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Kritik an Mehdorn wächst

Bund will Klarheit über weitere BER-Planungen Kritik an Mehdorn wächst

Flughafenchef Hartmut Mehdorn musste ein Lieblingsprojekt ad acta legen: Es wird keinen Testbetrieb am BER geben. Dieser war ursprünglich für den 1. Juli 2014 geplant. Die Idee hatte nie viele Freunde, jetzt erntet der Flughafenchef Kritik von allen Seiten. Und die nächste Niederlage droht auch schon. 

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Nach Mehdron Entscheidung, den BER-Teilstart am Nordpier abzusagen, hagelt es Kritik von allen Seiten.

Quelle: dpa

Berlin/Schönefeld. Nach der Absage des geplanten Testbetriebs am neuen Hauptstadtflughafen steht Betreiberchef Hartmut Mehdorn Druck. Der Bund forderte am Freitag baldige Klarheit über die weiteren Planungen. Die Geschäftsführung müsse möglichst zur Aufsichtsratssitzung im April ein Konzept mit verbindlichen Aussagen etwa zum Zeithorizont, weiteren Schritten und den Kosten vorlegen, sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums in Berlin. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter nannte Mehdorns gescheitertes Vorhaben bei "Handelsblatt Online" eine "Schnapsidee" und forderte, dass Minister Alexander Dobrindt (CSU) eingreife.

Mehdorn wollte eigentlich im Juli mit etwa sechs Starts und Landungen einen Testbetrieb in einem Seitenflügel des neuen Terminals starten. Am Donnerstag wurde bekannt, dass er den Plan vom Tisch nimmt. Der Flughafenchef verwies auf mangelnde Unterstützung im Aufsichtsrat. Unterdessen gerät ein weiteres wichtiges Projekt des 71-Jährigen immer stärker unter Beschuss: die Sanierung der nördlichen Start- und Landebahn in Schönefeld.
 Der neue Flughafen soll die Piste vom benachbarten alten Flughafen übernehmen, sie muss aber saniert werden. Mehdorn will auch damit im Juli beginnen und die Maschinen vom alten Flughafen über die neue Südbahn des Hauptstadtflughafens schicken. Dort haben die mehr als 4000 betroffenen Haushalte aber noch keinen ausreichenden Schallschutz, weshalb sich Brandenburg quer legt.
 "Es geht allein um eine betriebssichernde Maßnahme. Das kann nicht zu Lasten der Anwohner gehen", sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke dem "Tagesspiegel (Samstag). Er wies den Vorwurf des Berliner Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) zurück, dass Brandenburg am Flughafen ständig neue Forderungen stelle. "Der Planfeststellungsbeschluss muss eingehalten werden. Da haben wir gar keine Abweichmöglichkeiten", betonte Woidke. "Da wundert mich manche Diskussion aus Berlin."
 Ein Start der Sanierung vor der Landtagswahl in Brandenburg im September ist nach dieser Vorgabe jedoch praktisch ausgeschlossen. Mehdorn hatte angekündigt, notfalls auch zu starten, wenn noch nicht alle Schallschutz haben. Das Infrastrukturministerium in Potsdam teilte auf Anfrage mit, für eine Entscheidung die Interessen der Anwohner und des Flughafens gegeneinander abzuwägen, sollte Schallschutz zum Betriebsstart nicht vollständig realisiert sein.
 Der Linkspartei-Obmann im Bundestags-Verkehrsausschuss, Herbert Behrens, forderte, dass Mehdorn einen anderen Stil an den Tag lege. «Bisher hat er in solchen Situationen immer jemanden rausgeschmissen, anstatt die Schuld bei sich selbst zu suchen.» Dobrindts Sprecher sagte auf die Frage, wie das Ministerium die Arbeit Mehdorns beurteile: "Die Sachlage ist, der Flughafen hat noch nicht eröffnet."
 Der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Oliver Friederici, hält eine Eröffnung des Hauptstadtflughafens im kommenden Jahr für unrealistisch. "Für mich persönlich ist das vom Tisch", sagte er dem Inforadio des RBB. Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) sagte der "Berliner Morgenpost" (Freitag): "Die Verantwortung trägt allein die Geschäftsführung und kein anderer."

