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Händler drängen auf flexible Öffnungszeiten

Stagnierende Umsätze Händler drängen auf flexible Öffnungszeiten

Das Geschäft der Online-Händler wächst rasant, während die stationäre Konkurrenz in den Fußgängerzonen stagnierende Umsätze beklagt. Der traditionelle Einzelhandel steht zunehmend unter Druck – und muss sich von Grund auf neu erfinden. Doch die Branche sieht sich dabei nicht genügend von der Politik unterstützt, wie nicht nur der Streit um längere Ladenöffnungszeiten zeigt.

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Dem traditionellen Einzelhandel stehen schwere Zeiten bevor.
 

Quelle: dpa

Potsdam.  Leerstehende Geschäfte, verwaiste Straßen, bröckelnde Fassaden: Drohen auf lange Sicht nicht nur die Einzelhändler, sondern auch Brandenburgs Innenstädte auszusterben? Das Horror-Szenario sei denkbar, aber kein Automatismus, mahnt Nils Busch-Petersen, Geschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg (HBB). „Wir, die Städte und das Land, müssen dem gemeinsam entgegenwirken.“

In der Branche herrscht Ernüchterung. Trotz bester Kauflaune – durchschnittlich plus zwei Prozent Wachstum pro Jahr – verlieren Ladengeschäfte an Bedeutung. Die Umsätze stagnieren seit Jahren, während der Internet-Handel zwischen 2004 und 2015 um jährlich 21,3 Prozent zulegte, wie die Gesellschaft für Konsumforschung am Freitag mitteilte. Gerade in den kleinen und mittelgroßen Städten Brandenburgs fällt es Einzelhändlern schwer, mit den digitalen Branchenriesen um Amazon und Zalando mitzuhalten. Deren Sortimente sind ungleich größer, das Internet kennt zudem keine Öffnungszeiten.

Einzelhandel

Wo shoppen Sie lieber: in Geschäften oder im Internet?

„Wir wollen die Leute in unsere zauberhaften Häuser holen“, entgegnet Busch-Petersen. Wie das geht, beweist etwa Wittenberge (Prignitz). Dort organisiert der „Interessenring“ lokaler Händler mehrmals im Jahr Aktionen, die zumeist gut angenommen werden, wie Vorstand und Hotelier Thomas Schneider sagt. Die jüngste Idee ist preisträchtig: Zum Spätsommerfest am 26. September erinnert sich die einstige Industriestadt an ihren Ruf als Fahrradhochburg. „Zum Schichtwechsel waren die Straßen für Autos schon mal dicht“, erinnert sich Schneider. Mittlerweile gilt der Elberadweg als wichtiger touristischer und wirtschaftlicher Faktor.

 Schneider verspricht für das letzte Septemberwochenende einen Einkaufstag im Zeichen des Fahrrads, organisiert in „ausgezeichneter“ Zusammenarbeit mit der Stadt: Ein Film erzählt aus der Geschichte, Radhändler präsentieren E-Bikes zum Probefahren, ein Verein präsentiert kuriose historische Räder, die umliegenden Dörfer schwingen sich auf die Sättel – und der Handel hofft auf Umsatz. Die IHK Potsdam hat die Aktion mit Alleinstellungsmerkmal jetzt im Rahmen des Wettbewerbs „City Offensive“ prämiert.

Ein Beispiel unter vielen, berichtet Händler-Vertreter Busch-Petersen. Doch nicht überall arbeiten Gewerbe und Verwaltung so vorbildlich zusammen. „Wir müssen weg von der Antragsbewilligungsmentalität hin zu einer Ermöglichungskultur“, sagt Busch-Petersen an die Adresse der Beamten.

Der Forderungskatalog an Politik in Bund, Land und Städte ist umfangreich: längere Öffnungszeiten, Einkaufsmöglichkeiten auch sonntags, professionelles Stadtmarketing, freies WLAN in den Städten, auch um ortsfremde Kunden in die Läden zu locken.

Aber auch die eigene Zunft müsse grundlegend umdenken, fordert Busch-Petersen. „Ein Händler, der das Internet ignoriert, hat keine Perspektive.“ Trotzdem glaubt die Branche an eine Zukunft des stationären Handels. Beispiel New York: Dort erfahren Warenhäuser gerade eine unverhoffte Renaissance.

Rasant wachsender Internet-Handel

408 Milliarden Euro setzt der deutsche Einzelhandel laut Gesellschaft für Konsumforschung 2015 um – doch der Wert ist seit 2012 fast unverändert. Von 2004 bis 2015 betrug das durchschnittliche Wachstum pro Jahr schlappe 0,4 Prozent.

Das Online-Geschäft wächst dagegen sehr viel dynamischer, von 5 Milliarden 2004 auf voraussichtlich 43 Milliarden Euro in diesem Jahr – ein beträchtliches Plus von 21,3 Prozent pro Jahr.

Weil die enorme Marktmacht des Einzelhandels weitgehend ungebrochen ist, attestiert dem GfK der Branche ein Imageproblem. Sie rät zu Investitionen in Personal, Ideen und digitale wie stationäre Vertriebswege.

Von Bastian Pauly

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