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Haushüter halten Einbrecher fern

Homesitting in Brandenburg Haushüter halten Einbrecher fern

Sorgenfrei im Urlaub: Während der Abwesenheit müssen sich Eigenheimbesitzer dank Haushütern keine Gedanken mehr um Einbrecher machen. So lautet zumindest die Theorie der Haushüter-Agenturen, die professionelle Aufpasser auch in Brandenburg vermitteln. Gisela Bader fand aus Tierliebe zu ihrem Job als Haushüterin und ist zu Gast in Großziethen.

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Ein Teufelchen mit Kameraauge

Haushüterin Gisela Bader mit Familienkater „Joschi“.

Quelle: Julian Stähle

Großziethen. Gisela Bader ist die Frau für alles: Blumen gießen, Katze füttern, Briefkasten leeren. Während die Hausbesitzer im wohlverdienten Urlaub in der Sonne braten, passt die 62-jährige Hamburgerin auf deren Eigenheim in Großziethen (Dahme-Speewald) auf. Als Haushüterin zieht sie meist für zwei bis vier Wochen in fremde Haushalte ein, kümmert sich um anfallende Aufgaben und lässt das Haus bewohnt wirken – der beste Schutz gegen Einbrecher, meint Kay Scepanik, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Haushüter-Agenturen.

Ein graues Fellknäuel springt über die Schwelle der offen stehenden Terrassentür und schleicht Gisela Bader um die Beine. Joschi, der vierjährige Britisch-Kurzhaar-Kater der Familie, ist der eigentliche Grund, warum sich die Frührentnerin für das Haushüten entschieden hat. „Ich hatte 18 Jahre lang zwei eigene Kater. Als sie starben wollte ich keine eigenen mehr, sondern lieber mit Betreuung aushelfen“, sagt Bader.

Teurer Spaß: Kunden zahlen etwa 60 Euro pro Tag

Die Betreuung der daheimgebliebenen Tiere ist für viele Kunden essenziell und der Grund, warum sie einen Profi-Aufpasser engagieren, sagt Scepanik. Zwischen 60 und 65 Euro zahlt der Kunde pro Tag an die Agentur für den Haushüter-Service. Etwa 15 Euro davon behält Gisela Bader, vom Rest werden die Sozialabgaben und Versicherungen für die Mitarbeiter bezahlt.

Ohne Dienstausweis dürfen die Haushüter nicht arbeiten

Ohne Dienstausweis dürfen die Haushüter nicht arbeiten.

Quelle: Julian Stähle

Die Agenturen setzen ausschließlich Rentner ein, die für die Betreuungszeit bei der Minijob-Zentrale angemeldet sind und auf 450-Euro-Basis arbeiten. „Für viele ist es reizvoll, aus dem eigenen Umfeld rauszukommen“, so Scepanik. Außerdem schätze man die Lebenserfahrung der Rentner. „Kriminelle Machenschaften sind uns älteren Leuten fremd“, betont auch Gisela Bader. An die persönlichen Gegenstände der Familien traut sie sich nicht ran. Selbst am Kühlschrank bedient sie sich trotz Erlaubnis nicht. „Ich habe zu viel Respekt vor dem Eigentum der anderen.“

„Gute Nachbarschaft allein reicht nicht“

Seit 2011 ist Gisela Bader Haushüterin und zieht besonders in der Ferienzeit ohne längere Pausen von Haus zu Haus. Vor ihrem Einsatz in Großziethen war sie bereits in Bremen, Neuss und Frankfurt am Main. Bis 2010 arbeitete Bader beim Pharmaunternehmen Bayer in Berlin Wedding, ehemals Schering. Danach zog sie zurück in ihre Heimat Hamburg und wohnt dort in einem Reihenhäuschen. In diesem Jahr ist sie aber wegen der vielen Einsätze selten zu Hause. Einen eigenen Haushüter kann sich Bader jedoch nicht leisten. „Das übernehmen die Nachbarn für mich“, sagt sie.

