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Heftiger Dämpfer für Linken-Chef Görke

Linke Brandenburg Heftiger Dämpfer für Linken-Chef Görke

Der Aufwind für die Brandenburger Linke dürfte vorerst verflogen sein. Die eigene Basis der Linke hat ihren bisher starken Mann – Parteichef und Finanzminister Christian Görke – abgestraft. Mit nur 69 Prozent wurde er wieder an die Spitze der Partei gewählt. Außerdem gibt es eine wichtige Änderung und interne Sorgen.

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Christian Görke ist der alte und neue Linken-Chef, aber diesmal mit rund acht Prozent weniger als 2014.

Quelle: dpa-Zentralbild

Templin. Mit einer eindringlichen Bitte hatte sich der Wahlkampfchef an die Delegierten gewandt. Sie mögen in die anschließenden Vorstandswahlen doch „geschlossen und positiv gestimmt“ gehen, mahnte Thomas Nord, früher selbst Landeschef, der die Wirkung nur mäßiger Wahlergebnisse selbst gut kennt. Schließlich stünde die Partei vor drei wichtigen Landtagswahlen am Sonntag.

Doch dieses Beschwören half nichts. Erst straften die Delegierten den eigenen Parteivorsitzenden Christian Görke bei seiner Wiederwahl mit nicht einmal 70 Prozent ab. Das ist in Brandenburgs Linke Minusrekord. Dann ließen sie auch noch Görkes wichtigste Stütze in der Partei, seine Landesgeschäftsführerin Andrea Johlige, durchfallen. Die Nachricht am späten Samstagabend löste im Saal Hektik aus. Einige wirkten schockiert, rangen nach Fassung. Was heißt das für Görke? Der hatte nach seiner Wahl davon gesprochen, dass die Linke eben keine „Wohlfühlveranstaltung“ sei und dass er sich „zwei, drei Prozent“ mehr gewünscht hätte. Nun musste er Johliges Abwahl kommentieren. Er sei „sehr, sehr traurig“, habe gut mit ihr zusammengearbeitet – „bei allen Rückschlägen“, sagte Görke. Er kündigte an, dass der Posten kommissarisch besetzt werde. Die Wahl soll dann auf dem nächsten Parteitag sein.

Aufwind dürfte verflogen sein

So steht der ungewöhnliche Tagungsort der Linken, ein auffällig bunt bemaltes Plattenbau-Hotel direkt am idyllischen Lübbesee in Templin (Uckermark), für eine doppelte Wahlschlappe des Spitzenmannes. Intern wird aber auch die Sorge geäußert, dass sich die Linke damit ein Stück selbst geschadet habe. Die Regierungspartei sah sich nach ihrer Wahlniederlage 2014, wo sie unter 20 Prozent blieb, im Aufwind. Doch der dürfte erst einmal verflogen sein.

Andrea Johlige

Andrea Johlige.

Quelle: MAZ

Am Tag danach wurden die Wunden geleckt, die Gerüchteküche brodelte. Johlige hätte sich mit einigen Kreisverbänden angelegt, die hinter den Kulissen die Abwahl betrieben, hieß es. Bestätigen will das keiner. Dass die Partei in ein solches Debakel schlittern würde, können einige Delegierte am Sonntag noch immer nicht fassen. Offene Kritik gab es weder im Vorfeld noch in der Debatte. „Wir haben zu wenig geredet“, glaubt Vize-Landeschef Sebastian Walter.

„Endlich die Sorgen der kleinen Leute wieder ernst nehmen“

Görke hatte in seiner Rede am Samstag, die nur mäßig beklatscht wurde, versucht, die Partei auf die neuen Herausforderungen einzustimmen. Er erinnerte daran, dass sich die PDS und Linke einst auf Protest gegründet hätte. „Das können und müssen wir auch heute tun“, betonte er. Auch wenn die Linke gezeigt habe, dass sie regieren könne, heiße das noch lange nicht, „dass wir uns mit dem Establishment arrangiert haben“. Er mahnte seine Partei, nicht als „intellektueller Debattierklub“ daher zukommen. „Wer AfD und Pegida den Wind aus den Segeln nehmen will, muss endlich die Sorgen der kleinen Leute wieder ernst nehmen.“ Sein Appell: „Kümmern wir uns zuallererst um die Sorgen der kleinen Leute und erst in zweiter Linie darum, was die Wirtschaft braucht.“ Zuvor stellte Görke die Linke als den Motor der rot-roten Koalition dar. Die SPD habe sich bei vielen Themen bewegt, wie bei der Gemeinschaftsschule, die die SPD nur „Schulzentrum“ nenne. „Dieser Erfolg ist nicht zu unterschätzen“, sagte Görke.

Die CDU, bislang beim Demontieren von Vorsitzenden ungeschlagen, reagierte prompt. Görke sei ein „Vorsitzender auf Abruf“, so Vize-Chef Gordon Hoffmann. Nun kehre Görke als schwacher Mann zurück an den Kabinettstisch von Ministerpräsident Woidke.

Die neue Parteispitze – ohne Andrea Johlige

Brandenburgs Linke hat ihre Spitze neu gewählt. Nicht mehr mit dabei als Landesgeschäftsführerin ist Andrea Johlige (38). Sie fiel mit 46,8 Prozent der Stimmen durch (59 Ja- und 56 Nein-Stimmen, 12 Enthaltungen). Bei der gleichen Wahl 2014 war Johlige nur knapp mit 50,1 Prozent gewählt worden. Sie wird ihren Platz in der Parteizentrale räumen. Im Landtag ist sie weiter als Abgeordnete Chefsprecherin für die Asyl- und Flüchtlingspolitik.

Als Stellvertreter wurden im Amt bestätigt: Ute Hustig (82,7 Prozent), Sebastian Walter (77,0) und Norbert Müller (58,0). Neu hinzu kam Kirsten Tackmann mit 89,8 Prozent.

Von Igor Göldner

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