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Brandenburg Neuseddiner Firma schaltet Stellenanzeige und erntet Shitstorm
Brandenburg Neuseddiner Firma schaltet Stellenanzeige und erntet Shitstorm
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01:17 17.11.2018
Der Fachkräftemangel bereitet Handwerksunternehmen in Brandenburg Probleme. Quelle: Jens Wolf
Potsdam

Mit einer ungewöhnlichen Stellenausschreibung hat ein Handwerksunternehmen aus Neuseddin (Potsdam-Mittelmark) auf Facebook für Wirbel gesorgt.

In der Anzeige, die das Unternehmen Ende Oktober geschaltet hatte, suchte es mit eher ungewöhnlichen Formulierungen nach neuen Mitarbeitern: „Du kannst mit Werkzeug umgehen, musst nicht alle drei Minuten eine WhatsApp schreiben, Facebook checken, beherrschst die Grundrechenarten und kannst dich gut verständigen“, steht im ersten Teil des Stellengesuchs.

Die Stellenanzeige erschien bereits Ende Oktober. Mitte November bereitete sie dem Unternehmen große Probleme. Quelle: Facebook

Dann folgt der Satz, der einige Menschen verärgert hat: „Du kannst dir vorstellen, mindestens fünf Mal die Woche zu arbeiten, ohne gleich an einem Burn-Out-Syndrom zu erkranken.“

Anzeige sorgt für Aufregung

„Wer würde schon bei einer Firma arbeiten wollen, die sich über ernste Krankheiten lustig macht“, schrieb ein Nutzer auf Facebook, nachdem ein Foto der Annonce am Sonntag in dem sozialen Netzwerk verbreitet wurde. Ein anderer User meinte: „Genau durch solche Formulierungen kann man immerhin schnell erkennen, wo man nicht arbeiten will.“ Dort wurde die Anzeige über 115 Mal geteilt und hat mehr als 450 Reaktionen hervorgerufen.

Nachdem die Anzeige im Internet veröffentlicht wurde, stand das Telefon bei der Firma nicht mehr still, jedoch nicht, weil sich so viele Bewerber meldeten, sondern weil sich viele der Facebook-User beschweren wollten. Der Chef des Unternehmens ist deswegen so genervt, dass er sich gegenüber der Presse nicht mehr zu der Angelegenheit äußern will.

Fachkräftemangel macht Firmen zu schaffen

Dabei hatte er es gar nicht böse gemeint. Der Unternehmer hatte sich die Idee bei einer Firma in Schleswig-Holstein abgeschaut, die mit einer ähnlich provokant formulierten Annonce innerhalb kurzer Zeit etliche Bewerbungen aus ganz Deutschland erhalten hatte.

Ein Erfolg, der sich bei dem Brandenburger Unternehmen, das händeringend Mitarbeiter sucht, bisher nicht eingestellt hat. Drei Bewerber hatten sich seit Ende Oktober auf die Anzeige gemeldet, darunter eine 57-jährige Frau und ein 53-jähriger Mann. Der dritte Bewerber reichte seine Unterlagen ohne Absender ein, wodurch die Bewerbung nicht bearbeitet wurde.

Der Firma geht es ähnlich wie vielen anderen Unternehmen in Brandenburg: sie leidet unter Fachkräftemangel. „Der demografische Wandel, die geburtenschwachen Jahrgänge, die zum Teil unzureichende Berufsorientierung an Schulen, aber auch Unternehmensstandorte ohne Bus oder Bahnanbindung haben dazu geführt, dass die Situation so ist, wie sie ist“, sagt Ines Weitermann von der Handwerkskammer Potsdam.

Unternehmer erhält Rückendeckung

Auch die jahrelange Ungleichwertigkeit zwischen dualer und akademischer Ausbildung hätte dazu beigetragen, dass vor allem Handwerksunternehmen immer größere Probleme bekommen, weil die entsprechenden Mitarbeiter fehlen, um die steigende Auftragszahl zu bearbeiten.

Doch nicht alle Facebook-Nutzer haben den sarkastischen Unterton der Stellenanzeige missverstanden. „Mein Freund erzählte mir, dass neue Mitarbeiter keinen Helm auf der Baustelle tragen wollen, um die Frisur nicht zu zerstören“, schrieb jemand. Ein weiterer Nutzer wies darauf hin, dass das Unternehmen „sich nicht über Burn-Out lustig macht, sondern über den Missbrauch der Krankheit als Ausrede“.

Von Fabian Lamster

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