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Händlerfrust: Der Diesel wird zum Ladenhüter

Abgasskandal hinterlässt Spuren Händlerfrust: Der Diesel wird zum Ladenhüter

Neue Daten des Umweltbundesamts zeigen, dass selbst neue Euro-6-Diesel auf der Straße im Schnitt sechs Mal so viele Schadstoffe ausstoßen wie erlaubt. Umweltorganisationen fordern ein Verkaufsverbot. Dabei könnte der Markt das Problem lösen. Denn Brandenburgs Händler bleiben zunehmend auf Diesel-Pkw sitzen.

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Diesel-PKW verkaufen sich seit Bekanntwerden des Abgasskandals immer schlechter.

Quelle: dpa

Potsdam. Die Debatte um schmutzige Diesel-Pkw bringt Brandenburgs Autohändler in die Bredouille. „Die Lage ist sehr ernst, die Kunden sind stark verunsichert“, sagte Hans-Peter Lange, Präsident der Innung des Kfz-Gewerbes in Brandenburg und Berlin. „Unsere Händler verzeichnen eine spürbare Kaufzurückhaltung.“ Neue Daten des Umweltbundesamts (UBA) zeigen, dass auch neue Euro-6-Diesel auf der Straße im Schnitt sechs Mal so viel gesundheitsschädliche Stickoxide ausstoßen wie erlaubt. Umweltschützer fordern deswegen nun ein Verkaufsverbot für Neuwagen.

„Privatkunden interessieren sich kaum noch für Diesel“, sagte Händlerin Christiane Schulz von Auto Schultz in Ruhland (Oberspreewald-Lausitz). Für Geschäftskunden seien Diesel als Leasingfahrzeuge noch interessant, allerdings sei das Risiko für die Händler deutlich gestiegen, auf den Rückläufern sitzenzubleiben.

Ein Drittel mehr Gebrauchte im Internet

In ihrem Toyota-Autohaus hat sie derzeit gar keinen Diesel mehr stehen – bis auf zwei Leasing-Wagen, die aber keine Interessenten finden. „Früher wären solche Autos mit Top-Ausstattung schnell weggewesen“, so Schulz. Aber die Kunden seien durch Debatten über Fahrverbote oder Blaue Plaketten extrem verunsichert. „Keiner weiß, ob man in ein paar Jahren mit dem Auto noch nach Berlin oder Leipzig reinfahren kann“, so die Händlerin.

Dass der Diesel zunehmend in Verruf gerät und sich die Halter lieber davon trennen, zeigen auch Daten der Online-Fahrzeugbörse mobile.de aus Dreilinden (Potsdam-Mittelmark). „Die Zahl der Inserate von gebrauchten Dieselfahrzeugen ist seit August 2015 um rund 30 Prozent gestiegen“, sagte Unternehmenssprecher Christian Maas. Demnach wird der Gebrauchtmarkt regelrecht von Dieseln überschwemmt. Die Zahl der angeboten Benziner wuchs in dem Zeitraum nur im einstelligen Prozentbereich.

Diesel-Flotte schmutziger als bekannt

Ähnlich die Preisentwicklung. Zwar stiegen auch die Preise für gebrauchte Diesel seit Bekanntwerden des VW-Abgasskandals vor anderthalb Jahren leicht um 2,3 Prozent. Der Wert für gebrauchte Benziner zog laut mobile.de dagegen im zweistelligen Prozentbereich an. „Selten war die Auswahl an Dieselfahrzeugen größer als heute“, sagte Maas.

Laut einer aktuellen Untersuchung des Umweltbundesamts liegt der Stickoxidausstoß bei rund 86 Prozent der getesteten Euro-6-Dieselneufahrzeuge in der Realität teils massiv über dem gesetzlichen Grenzwert von 80 Milligramm pro Kilometer. Der Stickoxid-Ausstoß der deutschen Diesel-Flotte sei um rund ein Drittel höher als bislang offiziell angenommen.

BUND appelliert an Verkehrsministerin Schneider (SPD)

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) forderte deswegen Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) auf, sich bei der Verkehrsministerkonferenz der Länder am Donnerstag für die Einhaltung der europäischen Stickstoffdioxid-Grenzwerte einzusetzen. Städte wie Potsdam seien zunehmend belastet, hieß es.

Nach BUND-Berechnungen werden in Deutschland pro Tag rund 3500 Neuwagen verkauft, die auf der Straße mehr Stickoxide ausstoßen als erlaubt, dies sei nicht mit EU-Recht, sagte die stellvertretende BUND-Landesvorsitzende Franziska Sperfeld:„Wir fordern ein unverzügliches Verkaufsverbot.“

Im Verkehrsministerium verwies man auf eine noch „unklare Datengrundlage“. Es müsse erst noch Klarheit geschaffen werden, wie hoch die Schadstoffausstöße von Diesel-Fahrzeugen seien, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit.

Von Torsten Gellner

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