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Herkules hängt kopfüber am Himmel

Sternenhimmel über Brandenburg im Juli 2016 Herkules hängt kopfüber am Himmel

Im Juli werden die Nächte wieder länger. Am 1. Juli geht die Sonne um 21.30 Uhr unter, am 31. Juli dagegen schon um 20.57 Uhr. Wer mag, kann das Sternbild Herkules suchen, das zwei Kugelsternhaufen beherbergt und einen Stern, der Raselgethi heißt. Astronomielehrer Uwe Schierhorn erklärt, was es damit auf sich hat.

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Quelle: Uwe Schierhorn mit Stellarium 14.01.01

Die Nächte im Juli werden wieder länger. Am 1. Juli geht die Sonne um 21.30 Uhr unter, am 31. Juli dagegen schon um 20.57 Uhr. Der typische Sommersternenhimmel spannt sich am Abend über dem Beobachter auf: Im Westen gehen die Frühjahrssternbilder, mit dem Löwen voran, unter. Fast direkt über dem Beobachter erkennt man den Bootes, die Nördliche Krone und den Herkules.

Hat man freie Sicht auf den nördlichen Horizont, kann man versuchen, den Stern Kapella aus dem Wintersechseck zu suchen. Kapella gehört zu den zirkumpolaren Sternen, d.h. er geht nie auf und nie unter, ist somit bei uns ständig über dem Horizont. Am 12. Juli erreicht er um 23.00 Uhr seine tiefste Stellung im Norden.

Das Sternbild Herkules , benannt nach dem Helden der griechisch-römischen Mythologie, ist ein ausgedehntes Sternbild, mit hauptsächlich leuchtschwachen Sternen. Man findet es mit dem Merkspruch: „Arktur, Gemma, Herkules, Wega, Deneb merke es, dieses ist die Perlenschnur zwischen Deneb und Arktur.“

Den Stern Arktur im Bootes findet man leicht über die „Deichsel“ des Großen Wagens, die man entsprechend ihrer Krümmung bis zum hellen Arktur verlängert. Wega und Deneb sind die hellen Sterne des Sommerdreiecks und Gemma gehört zum Sternbild der nördlichen Krone, einem Sternbild, welches fast wie eine Schüssel aussieht.

Nachdem man so das Sternbild Herkules gefunden hat, ist es schwer, sich die Figur des Helden vorzustellen. Aus unserer Position betrachtet hängt Herkules kopfüber am Himmel, obwohl er in vielen historischen Darstellungen kniet. Der Hauptstern (heller Stern im Keil der Legende vgl. Abb. oben) Raselgethi , wurde von den Arabern so genannt und bedeutet „der Kopf des Knieenden“. Raselgethi ist ein roter Riesenstern mit einer veränderlichen scheinbaren Helligkeit von 2 m7 bis 3 m6. Innerhalb von ca. 100 Tagen schwankt die Helligkeit zwischen diesen Werten hin und her. Der Durchmesser des Raselgethi entspricht dem 400-fachem Sonnendurchmesser, d.h. er würde im Sonnensystem den Raum bis weit über die Marsbahn ausfüllen. Er gehört somit zu den größten bekannten Sternen.

Der Herkules beherbergt außerdem zwei Kugelsternhaufen M13 und M92 . Kugelsternhaufen sind die ältesten Objekte unserer Milchstraße. M13 ist der hellste und bekannteste Kugelsternhaufen auf der nördlichen Himmelshemisphäre. Astronomen schätzen das Alter von M13 auf ca. 14 Milliarden Jahre. M13 ist 25 000 Lichtjahre entfernt und besteht aus einigen 100 000 Sternen. Er selbst hat eine Ausdehnung von 150 Lichtjahren und wurde erstmals von Edwin Hubble beschrieben, der 1714 anmerkte, dass „er sich dem bloßen Auge zeigt, wenn der Himmel klar ist und der Mond nicht scheint.“ Charles Messier nahm ihn in seinen Katalog nebelartiger Objekte als 13. Objekt auf, daher: M13.

Die Planeten Merkur und Venus sind im Juli unsichtbar. Sehen kann man Jupiter am westlichen Abendhimmel, Saturn und Mars. Die Abbildung zeigt, wie die letztgenannten Planeten im Laufe des Juli ihre Position relativ zu den Sternbildern ändern.

Anhand des schwachen Sterns w Oph (Sternbild Schlangenträger, scheinbare Helligkeit m = 4 m5) erkennt man, dass Saturn zur Zeit noch in der Rückläufigkeit ist. Er bewegt sich relativ zu den Sternen scheinbar in Richtung Westen. Hervorgerufen wird das durch den Überholvorgang der Erde auf der „Innenbahn“ um die Sonne. Mars dagegen ist rechtläufig, er bewegt sich relativ zu den Sternen nach Osten. Hier dient der helle Stern Dschubba ( d Sco m = 2 m5) im Skorpion als Bezugspunkt. Seine Bewegung verläuft auf Grund seiner geringeren Entfernung zur Erde schneller als die des Saturn.

Der Mond beginnt den Juli abnehmend, d.h. er geht erst im Laufe der Nacht auf. Neumond ist am 4. Juli. Ab dem 7. des Monats haben wir den Mond wieder als schmale Sichel am Abendhimmel. Vollmond ist dann wieder am 20. Juli – der sogenannte Heumond (7. Vollmond des Jahres).

Von Uwe Schierhorn

Uwe Schierhorn ist Fachlehrer für Mathematik, Physik und Astronomie am Friedrich–Schiller–Gymnasium Königs Wusterhausen und Mitglied in der Schul- und Volkssternwarte Dahlewitz.

Datenquellen: www.calsky.com
Abbildungen erstellt vom Autor mit Stellarium 0.14.01 (Freeware)

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