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Haben Lehrer bei Krankschreibungen betrogen?

Hoher Krankenstand Haben Lehrer bei Krankschreibungen betrogen?

Pünktlich zum Schulbeginn rechnet das Bildungsministerium mit vielen kranken Lehrern. Das warf Minister Günter Baaske (SPD) den Pädagogen im Land Brandenburg zumindest vor und berief sich dabei auf Vorjahreszahlen. Das Ministerium kündigte eine Prüfung an. Unterdessen wehren Juristen und Krankenkassen Vorwürfe gegen Versicherungsbetrug ab.

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Viele Lehrer sind einer immer höher werdenden Belastung ausgesetzt – ein Grund für häufige Krankmeldungen?

Quelle: dpa

Potsdam. Auffällig hoher Krankenstand zum Unterrichtsbeginn – daraus machte Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD) bei einer Pressekonferenz am Donnerstag einen scharfen Vorwurf an die Lehrer. Zum Start des neuen Schuljahres würden sich viele krankschreiben lassen. Dabei nannte er Vorjahreszahlen, die laut Ministeriumssprecher Florian Engels nicht ausreichen, um ein pauschales Urteil für alle Lehrkräfte im Land zu treffen.

„Wir werden diese Zahlen erneut prüfen. Möglicherweise sind sie gar nicht aussagekräftig, weil sie sich nur auf ein kleines Gebiet im Osten Brandenburgs beziehen“, sagte Engels am Freitag der MAZ. Sie betrafen immerhin die 58 000-Einwohner-Stadt Frankfurt (Oder). Auf der Pressekonferenz hatte das Ministerium Zahlen für das restliche Land versprochen, am Freitag ruderte man zurück.

Vorteile bei der Krankengeldzahlung

Die Vorsitzende des Philologenverbands Brandenburg, Kathrin Wiencek, begründete den sprunghaften Anstieg des Krankenstands damit, dass viele Ärzte dauerkranke, angestellte Lehrer für die schulfreie Zeit gesundschreiben. Das würde mit der Krankengeldfortzahlung zusammenhängen. Denn der Arbeitgeber zahlt in den ersten sechs Wochen der Krankheit 100 Prozent des Gehalts.

Nach diesem Zeitraum übernimmt die gesetzliche Krankenkasse nur noch 80 Prozent, für maximal anderthalb Jahre. Die Fortzahlung tritt nur in Kraft, wenn der Angestellte immer wieder wegen der gleichen Diagnose krankgeschrieben wird, sagte der Potsdamer Fachanwalt für Arbeits- und Sozialrecht Hans Imhof. Die Gesundschreibung für die Zeit der Sommerferien führt demzufolge dazu, dass der Krankschreibungszeitraum mit dem Schuljahr neu beginnt und der Betroffene länger von der kompletten Zahlung seines Gehalts profitiert.

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Krankenkassen schieben Verantwortung auf die Ärzte

Die AOK Nordost, die rund 1,75 Millionen Menschen versichert, wollte dazu keine Stellung nehmen. Wie ein Sprecher mitteilte, werte die AOK die Krankenstände der angestellten Lehrer nicht aus, weil die meisten Pädagogen ohnehin verbeamtet und somit privat versichert seien. Auch die Barmer Gesundheitskasse wolle sich an „derartigen Spekulationen“ nicht beteiligen. „Es liegt im fachlichen Ermessensspielraum der Ärzte, wann sie einen Patienten krankschreiben“, sagte Landesgeschäftsführerin Gabriela Leyh. „Sollte der Arbeitgeber Zweifel am Urteil des Arztes haben, dann kann er die Arbeitsunfähigkeit des Angestellten überprüfen lassen.“

Imhof weist den Vorwurf, ob es sich um Versicherungsbetrug handele, ebenfalls zurück. Dem Arzt obliege die Entscheidung über Krankheit oder Gesundheit.

Von Luise Fröhlich

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