„Gute Nachbarschaft allein ist kein Garant für hundertprozentige Sicherheit“, sagt Rudi Sonntag, Sprecher des Landespolizeipräsidiums. Haushüter hingegen würden Einbrecher durchaus abschrecken. Die meisten Einbrüche erfolgen zwischen 8 und 22 Uhr, so Sonntag. Laut Statistik ist die Gesamtzahl der Einbrüche leicht rückläufig: 2014 waren es 3991, davon 2029 am Tage. Die Aufklärungsquote sei hingegen gering. Die Polizei rät Urlaubern, die längere Zeit verreisen, dies nicht an die große Glocke zu hängen. Weder auf dem Anrufbeantworter noch in sozialen Netzwerken sollten Informationen über Zeitraum der Abwesenheit und Aufenthaltsort veröffentlicht werden. Außerdem empfiehlt es sich, das Fahrzeug vor dem Grundstück zu parken und den Rasen mähen zu lassen, damit das Haus bewohnt wirkt.

„Homesitting“

Die Dienstleistung Haushüten stammt aus den USA und England. Dort ist „Homesitting“ seit den 1970er Jahren bekannt. Ein Jahrzehnt später fand das Konzept auch im Westen Deutschlands immer mehr Zuspruch.

Laut Kay Scepanik, Vorstand des Verbandes Deutscher Haushüter-Agenturen, ist die Nachfrage bis heute in den alten Bundesländern groß. In Brandenburg ist Haushüten weniger bekannt.

10 Agenturen hat der Haushüter-Verband, der seit 1985 besteht. Sie bieten eine Betriebshaftpflichtversicherung und für die Mitarbeiter eine Unfallversicherung. Die Agenturen führen die gesetzlichen Sozialabgaben für ihre Mitarbeiter an den Staat ab.

Schwarze Schafe gibt es aber auch unter den Haushütern. Verursacht der Schwarzarbeiter einen Schaden, kann er nur mit seinem Privatvermögen zur Rechenschaft gezogen werden und der Hausherr greift meist ins Leere. Auch die private Haftpflicht bringt bei einem Unfall keine Leistungen.

www.haushueter.org

Schon zum vierten Mal wohnt Gisela Bader auf Zeit in Großziethen. Wegen des großen Gartens hinter dem Haus hat sie mehr zu tun als üblicherweise. Die Erdbeerpflanzen, der Kräutergarten und die vielen Blumen sind bei der Hitze der vergangenen Tage besonders durstig. „Mit Pflanzen gießen und Rasen wässern bin ich gut zwei bis drei Stunden am Tag beschäftigt“, erzählt Bader. Diese Tagesaufgaben erledigt sie meist bis elf Uhr. Zwischen acht und neun Uhr muss sie sich telefonisch bei ihrer Agentur melden – „ein Sicherheitsanruf muss sein, falls mir mal was passiert“, sagt sie.

Blumen gießen ist eines der Hauptaufgaben eines Haushüters

Blumen gießen ist eines der Hauptaufgaben eines Haushüters.

Quelle: Julian Stähle

Auch Personen können „gehütet“ werden

Ganz wie im Urlaub fühlt sich Gisela Bader trotz Liegestuhls auf der Sonnenterrasse jedoch nicht. Denn sie hat genaue Vorgaben: Verlassen darf Bader das Haus höchstens für drei Stunden am Stück. Das reiche für eine Radtour oder einen kleinen Einkauf aus, sagt sie. Denn verpflegen muss sie sich im fremden Haushalt selbst. Auf zwei Checklisten sind all die Dinge festgehalten, die Bader erledigen soll und im Notfall wissen muss. Jeden Besucher und jeden Anrufer muss sie mit Datum und Uhrzeit protokollieren, genau so auch, wann sie das Haus verlässt und wiederkommt. Alle Briefe versieht Bader mit Eingangsdatum und legt sie auf einen Stapel. „Das ist nun mal mein Job“, sagt sie. Das Geld sei ihr dabei völlig egal, vor allem weil sie nicht darauf angewiesen ist. „Viele Rentner sehen das Haushüten als willkommenen, gelegentlichen Tapetenwechsel und sinnvolle Freizeitbeschäftigung.“

Für die Zukunft sieht Kay Scepanik die Personenbetreuung immer mehr im Mittelpunkt des Haushütens. Wenn ältere Menschen, die sich noch selbst versorgen können und keine schweren Pflegefälle sind, nicht mit verreisen können oder die Kinder anstatt am Strand zu spielen die Schulbank drücken müssen, springen Haushüter auch mal als Betreuungspersonen ein. „Wir ersetzen dabei auf keinen Fall einen professionellen Pflegedienst“, sagt Scepanik. Im Vorfeld gebe es ein Kennenlerntreffen und gegebenenfalls einen Testeinsatz.

Von Luise Fröhlich

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