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Brandenburg Helmholtz-Zentrum baut 2019 Reaktor ab
Brandenburg Helmholtz-Zentrum baut 2019 Reaktor ab
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14:55 16.02.2018
Reaktorbecken des Forschungsreaktors im Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) Quelle: HZB
Berlin

Ein Kernreaktor ist eine heikle Infrastruktur – auch wenn es sich nur um den Experimentier-Reaktor II beim Hahn-Meitner-Platz in Berlin-Steglitz handelt. Wer das knapp 19 Hektar große Areal des Helmholtz-Zentrums Berlin (HZB) am Wannsee betritt, braucht Anmeldung und Genehmigung. Wer gar im Innern der Warte zusammen mit der Technischen Aufsicht in das zehn Meter tiefe, von einer bis zu zwei Meter dicken Betonschicht umzogene Becken blicken möchte, um über das Blau der sogenannten Tscherenkow-Strahlung und damit eine laufende Kernreaktion zu staunen, muss sich Sicherheitsprozeduren stellen: Foto für einen Spezialausweis, Strahlenmessgerät anheften, Belehrungen, Leibesvisitation und Begleitung. Hinter der Glasscheibe sitzen bewaffnete Sicherheitsbeamte.

Ein Super-GAU ist unwahrscheinlich aber möglich

Nichts käme dem Forschungszentrum ungelegener als ein böser Eindringling. So groß die Unterschiede zwischen dem Forschungsreaktor und einem Kernkraftwerk auch sein mögen: Hier wird – wenn auch in kleinem Maße – nun einmal schwach angereichertes Uran gespalten. Und da kann Unangenehmes passieren. Der Super-Gau? „Nur durch ein gewaltsames äußeres Ereignis könnte in einem höchst hypothetischen Szenario das Kühlwasser komplett auslaufen und radioaktive Stoffe könnten nach außen gelangen“, antwortet die Sprecherin des HZB, Ina Helms.

Nun sind die Tage des Reaktors aber gezählt. Schon 2013 hatte der Aufsichtsrat den Beschluss gefasst, die seit 1973 genutzte Neutronenquelle bis Ende 2019 zu schließen. Dann müssen Materialforscher aus aller Welt fertig sein mit ihren Experimenten. Nur dafür werden am Wannsee überhaupt Kerne gespalten. Denn die Reaktion im Reaktorbecken gibt es nur aus einem einzigen Grund: Neutronen, Teile des Atomkerns, werden freigeschlagen, damit Wissenschaftler Materialien und physikalische Abläufe auf detaillierte Weise analysieren können. Die Forscher werden weiterziehen, ins schwedische Lund. Dort entsteht eine neue Anlage mit viel mehr Leistung und weniger Problemen mit Radioaktivität.

Grüne Wiese bis zum Jahr 2030

„Wir wollen bis 2030 an der Stelle, wo der Reaktor steht, eine grüne Wiese haben“, sagt HZB-Sprecher Hannes Schlender. In anderen Bereichen des Geländes wird das Helmholtz-Zentrum weiterhin Labors betreiben. Abgebaut werden aber die Hülle des Forschungsreaktors, das Becken für die Brennelemente und ein danebenliegender Gebäudeteil. „Geplant ist, die Geräte und Einbauten, die sich im Reaktor unter Wasser befinden, zu zerlegen und in Behältnisse zu packen, in denen sie dann bleiben“, sagt Reaktorleiter Stephan Welzel.

Dieses mittelradioaktive Material soll im Schacht Konrad in Salzgitter (Niedersachsen) eingelagert werden. Vorher wird es wohl zwischengelagert werden – und zwar auf dem Reaktorgelände selbst.

„Das ist eine Option“, sagt Welzel. „Ziel ist es, aus einem großen Volumen Bauschutt den Anteil radioaktiven Materials herauszuholen, der nach gültigen Regelwerken endgelagert werden muss.“ Das kontaminierte Wasser des Reaktorbeckens würde verdampft werden. Übrig bliebe leicht strahlender Feststoff, der ebenso verpackt und gelagert würde. Bei manchen, nur äußerlich verstrahlten Teilen reiche sogar schon sorgfältiges Waschen.

Das Entsorgen der Brennelemente

Die Brennelemente dagegen sollen spurlos verschwinden. Welzels Mitarbeiter lassen die 80 Zentimeter langen Stäbe bislang zunächst 30 Tage abklingen. Dann werden sie mit einem Spezial-Lkw abtransportiert. Die jetzt noch aktiven Brennstäbe werden im Zwischenlager Ahaus im Münsterland landen. Laut Welzel wird der Abtransport aber frühestens 2026 beginnen.

Orientieren will man sich am Abbau der Reaktoren im Forschungszentrum Geesthacht (Schleswig-Holstein). Einer der beiden Reaktoren war schon 1993 ausgeschaltet worden, der andere stellte 2010 den Betrieb ein. Auch bei Geesthacht wird Material in Fässern zwischengelagert. Kritiker dort fragen, ob der Forschungsreaktor zusammen mit dem Kernkraftwerk Krümmel nicht doch für die Häufung von Leukämieerkrankungen in der Region verantwortlich ist.

Offener Dialog mit Bürgern

Auch deshalb ist den Helmholtz-Mitarbeitern die Beteiligung der Öffentlichkeit wichtig. Von einem „offenen Dialog“ spricht Öffentlichkeitsarbeiter Schlender. Er erhofft sich zum Beispiel Anregungen, wie lange es Nachproben im Wannsee geben oder auf welchen Umkreis die Sicherheitsprüfungen ausgedehnt werden sollen. Die Mitbestimmung wird sich in Grenzen halten: „Die Leute können erwarten, dass wir alle Vorschläge ernst nehmen und prüfen. Trotzdem bleibt die fachliche Verantwortung beim Betreiber“, sagt Schlender. „Wir müssen uns an die Gesetze halten.“

Mit kritischen Fragen und Einwänden rechnen die Helmholtz-Mitarbeiter. Mit echten Störungen oder gar Aufständen der Anwohner beim Abbau eher nicht. „Wir haben eine hohe Sicherheitskultur am Reaktor“, sagt Welzel: „Wir kommen täglich hierher zum Arbeiten und viele Mitarbeiter wohnen auch in der Nähe.“ Das würde man nicht tun, ginge man als Mitarbeiter nicht davon aus, dass Betrieb und später der Abbau der Anlage sicher sind.

Von Rüdiger Braun

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