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Hebammen bangen um ihre Existenz

Haftpflichtprämie für Geburtshelferinnen steigt Hebammen bangen um ihre Existenz

Hebammen und Krankenkassen werden sich nicht einig darüber, wie die freiberuflichen Hebammen von den hohen Prämien für ihre Berufshaftpflicht entlastet werden sollen. Nun müssen die Hebammen die Mehrkosten von 1200 Euro im Jahr zunächst alleine aufbringen. Auch Brandenburger Geburtshelferinnen bringt das in existenzielle Nöte.

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Quelle: Fotolia

Potsdam. Die erneut drastische Erhöhung der Haftpflichtprämien zum 1. Juli bringt Brandenburger Hebammen in Not: Weil sie sich die Jahresgebühr von 6300 statt bislang 5100 Euro nicht leisten können, erwägen einige Freiberuflerinnen, keine Hausgeburten mehr anzubieten oder den Beruf ganz aufzugeben, sagt die Vorsitzende des Landeshebammenverbandes, Martina Schulze. „Eltern bleibt dann nur die Geburt in einer Klinik“, erklärt sie.

Hintergrund sind gescheiterte Verhandlungen zwischen dem Deutschen Hebammenverband und den Krankenkassen. Der Bund hatte die Kassen gesetzlich verpflichtet, die Kostensteigerungen finanziell auszugleichen. Über die Höhe der Erstattung wird gestritten. Nach Berechnung der Hebammen liegen die Mehrkosten deutschlandweit bei 2,8 Millionen Euro. Die Kassen wollen aber nur rund die Hälfte übernehmen und den Ausgleich über einen Sicherstellungszuschlag leisten, der je nach Zahl der Geburten unterschiedlich hoch ausfällt. Der Hebammenverband lehnt das ab und hat die Schiedsstelle angerufen. Bis zu einer Entscheidung kann ein halbes Jahr vergehen. Hebammen müssen die Prämien nun zunächst allein tragen. „Das ist eine Katastrophe“, sagt Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes. „Wir machen uns große Sorgen, dass Kolleginnen die Belastungen zu groß werden.“

In Brandenburg bieten noch rund 40 Hebammen Hausgeburten an.

In Brandenburg betreuen derzeit noch rund 40 Hebammen außerklinische Geburten. Vor allem die sechs Geburtshäuser müssen kämpfen. „Wir überlegen jedes Jahr aufs Neue, ob wir weitermachen können“, sagt Yvonn Schubert vom Geburtshaus in Eberswalde (Barnim) mit rund 45 Entbindungen pro Jahr. Eine Kollegin habe sich bereits aus der Geburtshilfe verabschiedet, so Schubert. Sie selbst habe vor 22 Jahren mit einer Haftpflichtprämie von 300 Euro angefangen. Nun zahle sie 6000 Euro mehr. Die Freiberuflerinnen kämen nicht umhin, einen Teil der Kosten an die Frauen weiterzugeben. Für eine Rufbereitschaft muss die Familie rund 500 Euro bezahlen. Die Kassen übernehmen diese Kosten nicht oder nur teilweise. „Eine persönliche Geburt wird inzwischen zum Luxuserlebnis“, sagt Schubert.

Dabei ist es in Brandenburg schon jetzt schwierig, eine Hebamme zu finden. Laut Bundesverband suchen aktuell in Berlin und Brandenburg 18 Frauen eine Hebamme für eine Hausgeburt. Acht finden keinen Platz in einem Geburtshaus. Zudem fehlen 22 Beleghebammen für eine Begleitung in der Klinik.

 

Von Marion Kaufmann

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