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Brandenburg Haasenburg-Untersuchung beendet
Brandenburg Haasenburg-Untersuchung beendet
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15:00 31.10.2013
Knapp vier Monate hat die Kommission frühere oder heutige Heimbewohner sowie Mitarbeiter befragt. Quelle: dpa
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Berlin/Potsdam

Der mit Spannung erwartete Bericht zu Misshandlungsvorwürfen gegen die umstrittenen Haasenburg-Heime in Brandenburg ist fertig. „Wir haben ihn dem Ministerium übergeben”, sagte Martin Hoffmann, Vorsitzender der eingesetzten Untersuchungskommission, am Donnerstag.

„Wir geben eine Reihe von Empfehlungen.” Details nannte Hoffmann mit Verweis auf die Zuständigkeit des Jugendministeriums nicht. 

Er ließ damit offen, ob und in welchem Umfang Kinder und Jugendliche tatsächlich gedemütigt und misshandelt worden sind. Die Haasenburg GmbH weist die Vorwürfe zurück. Die Staatsanwaltschaft Cottbus ermittelt gegen Erzieher und Betreiber. 

Der etwa 120-seitige Bericht sei so abgefasst, dass er – mit Ausnahme des personenbezogenen Anhangs – komplett veröffentlicht werden könne, erläuterte Hoffmann. Der Berliner Diplom-Psychologe geht davon aus, dass dies in wenigen Tagen geschieht. Knapp vier Monate hatte das sechsköpfige Gremium frühere oder heutige Heimbewohner sowie Mitarbeiter befragt. Zudem wertete es interne Protokolle des Heimbetreibers und des Landesjugendamtes aus. 

Jugendministerin Martina Münch (SPD) hatte die Experten aus Justiz, Jugendhilfe, Psychiatrie und Sozialpädagogik eingesetzt. Ihr Haus werde den Bericht prüfen und sich zeitnah dazu äußern, sagte ein Ministeriumssprecher. Ob dies noch vor der nächsten Sizung des Jugendausschusses des Landtages am kommenden Donnerstag (7. November) sein wird, ließ er offen. Laut seiner bisherige Tagesordnung will sich der Ausschuss mit dem Bericht befassen und über die künftige Struktur der Kinder- und Jugendhilfe in Brandenburg beraten.

Aus Sicht von Hoffmann bietet der Bericht seiner Kommission eine gute Grundlage für eine fachliche Diskussion – auch über Brandenburg hinaus. Bundesweit sei eine neue Debatte über geschlossene Unterbringung problematischer Kinder und Jugendlicher nötig. „Es kann nicht einfach so weitergehen wie bislang”, meinte der Psychologe. „Es liegt aber nicht in unserer Hand, welche Konsequenzen gezogen werden.” Auch der Heimbetreiber rechnet mit Veränderungen. „Es wird mit Sicherheit Verbesserungsvorschläge und Kritik geben”, sagte ein Unternehmenssprecher. Die Vorwürfe hätten sich jedoch nicht bestätigt. Er bezeichnete bisherige Sanktionen und Folgen für die Einrichtungen als unverhältnismäßig. So hätten etwa 100 Beschäftigte ihre Arbeit verloren.

Für die Einrichtung in Müncheberg (Märkisch-Oderland) gilt zunächst ein Belegungsstopp. In dem Heim in Neuendorf am See (Dahme-Spreewald) dürfen unter bestimmten Bedingungen neue Bewohner aufgenommen werden. Das dritte Haasenburg-Heim in Jessern (Dahme-Spreewald) wurde vom Betreiber stillgelegt. Derzeit werden laut Betreiber insgesamt etwa 50 Kinder und Jugendliche betreut.

Die Staatsanwaltschaft Cottbus bemüht sich unterdessen weiter um die Aufklärung der Vorwürfe. Etwa 70 Verfahren seien anhängig, sagte eine Sprecherin. Im Fokus stünden dabei Vorwürfe von ehemaligen oder heutigen Heimbewohnern. Sie haben selbst Anzeige erstattet oder die Behörde ermittelt aufgrund von Medienberichten. Vor Ende des Jahres rechnet die Staatsanwältin nicht mit einem Ergebnis der Ermittlungen des vierköpfigen Teams. Es seien noch zahlreiche Zeugen zu vernehmen und der Bericht der Untersuchungskommission müsse hingezogen werden.

Von Marion van der Kraats, dpa

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