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Haftbefehl gegen 35-jährigen Somalier

Nach Bluttat in Teltower Flüchtlingsheim Haftbefehl gegen 35-jährigen Somalier

Nach der tödlichen Messerattacke auf einen Somalier im Flüchtlingsheim Teltow (Potsdam-Mittelmark) ist Haftbefehl gegen dessen Mitbewohner ergangen. Der Brandenburger Flüchtlingsrat kritisiert unterdessen die Bedingungen in Massenunterkünften. Man müsse sich wundern, dass nicht mehr Gewalt stattfinde.

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Vor der Asylunterkunft in Teltow.

Quelle: Foto: Julian Stähle

Teltow/Potsdam. Nach der tödlichen Messerattacke auf einen Somalier im Flüchtlingsheim Teltow (Potsdam-Mittelmark) übt der Brandenburger Flüchtlingsrat harsche Kritik an den Unterbringungsbedingungen. „Wenn Flüchtlinge, die teils auch noch traumatisiert sind, auf sehr engem Raum zusammenleben, sind Spannungen programmiert“, sagt Gabi Jaschke vom Flüchtlingsrat, der Wohnungen statt großer Heime für Asylbewerber fordert. „Man muss sich wundern, dass nicht noch mehr Gewalt in Heimen passiert“, so Jaschke.

In Teltow war am Dienstagvormittag ein 21 Jahre alter Mann aus Somalia offenbar von einem Landsmann erstochen worden, der mit ihm das Zimmer teilte. Am Mittwoch erging Haftbefehl wegen Totschlags gegen den 35-Jährigen, wie der Sprecher der Potsdamer Staatsanwaltschaft, Nils Delius bestätigte. Der Mann, der allein nach Deutschland gekommen sei und nun in Untersuchungshaft sitzt, habe sich zu der Tat nicht geäußert. Zu Motiven und Hintergründen könne er noch nichts sagen, so Delius. Aus dem Heimumfeld hieß es, das bei der Messerattacke womöglich Alkohol im Spiel gewesen sei. Das könne er nicht ausschließen, so der Staatsanwalt. Entsprechende Untersuchungen liefen noch.

Der Somalier war nach der Attacke in der Nähe des Heims auf dem Seitenstreifen einer Schnellstraße aufgegriffen und festgenommen worden. Er trug noch das blutige Messer bei sich, mit dem er seinem jungen Mitbewohner in die Halsschlagader gestochen haben soll.

Flüchtlingsrat: „Die Leute leiden unter Lagerkoller“

In dem Heim in Teltow leben laut Flüchtlingsrat insgesamt 235 Menschen. Dazu kommt noch ein Trakt für Familien mit 195 Bewohnern. Der Flüchtlingsrat hält nur Heime mit maximal 80 Plätzen für vertretbar. Die Leute teilten sich mit Fremden Sanitäreinrichtungen sowie Zimmer von 6 Quadratmetern, in denen sie nur untätig rumsitzen könnten. Hinzu komme die Sorge, wie es für sie weitergehe und die Angst um die Familie im Heimatland. „Die Leute leiden unter Lagerkoller“, sagt Gabi Jaschke.

In dem Heim hat es nach Angaben von Leiterin Doreen Düring bislang keine größeren Auseinandersetzungen gegeben. „Das Heim funktioniert wirklich. Ich glaube nicht, dass es daran liegt“, bestätigt Cyrielle Fernandez, Flüchtlingsberaterin des Diakonischen Werks für Potsdam-Mittelmark. Auch Gabi Jaschke macht nicht der Heimleitung Vorwürfe, sondern der Politik. „Bei so vielen Leuten und so einer geringen Betreuerquote können auch engagierte Heimleiter nur noch verwalten und keine Sozialarbeit leisten“, sagt sie. Laut Landkreis sei ein Sozialarbeiter für 95 Flüchtlinge zuständig. In der Realität seien es aber 120, so Jaschke. Mehr als 80 Menschen könne eine Fachkraft aber gar nicht vernünftig betreuen. Bei traumatisierten Flüchtlingen sei sogar nur ein Schlüssel von 1:40 vertretbar.

Von Marion Kaufmann

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