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Hebammen in Brandenburg schlagen Alarm

Zu hohe Arbeitsbelastung Hebammen in Brandenburg schlagen Alarm

Sie sehen sich als Leidtragende des Spardrucks in Krankenhäusern - Brandenburgs Hebammen. Allzu viele werdende Mütter seien zu betreuen, klagt ihr Verband. Er wüsste Abhilfe, aber die kostet Geld.

Viele Schwangere in Brandenburg finden keine Geburtshelferin mehr.

Quelle: 60790318

Potsdam. Schwere Zeiten für Hebammen in Brandenburg: Sie bekommen nach Darstellung ihres Landesverbandes die Sparpolitik und den Personalabbau in Krankenhäusern zu spüren, indem ihre Arbeitsbelastung steigt. Sie werde immer häufiger von Oberärzten oder Klinikchefs angerufen, die dringend eine Klinik-Hebamme bräuchten, sagte die Verbandsvorsitzende Martina Schulze. Wenn wie geplant die Kreißsäle in Strausberg (Märkisch-Oderland), Tem­plin (Uckermark) und Bernau (Barnim) schlössen, werde sich die Lage weiter verschlechtern.

Wegen des Geburtenrückgangs haben in Brandenburg immer weniger Krankenhäuser eigene Entbindungsstationen (siehe unten). „Das bedeutet für viele Schwangere längere Anfahrtswege und nicht selten überfüllte Kreißsäle“, erläuterte Schulze. Mit den Stationsschließungen sei auch das Personal verringert worden.

Auf einer Landkarte im Internet hat der Deutsche Hebammenverband aktuell für die Mark mehr als 100 Meldungen von Frauen regis­triert, die vergeblich eine Hebamme gesucht haben – überwiegend für das Wochenbett. Dabei hätten sich nicht alle Schwangeren, die keine Hilfe gefunden hätten, zur Registrierung gemeldet, meinte Schulze. Nach einer bundesweiten Umfrage des Deutschen Hebammenverbandes von 2015 gibt fast jede zweite Klinik-Hebamme an, häufig drei Frauen parallel zu betreuen. Auch vier und mehr Frauen seien Realität. Dies stehe im Widerspruch zu der von der Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlich medizinischer Fachgesellschaften geforderten Betreuung im Verhältnis 1:1, um den Frauen bei Komplikationen mit vollem Einsatz zur Seite stehen zu können.

Aktuelle Zahlen des Brandenburger Gesundheitsministeriums widersprechen dieser Einschätzung auf den ersten Blick. Demnach gab es im Juli dieses Jahres in Brandenburg 486 gemeldete freiberufliche Hebammen, 101 mehr als im Februar 2013. Allerdings räumt das Ministerium ein, dass Mehrfachnennungen wegen kreisüberschreitender Tätigkeiten nicht ausgeschlossen werden können.

Hinzu kommt: Die Geburtshelferinnen leiden unter den hohen Beiträgen für die Berufshaftpflichtversicherung, die Mitte des Jahres um weitere neun Prozent gestiegen sind. Zwar habe sich Brandenburgs Landesregierung um einen Krankenkassen-Ausgleich für die erhöhten Haftpflichtprämien bemüht, sagte Schulze. Da die Beiträge aber künftig weiter stiegen, sei eine dauerhafte Lösung dieses Problems notwendig.

Weniger Kreißsäle in Brandenburg

1991 verfügten laut amtlicher Statistik noch 40 der damals 67 Brandenburger Kliniken über eigene Kreißsäle. Im Jahr 2014 gab es nur noch 25 in den 56 Krankenhäusern.

Die Zahl der Geburtshäuser wurde um zwei auf vier reduziert.

84 Prozent der Hebammen haben laut einer Umfrage mehr Anfragen für eine Wochenbettbetreuung registriert als sie annehmen können. Rund 70 Prozent lehnen bis zu fünf Frauen jeden Monat ab, 21 Prozent zwischen sechs und zehn Frauen und zwölf Prozent mehr als zehn Frauen.

Von Manfred Rey

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