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Brandenburg „Herzpatienten nehmen Symptome nicht ernst“
Brandenburg „Herzpatienten nehmen Symptome nicht ernst“
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00:20 04.11.2017
Atemnot und Abgeschlagenheit – womöglich steckt eine Herzschwäche dahinter. Quelle: Jan Neuffer/Deutsche Herzstiftung
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Potsdam

Unter dem Motto „Das schwache Herz“ startet in Brandenburg die bundesweite Aktion „Herzwochen 2017“. Die Herzschwäche ist in Brandenburg die zweithäufigste Todesursache bei Herzerkrankungen. Viele Patienten zögern zu lange, einen Arzt aufzusuchen, sagt der Brandenburger Herzspezialist Sören Just, leitender Oberarzt am Sana Herzzentrum Cottbus.

Sören Just ist Herzspezialist und leitender Oberarzt am Sana Herzzentrum Cottbus Quelle: Privat

Wenn jemand „schwach auf der Brust“ ist, gerät er in der Regel leicht aus der Puste. Was aber ist damit gemeint, wenn Patienten ein schwaches Herz haben?

Ein schwaches Herz führt dazu, dass das Herz nicht mehr in der Lage ist, ausreichend sauerstoffreiches Blut in den Körper zu pumpen. Es kommt zu Beschwerden wie Leistungsschwäche, Atemnot und Flüssigkeitseinlagerungen in den Beinen. Wer unter solchen Anzeichen leidet, sollte umgehend einen Arzt aufsuchen und abklären, ob es sich um eine Herzinsuffizienz handelt.

Sind nur ältere Menschen betroffen?

Nein, unter einer Herzschwäche können auch jüngere Menschen leiden. Oft deuten sie aber die Symptome falsch, wenn sie sich etwa nach einer nicht auskurierten Grippe schwach fühlen und nicht merken, dass es sich eigentlich um eine Herzmuskelentzündung handelt. Wird diese nicht auskuriert, kann es passieren, dass gravierende Folgen am Herzen auftreten wie etwa die Herzschwäche.

Was ist die Ursache einer Herzschwäche?

In den meisten Fällen entwickelt sich die Herzschwäche aus der koronaren Herzkrankheit, die zu den häufigsten Herzerkrankungen zählt. Dabei sind ein oder mehrere Herzkranzgefäße verengt, weil Arterien verkalkt sind. Sind die Herzkranzgefäße betroffen, passiert Folgendes: An den Gefäßwänden kommt es zu entzündlichen Schädigungen. Die Gefäßwände lagern daraufhin Fett ein, verkalken, verlieren ihre Elastizität und der Gefäßdurchmesser verengt sich zunehmend. Schlimmstenfalls droht ein akuter Herzinfarkt.

Wer hat ein erhöhtes Herzinfarktrisiko?

Wer raucht, unter Diabetes und erhöhtem Blutdruck leidet, erhöht das Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden. Aber auch Bewegungsmangel, ein höheres Lebensalter, Übergewicht, eine zu fette Ernährung und erbliche Belastungen spielen eine Rolle.

Noch immer sterben im Land Brandenburg mehr Menschen an einem Herzinfarkt als in anderen Bundesländern. Können Sie uns erklären, woran das liegt?

Schnelles und kompetentes Agieren hilft, die Sterblichkeit an einem Herzinfarkt zu senken. Mich überrascht es nicht, dass ein Bundesland wie Brandenburg mit geringster Kardiologendichte gegen eine überdurchschnittlich hohe Infarktsterblichkeit ankämpft. Hinzu kommt, dass Patienten Krankheitsanzeichen offenbar nicht ernst oder nicht so wichtig nehmen und sich nicht untersuchen lassen. Sie suchen erst eine Klinik auf, wenn es wirklich nicht mehr anders geht. Eine Rolle spielt auch die Klinikverfügbarkeit in Brandenburg, die vergleichbar gering ausfällt. Erschwerend kommt hinzu, dass 40 Prozent der Herzkatheterlabore keinen 24-Stunden-Notdienst anbieten – aus Kostendeckungsgründen.

Nehmen ältere Patienten Anzeichen eines Infarkts ernst genug?

Prinzipiell sind ältere Menschen gesundheitsbewusster als Jüngere und reagieren schneller auf ihre „Zipperlein“. Das Wissen um Termin- und Wartezeiten schreckt jedoch hier und da den ein oder anderen davor ab, eine Sprechstunde aufzusuchen, in der Hoffnung, dass es sich von allein wieder gibt. In einem Flächenland wie Brandenburg hat das natürlich eine höhere Bedeutung, da auch manch‘ beschwerlicher Fahrweg hinzukommt.

Auf welche Anzeichen eines Herzinfarkts sollten die Menschen achten?

Klassische Erkennungszeichen sind etwa Schmerzen oder ein Gefühl der Enge im Brustraum. Manche haben das Gefühl, nicht mehr durchatmen zu können. Die Schmerzen können aber auch in den Oberbauch, in den linken oder beide Arme, Unterkiefer, Schulterblätter und Schulter ausstrahlen. Bei Frauen machen sich eher Symptome wie starke Kurzatmigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder auch Beschwerden im Oberbauch bemerkbar. Bei solchen Anzeichen unbedingt die 112 anrufen!

Also sind nicht überwiegend Männer betroffen?

Frauen wiegen sich vor dem Herzinfarkt in Sicherheit. Herzinfarkte werden häufig als Männersache angesehen. In Wirklichkeit sind bei Frauen in Deutschland jedoch nicht Krebserkrankungen die führende Todesursache, sondern bereits seit dem Jahr 2002 Herzinfarkte und Schlaganfälle. Während bei Männern die Rate an Todesfällen aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen kontinuierlich abnimmt, sinkt sie bei Frauen weniger und steigt sogar zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr an, was nicht zuletzt daran liegt, dass immer mehr Frauen rauchen.

Wie kann man das Herz fit halten?

Durch einen gesunden Lebensstil! Mit dem Rauchen aufhören, regelmäßig also mindestens dreimal in der Woche eine Stunde bewegen und auf eine gesunde, cholesterinarme Ernährung achten. Und man muss es wirklich nicht übertreiben. Eine halbe Stunde spazieren am Tag ist in vielerlei Hinsicht empfehlenswert und durchaus ausreichend. Nicht weniger wichtig ist es, den persönlichen Stress zu reduzieren. Je nach Mentalität ist dies ein sehr wichtiger Faktor.

Im Rahmen der bundesweiten Aktionsreihe „Herzwochen 2017“ der Deutschen Herzstiftung finden auch im Land Brandenburg vom 1. bis zum 30. November zahlreiche Veranstaltungen unter dem Motto „Das schwache Herz“ statt.

Eine Übersicht aller Veranstaltungen im Rahmen der Herzwochen von Kliniken, niedergelassenen Kardiologen, Krankenkassen, Gesundheitsämtern und Betrieben aus der Mark sind im Netz auf www.herzstiftung.de/termineplz.php zu finden.

In Deutschland sind circa 2 bis 3 Millionen Menschen von einer Herzschwäche betroffen

In Brandenburg sind im Jahr 2014 genau 1298 Menschen an einer Herzschwäche gestorben.

Das zeigt der Deutsche Herzbericht 2016. Insgesamt starben im selben Jahr 4882 Brandenburger an einer Herzkrankheit. Der Anteil der Herzinfarkt-Toten war demnach der höchste (2330), gefolgt von der Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen (823) und Herzklappenkrankheiten (391).

Von Diana Bade

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