph Meinel, Chef des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts. Brandenburg sollte schleunigst umsteuern, rät er.

Moderne Lernprogramme für alle

„Der Abstand zu den angelsächsischen Ländern ist jetzt schon groß, nicht nur was Informatik betrifft“, sagt er. Deutschland hinke insgesamt bei der Informations- und Kommunikationstechnik hinterher. Dabei seien PC, Smartphones und Tablets längst Teil der Alltags- und Berufswelt. „Es wird Zeit, dass diese Realität auch Einzug in den Unterricht hält.“

Seine Vision: Alle Schulen sollen an eine Schulcloud angeschlossen werden. In dieser Datenwolke, die beispielsweise vom Landesrechenzentrum verwaltet werden könnte, sollen moderne Lernprogramme für alle Schüler und Lehrer zur Verfügung stehen. Die Schulen wären via Internet angebunden, in Klassenzimmern stünden nur noch Monitore und Tastaturen oder Tablets, teure eigene Schulserver entfallen.

Aktuelle Systeme statt verstaubte Rechner

Betriebssysteme und Programme blieben so stets aktuell und durch die professionelle Betreuung auch sicherer. Vor allem aber hätten mit der Schulcloud alle Schulen künftig die selben Möglichkeiten, den Unterricht durch digitale Medien zu bereichern. „Schüler könnten über ihr Smartphone oder Tablet auch von zu Hause aus auf Unterrichtsmaterialien zugreifen“, erklärt Meinel. Aufhalten lasse sich die Entwicklung ohnehin nicht, meint der Informatik-Experte. „Cloud-Lösungen sind auf dem Vormarsch, das kann man nicht ignorieren.“ Besser, Brandenburg ergreife die Initiative, als hinterherzuhinken.

Potsdamer Vorzeigeschule gewinnt IT-Wettbewerb

Für Sabine Hummel klingt die Idee überzeugend: „Es wäre nicht gut, wenn man nur ein paar digitale Leuchtturm-Schulen hat. Alle sollten auf dem gleichen Stand sein“, sagt die Schulleiterin der Potsdamer Rosa-Luxemburg-Schule. Dabei ist ihre Schule selbst schon vorangeschritten, hat in interaktive Tafeln investiert setzt Lernprogramme ein.

Soeben hat sich die Schule gemeinsam mit der Universität Potsdam erfolgreich an dem Projekt „Digitales Lernen in der Grundschule“ der Telekom-Stiftung beworben. Bis 2018 entwickelt die Schule mit den Wissenschaftlern ein Konzept, wie der computergestützte Unterricht der Zukunft aussehen könnte und kann dafür neue Geräte anschaffen. Die Schule ist begeistert: „Viele Kollegen wollen gerne mehr digital im Unterricht arbeiten“, sagt die Schulleiterin.

Bildungsexperte: Es muss sich etwas ändern

Es wird Zeit, dass die modernen Medien Teil der Unterrichtskultur werden, meint auch Ulrich Kortenkamp, Professor für Didaktik der Mathematik an der Uni Potsdam. „Kinder können Schule doch nicht als internetfreien Ort erleben, wenn sie auf das wirkliche Leben vorbereitet werden sollen“, sagt er. Digitale Medien böten ganz neue Darstellungsmöglichkeiten, könnten etwa den Mathematik-oder Bio-Unterricht viel anschaulicher werden lassen.

„Das Interagieren hilft den Schülern, den Stoff besser zu begreifen“, erklärt Kortenkamp.Idee einer Schulcloud hält er deswegen für überlegenswert, vorausgesetzt, sie werde professionell angepackt. „Es darf natürlich nicht sein, dass man keinen Mathe-Unterricht mehr machen kann, weil gerade Wartungsarbeiten am Server sind“, sagt er.

Datenwolke für alle Schüler

Auf der Schulcloud sollen Lernprogramme für alle Schüler zentral gespeichert werden. Über das Internet können Schüler und Lehrer stets darauf zugreifen und die Anwendungen in den Unterricht einbeziehen.

Das Wort „Cloud“ kommt aus dem Englischen und bedeutet Wolke. Wenn man Daten in der Cloud speichert, sind sie nicht mehr lokal auf der Festplatte gespeichert, sondern zentral auf einem Server.

Das Hasso-Plattner-Institut (HPI) sieht in einer Schulcloud viele Vorteile: Profis verwalten die Daten zentral für alle Schulen, der Verwaltungs- und Betreuungsaufwand wird deutlich geringer und günstiger. Die Cloud-Daten können mit einfachen PC oder aber auch Tablets oder Smartphones genutzt werden.

Für Schulen und Jahrgänge sollen ganz individuelle Lernangebote über die Schulcloud angeboten werden. Die technische Verwaltung könnte laut HPI etwa das Landesrechenzentrum übernehmen.

Von Torsten Gellner

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