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Hans-Otto-Theater spielt Goldoni-Komödie

Sommer-Openair in der Potsdamer Schiffbauergasse Hans-Otto-Theater spielt Goldoni-Komödie

Beim Sommer-Openair des Hans-Otto-Theaters im Gasometer steht Ensemble-Mitglied Meike Finck im Mittelpunkt. Sie spielt die Mirandolina in dem gleichnamigen Stück von Carlo Goldoni. Seit 15 Jahren steht Meike Finck bereits auf der Bühne. Die großen Rollen wurde ihr bisher kaum zugetraut. Wie schlägt sie sich als männerverschlingender Vamp?

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Meike Finck (Mirandolina) mit Wolfgang Vogler (Cavaliere di Ripafratta), und Holger Bülow (Fabrizio)

Quelle: HOT/HLBOEHME

Potsdam. Mit einer beschwingten Ensemble-Leistung verabschiedet sich das Hans-Otto-Theater in die Sommerpause. Die 260 Jahre alte Sitten-und Charakterkomödie „Mirandolina“ von Carlo Goldoni verlebendigt Lebensweisheiten, die im Grunde genommen Plattitüden sind. Es geht um das ungleiche Verhältnis zwischen Mann und Frau und eine zeitlose Erkenntnis: Umschwärmte Frauen können das starke Geschlecht um den Verstand bringen und die sozialökonomischen Machtverhältnisse scheinbar verkehren. Männliche Werber riskieren Zurückweisungen, die ganz schön am Selbstwertgefühl nagen.

Die jahrelange Kärrnerarbeit als Bühnenschauspielerin hat Meike Finck so reifen lassen, dass sie das Zentrum des Stückes siegesbewusst ausfüllt. Ihre Mirandolina ist in der Tat eine lebenserfahrene Wirtin, bei der jeder Handgriff sitzt und die sich auch aufs Posieren versteht. Da Finck keine Urbegabung für witzige Rollen mitbringt, verlässt sie sich als Titelfigur gekonnt auf ihr deftiges und präzises Darstellerhandwerk. Regisseur Tobias Wellemeyer, als Intendant auch nicht gerade eine Frohnatur, kennt als Profi das Repertoire an Gags, um eine geradlinige Handlung gehörig auszuschmücken. Da wird im Slapstick-Modus ein Bügelbrett aufgebaut, ein Koffer bleibt in der Luft hängen und ein Mann ohne Brille irrt hilflos durch die Szenerie. In der Openair-Aufführung wird auf konventionelle Weise die Sau rausgelassen.

Die symmetrisch geordnete Bühne von Alexander Wolf, ein zweistöckiger Querschnitt durch ein modernes Hotel, lenkt den Blick in einen verglasten Küchenkasten in der hinteren Mitte. Hier kann zum allgemeinen Gaudi mit Wasser, farbigen Soßen und Gewürzen rumgeschweinert werden. Im Herd und im Kühlschrank lauern Gefahren wie Explosionen und Eisstürme. Als Koch agiert Holger Bülow, der gegenüber seiner Chefin Mirandolina stets den brünstig Ergebenen herauskehrt. Warum sie ihm am Ende den Vorzug gibt, ist nicht nachzuvollziehen. Wolfgang Vogler gibt in vielen Facetten einen schneidigen Mafiosi und Macho, dem das Herz gebrochen wird. Die bisher genannten drei Darsteller wurden von Kostümbildnerin Ines Burisch modern eingekleidet. Die restlichen fünf treten in barocker Kluft an. Philipp Mauritz und Jon-Kaare Koppe, beide äußerst erfahrene Witzbolde, spielen bestens aufgelegt zwei verliebte Gockel, die um die Gunst von Mirandolina konkurrieren. Beide sind von hohem Adel, der eine völlig verarmt, der andere steinreich. Auch Michael Schrodt als Diener des Reichen vermag unterhaltsame Akzente zu setzen, während die Juliane Götz und Nicola Ruf als frivole Schauspielerinnen nur wie recht grob gewirkte Staffage erscheinen.

Das Sprechen und Singen wird in der Aufführung durch Mikroports verstärkt. Die eingestreuten Gesangsnummern, vom Italo-Schlager bis zum Blues, gestalten sich weniger aufregend. Doch alles in allem setzt das homogene Ensemble einen vergnüglichen Schlusspunkt unter eine anstrengende Saison, die künstlerisch recht erfolgreich verlaufen ist.

Von Karim Saab

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