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Handwerk ohne Nachwuchs: Noch viele Stellen frei

Die Chance auf einen Wunsch-Ausbildungsplatz ist so groß wie nie nach der Wende Handwerk ohne Nachwuchs: Noch viele Stellen frei

Handwerk hat goldenen Boden, heißt es. Tatsächlich sind die Karrieremöglichkeiten groß. Doch viele Brandenburger Ausbilder haben Probleme, Nachwuchs zu gewinnen. Drei Viertel der Lehrstellen sind noch unbesetzt. Jetzt suchen die Kammern schon in Spanien nach Lehrlingen.

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Traditionelle Betriebe haben es oft schwer, Nachwuchs zu finden.

Quelle: dpa-tmn

Potsdam. Klimatechniker, Elektroniker, Sattler oder Hutmacher: Brandenburgs Handwerksbetriebe suchen noch eifrig Lehrlinge. Laut einer Umfrage der Handwerkskammer Potsdam unter 137 Betrieben sind erst 23 Prozent der Lehrstellen besetzt. 600 freie Stellen werden im Kammerbezirk, der Westbrandenburg umfasst, noch angeboten. In Südbrandenburg sind noch 340 Plätze frei.

„Wir können den Jugendlichen nur raten, sich noch vor den Sommerferien um eine Lehrstelle zu bewerben und einen Vertrag zu unterschreiben“, sagte Eva Gatzky, Bildungsexpertin der Potsdamer Kammer. „Die Chance auf einen Wunschausbildungsplatz sind derzeit sehr gut, besser denn je seit der Wende.“

Handwerk hat Konkurrenz bekommen

Doch die Jugendlichen unterzeichnen ihre Verträge im Handwerk in der Regel deutlich später als in der Industrie oder im Bankgewerbe. Und: Das Handwerk hat Konkurrenz bekommen - vom Studium, aber auch von den Gesundheitsberufen.

Das merkt auch Frank Heidrich, Chef der EltAV Elektro-Anlagenbau und Vertriebs-GmbH in Birkenwerder (Oberhavel). „Handwerkliche Berufe haben keine Priorität“, sagte er. „Dabei stehen einem alle Möglichkeiten offen, die Berufsperspektiven sind hervorragend.“ In den vergangenen Jahren musste der Unternehmer seine Lehrstellen für Elektrotechniker immer wieder mal unbesetzt lassen, weil er keine Bewerber fand.

Nur fünf Bewerbungen für eine Stelle

Nur fünf bis acht Bewerbungen erreichten den 60-Mann-Betrieb. Also zeigte Heidrich mehr Präsenz, bot Praktika an, nahm seine Werkbank zum ausprobieren mit auf Ausbildungsmessen. Mit Erfolg: Zwei von drei Stellen hat er in diesem Jahr schon besetzen können. „Man braucht einen langen Atem, aber es lohnt sich“, sagte Heidrich.

Golze (Linke): Betriebe müssen mehr um Azubis werben

Unlängst hatte Arbeitsministerin Diana Golze (Linke) die Betriebe unlängst aufgefordert, mehr für ihre Lehrstellen werben. Tun wir längst, heißt es dagegen aus den Kammern: Die Industrie- und Handelskammer Potsdam etwa erlässt Ausbildungsbetrieben die Prüfungsgebühren, damit das Geld in eine attraktivere Ausbildung fließen kann. Handwerksbetriebe werben inzwischen auf Firmenwagen um Lehrlinge oder nutzen Facebook. Auch die Handwerker werden erfinderischer, nutzen Facebook, gehen auf Messen, werben sogar auf Firmenautos um Lehrlinge. Schulabgängern, die nicht nur Einsen und Zweien im Zeugnis haben, versucht die Kammer bei der Lehrstellensuche zu helfen. „Wir wollen auch die schwächeren Schüler erreichen“, sagte Eva Gatzky.

Doch das reicht nicht aus. Im Bezirk der Kammer Cottbus blieben letztes Jahr 330 Lehrstellen unbesetzt. Die Lücken sollen jetzt spanische Jugendliche stopfen, die mit einem EU-Förderprogramm angeworben wurden. In Spanien ist jeder zweite bis dritte Jugendliche arbeitslos. Anfang Juli sollen die ausländischen Lehrlinge anreisen, um zunächst ein Praktikum in einem Betrieb zu absolvieren.

Von Torsten Gellner

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