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Brandenburg Haticon nächstes Opfer der Solarkrise
Brandenburg Haticon nächstes Opfer der Solarkrise
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09:54 22.10.2013
Mit neuer Speichertechnik könnte die Solarindustrie wieder wachsen, hofft die Branche Quelle: dpa
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Potsdam

Ein erstes Gespräch zur Vorbereitung eines Sozialplans soll es am Donnerstag geben, sagt Peter Ernsdorf, IG Metall-Chef für Ostbrandenburg. „Die Motivation bei den Beschäftigten ist absolut im Keller“, erklärt er. Die Auftragslage sei so schlecht, dass schon jetzt ein großer Teil der Beschäftigten bei Fortzahlung der Bezüge nach Hause geschickt worden sei. Laut Ernsdorf ist die Angst vor Arbeitslosigkeit groß, zumal schon die bei Haticon gezahlten Stundenlöhne von rund acht Euro kaum zum Leben reichten. Die Überlebensaussichten des Betriebs, der Befestigungssysteme für Solaranlagen herstellt, will der Gewerkschafter bisher nicht beurteilen. Die Geschäftsleitung müsse die Fakten auf den Tisch legen.

2011 war Haticon-Gründer Gido Genschorek, der das inzwischen zum schwedischen Sapa-Konzern gehörende Unternehmen Anfang dieses Jahres verlassen hat, noch als Brandenburger Gründerchampion gefeiert worden. Zu dem Zeitpunkt waren bei dem Unternehmen noch 650 Menschen in Lohn und Brot, und man peilte die Marktführerschaft an. Aber schon bald sah es bei Haticon ganz anders aus: Kurzarbeit und ein erster Stellenabbau.

Die Solarkrise hat in Brandenburg ein Feld der Verwüstung hinterlassen. Haticon-Konkurrent MP-tec in Eberswalde (Barnim), ebenfalls Hersteller von Befestigungssystemen von Solaranlagen, kündigte bereits Ende August an, ein Viertel der 55 Stellen abzubauen. Komplett aussteigen will MP-tec aus der Produktion von Solarkollektoren. Die Firma erwartet für 2013 zum zweiten Mal in Folge einen Umsatzrückgang.

Zittern müssen auch die Beschäftigten von Conergy in Frankfurt (Oder) und Rangsdorf (Teltow-Fläming) sowie der Bosch-Töchter Aleo in Prenzlau (Uckermark) und Bosch Solar Cistech in Brandenburg/Havel. Für alle Standorte werden neue Investoren gesucht, nachdem Conergy pleite ging und Bosch den Ausstieg aus der Solartechnik beschlossen hat. Immerhin: Für den Modulproduzenten Nanosolar in Luckenwalde (Teltow-Fläming), der im Februar fast alle Beschäftigten auf die Straße gesetzt hatte, hat sich offenbar ein Schweizer Investor gefunden, der den Betrieb wieder aufnehmen will. Keine Hoffnung mehr gibt es dagegen für das Solarunternehmen B5 Solar in Wustermark (Havelland). Laut Insolvenzverwalter laufen dort nur noch letzte Abwicklungsarbeiten.

Von einem „Scherbenhaufen“ spricht Peter Ernsdorf von der IG Metall mit Blick auf die Brandenburger Solarbranche. Brandenburgs Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) hofft auf eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau. Der Minister erwarte, dass der Anpassungsprozess in der Solar industrie bis Ende des Jahres abgeschlossen sei, sagt sein Sprecher Steffen Streu. Oder einfacher ausgedrückt: Im Wirtschaftsministerium hofft man, dass die märkische Solarindustrie nicht komplett zusammenbricht.

Von den 9000 Jobs auf dem Höhepunkt des Brandenburger Solarbooms 2011 sind nach Schätzung des Ministeriums derzeit noch 6400 übrig. Die besten Überlebens chancen hätten Unternehmen, die die gesamte Produktkette vom Modulbau über die Installation bis zum Recycling abdecken könnten, sagt Streu.

Auch Thoralf Schapke, Vorstand des Netzwerks Solarregion Berlin-Brandenburg, glaubt nicht, dass die Branche in Brandenburg noch einmal zu den alten Zahlen zurückkehren kann. Die zur billigeren asiatischen Konkurrenz abgewanderte Modulproduktion sei kaum zurückzuholen. Die Handwerker, die Solaranlagen installierten, hätten dagegen in der Regel weitere Standbeine und könnten eine Durststrecke gut überstehen. „Viel hängt jetzt von der neuen Bundesregierung ab“, sagt Schapke. Der überstürzte Abbau der Solarförderung habe den Niedergang der Unternehmen eingeleitet. Die Stromerzeugung mittels Fotovoltaik werde immer günstiger und ein weiterer Zubau von Solaranlagen volkswirtschaftlich in jedem Fall billiger als der Neubau von klimaschädlichen Kohlekraftwerken. Behindert werde die Entwicklung vor allem durch die fehlende Speichertechnik. Könne man diesen Flaschenhals überwinden, werde die Solarbranche wieder wachsen.

Von Ulrich Nettelstroth

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