Fragen und Antworten zum neuen BER-Debakel

"Panne", "Blamage", "Peinlichkeit" – die Kommentatoren sind wie immer wenig zimperlich: Ein Jahr nach seinem Amtsantritt am Hauptstadtflughafen muss Hoffnungsträger Hartmut Mehdorn seine bislang größte Niederlage bei dem umkämpften Projekt wegstecken. Er schreibt sein Lieblingsvorhaben ab, den Testbetrieb in Deutschlands berüchtigtster Baustelle.
 Was wollte Mehdorn mit dem Testbetrieb bewirken?
Einen "Echttest" für den Neubau. Mit einer guten Handvoll Flügen täglich könne er alle Systeme am Flughafen prüfen, versprach Mehdorn – von der Zutrittskontrolle über Brandmelder und Computernetz bis zum Notruf im Fahrstuhl. Die Fluggesellschaft Germania stand dafür ab Juli bereit. In dem als Wartehalle gedachten Nordflügel wären für rund sechs Millionen Euro Schalter und Gepäckbänder eingebaut worden.
  Woran scheiterte der Flughafenchef?
Am Aufsichtsrat, der Genehmigungsbehörde und an sich selbst. Einerseits dauerte es Monate, bis die Unterlagen für den Umbau-Antrag beisammen waren. Andererseits drängte das Bauamt darauf, den Nordflügel erst im Urzustand fertigzustellen und den Brandschutz dort zu verbessern. Zudem war der Aufsichtsrat nicht überzeugt: Er wollte erst die Baugenehmigung sehen. Am Ende lief Mehdorn die Zeit davon.
 Stimmt die Chemie noch zwischen Mehdorn und seinem Aufsichtsrat?
Es gab bessere Zeiten. Blick auf die Eigentümer – Brandenburg: Nach außen wirkt es, als bekämpfe Potsdam alles, was jetzt zu Bewegung am Neubau führt – man scheint vor der Wahl im September den Zorn der Anwohner zu fürchten. Der Bund: Fragt man den Minderheitseigner, was er von Mehdorns Arbeit hält, kommt als Antwort nur: "Der Flughafen hat noch nicht eröffnet." Und Berlin? Schimpft offen über ständige «Störmanöver» und Indiskretionen der anderen Eigentümer.

Das Mitleid des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) nach Mehdorns Bruchlandung hält sich in Grenzen. Er nehme es zur Kenntnis, lässt der Aufsichtsratschef ausrichten. Was soll er anderes sagen, nachdem sein Geschäftsführer dem Kontrollgremium per Mitarbeiterbrief die Schuld gegeben hat? Wowereit und Mehdorn – das war schon eine Hassliebe, als der 71-Jährige noch Bahnchef war. "Sie haben mich geholt, jetzt müssen sie mich auch aushalten", sagte Mehdorn, als er vor einem Jahr zum Flughafen kam.
 Was hat Mehdorn in einem Jahr in Schönefeld überhaupt bewegt?
Auf der Haben-Seite steht Einiges: Vorher isolierte Abteilungen des Flughafens arbeiten zusammen, der Stillstand auf der Baustelle ist beendet, der Kabelsalat in den Terminaldecken wird entwirrt, eine Lösung für die Brandschutzprobleme scheint gefunden. Die Arbeiten laufen - auch wenn der geplante Abschluss zum Jahresende ungewiss ist. Der Schallschutzstreit ist – auch durch kostspielige Urteile – beigelegt, und Mehdorn überlegt, wie der alte Schönefelder Flughafen weiter genutzt werden kann; denn im Neubau wird es vom Start weg eng.

Doch der streitlustige Manager hat Ärger provoziert, teils verbrannte Erde hinterlassen: mit Forderungen, den Innenstadtflughafen Tegel offen zu halten, durch den Machtkampf mit Technikchef Horst Amann, den Mehdorn schließlich ebenso aus dem Projekt drängte wie wenig später die darauffolgende Bauleiterin. Mehdorn hat viel Geld für externe Berater ausgegeben, kann aber trotzdem nicht sagen, wie viel die Steuerzahler am Ende für das Projekt hinblättern müssen, das die Fünf-Milliarden-Euro-Grenze zu durchbrechen droht.
 Wann geht denn der Flughafen endlich in Betrieb?
Eigentlich vor über zwei Jahren – doch das ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Er tue alles für einen Start 2015, sagte Mehdorn kürzlich. Doch nach der Absage des Testbetriebs hat er Wowereit schon vor weiteren Verzögerungen gewarnt. Denn getestet werden muss der Flughafen vor dem Start – wenn nicht jetzt, dann nach Bauende.

MAZonline/dpa

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Flughafenchef Hartmut Mehdorn fehlt die Unterstützung

Es ist ein herber Rückschlag für Mehdorn: Ab 1. Juli sollte der BER-Testbetrieb laufen, doch der Flughafenchef macht nun einen Rückzieher. Die Absage des Probebetriebs begründet er unter anderem mit mangelnder Unterstützung des Aufsichtsrates. Seine Kritiker reagieren mit Empörung, eine weitere Verzögerung des Eröffnungstermins scheint sicher.

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