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„Haltestelle Woodstock“ startet

Fans zeigen Solidarität „Haltestelle Woodstock“ startet

Trotz vieler Querelen um die Organisation des Festivals „Haltestelle Woodstock“ feiern die Fans in der polnischen Grenzregion zu Brandenburg auch 2017. Überschattet wurde das Ereignis im Vorfeld davon, dass Feuerwehrleute aus Brandenburg und Berlin eine Absage aus Polen erhielten - auf ihre bisherige Hilfe beim Festival wird in diesem Jahr von Behördenseite verzichtet.

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Konzertszene von „Haltestelle Woodstock“. Beim polnischen Festival wird das Rock’n’Roll-Erlebnis auch zum politischen Statement.

Quelle: Foto: dpa

Kostrzyn. Polnische und deutsche Rockfans atmen auf: Trotz Querelen mit der nationalkonservativen Warschauer Regierung werden sie ab heute drei Tage lang bei Polens größtem Open-Air-Festival in Küstrin (Kostrzyn) abrocken. Zum Line-Up des kostenlosen Kultfestivals „Haltestelle Woodstock“, bei dem im vergangenen Jahr mehr als hunderttausend Menschen friedlich feierten, zählen 2017 neben polnischen Bands wie Materia und Wilki auch internationale Stars wie die schwedischen Rocker Mando Diao.

Konzerte auf mehreren Bühnen, Treffen mit Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace und Amnesty International – rund 800 Events stehen bis Samstag auf dem Programm. Mit dem Festival bedankt sich der Musikjournalist Jerzy Owsiak nun zum 23. Mal bei jenen Freiwilligen, die sich beim „Großen Orchester zur Weihnachtshilfe“ engagieren, wie Polens wichtigste Spendensammlung für Kinderkrankenhäuser heißt.

Einige Besucher sind mit „Woodstock“ erwachsen geworden und fahren nun mit der eigenen Familie zum Spektakel. Doch während das Festival für viele Polen Kult ist, unterstellt der bekannte rechtskatholische Pater Tadeusz Rydzyk Owsiak mit dem Treffen schlechten Einfluss auf die Jugend. Die bunte Menge und der Rock'n'Roll sind dem Geistlichen mit Nähe zur nationalkonservativen Regierung nicht geheuer. Rydzyks Fernsehsender TV Trwam verlor vor Jahren einen Verleumdungsprozess gegen Owsiak. In einem Beitrag über das Festival war von „Marihuana-Vergabestellen“ und einem „satanistischen Einfluss“ auf die Besucher die Rede.

„Es stimmt nicht, dass das Festival eine Ansammlung von Junkies ist“, wehrte Veranstalter Owsiak auch in diesem Jahr in polnischen Medien die Vermutungen ab. Er gilt als Kritiker der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Seit der Machtübernahme der Nationalkonservativen 2015 wird sein „Woodstock“ auch von Sicherheitsbedenken überschattet.

Das zweite Jahr in Folge wurde die Feier von den polnischen Behörden als Veranstaltung mit erhöhtem Sicherheitsrisiko eingestuft. Das Gelände liege nahe an Deutschland, wo es in Berlin den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt gegeben habe, argumentieren Warschauer Regierende. Innenminister Mariusz Blaszczak zufolge dürfte das Festival gar nicht erst stattfinden.

Dass Owsiak dazu auch noch in Brandenburg untergebrachte Flüchtlinge ausdrücklich einlud, missfiel Regierungsanhängern besonders. Die PiS lehnt die Aufnahme von Flüchtlingen strikt ab. „Wollt ihr wirklich, dass zu der Feier in Polen muslimische Einwanderer kommen?“, machte die Partei auf Twitter Stimmung gegen „Woodstock“. „Teilt den Beitrag, wenn ihr damit nicht einverstanden seid“, hieß es.

Den Regierenden ginge es nicht um Sicherheit, sondern darum, das Festival ganz zu verhindern, meint Owsiak. Sonst hätten sie knapp einen Monat vor Beginn kaum die Zusammenarbeit mit deutschen Feuerwehren auf Eis gelegt, meint er. Denn bei „Haltestelle Woodstock“ werden auch Tausende deutsche Besucher erwartet. Mitte Juli hatten polnische Behörden überraschend erklärt, dass sie auf die Wehren aus Berlin und Brandenburg verzichten wollten.

Für deutsche Polizeibehörden gilt die Absage nicht. Die Bundespolizei und ihre Brandenburger Kollegen werden mit einer kleinen Abordnung in Kostrzyn vertreten sein. Seit 2004 findet das „Woodstock“-Festival in der Grenzstadt statt. Die Zusammenarbeit deutscher und polnischer Sicherheitskräfte habe stets hervorragend funktioniert, betonten beide Seiten.

Die Veranstalter bedauerten den Wegfall der deutschen Helfer. Doch ein „Woodstock“-Sprecher sagte: „Auf die Sicherheit der Veranstaltung wird das keinen Einfluss haben.“ Allerdings stellten die erhöhten Auflagen sowie die kurzfristige Suche nach privaten Sicherheitsleuten die Veranstalter vor weitere Kosten und Mühen.

Überraschende Unterstützung erhalten sie jedoch aus der Bevölkerung. „Ich kriege jeden Tag Hunderte Mails von Menschen, die helfen wollen“, sagte Owsiak dem Portal „gazeta.pl“. Die Fans würden den Streit um das beliebte Festival nicht verstehen und ihre Unterstützung anbieten. Zahlreiche Spenden seien eingegangen, sagte Owisiak. „Davon können wir das zusätzliche Sicherheitspersonal finanzieren.“

Von Natalie Skrzypczak

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