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Brandenburg Höxter-Fall zieht Kreise bis nach Berlin
Brandenburg Höxter-Fall zieht Kreise bis nach Berlin
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17:44 03.05.2016
Sichtschutz vor dem Haus in Höxter. Quelle: dpa
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Höxter, Bielefeld

Das verdächtigte Paar aus Höxter (Nordrhein-Westfalen) hat nach Angaben der Ermittler eine zweite Frau umgebracht und weitere Frauen misshandelt. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag in Bielefeld mit.

Frau aus “Großraum Berlin“ meldet sich bei der Polizei

Es gebe Hinweise auf weitere misshandelte Frauen, die die Bekanntschaft mit dem Paar, das geschieden ist, verletzt überlebt hätten. Namentlich bekannt sei eine Frau aus dem Großraum Berlin, die am Dienstag vernommen worden sei. Sie habe sich gemeldet, weil sie das als Horror-Haus bezeichnete Gehöft in den Medien wiedererkannt hatte.

Die misshandelte Frau sei zwar schwer verletzt gewesen, aber nicht so schlimm, dass es Außenstehenden sofort aufgefallen wäre, sagten die Ermittler. Sie sei von ihren Peinigern nach Braunschweig zum Bahnhof gebracht und dort in einen Zug nach Hause gesetzt worden.

33-Jährige aus Niedersachsen bereits 2014 getötet

Bei der zweiten getöteten Frau handelt es sich um eine 33-Jährige aus Niedersachsen, sie ist laut Ermittler bereits 2014 getötet worden. Die Frau war sogar mit dem mutmaßlichen Täter verheiratet. Ihre Leiche sei zunächst in der Tiefkühltruhe eingefroren worden. Dann habe das Paar die Leichenteile nach und nach verbrannt und die Asche in der Umgebung verstreut.

Details schockieren die Ermittler

„Wir können auch nicht völlig ausschließen, dass möglicherweise dort auch noch eine andere Frau gestorben ist“, sagte Mordkommissionsleiter Ralf Östermann. „Das waren Abgründe, die sich da auftaten.“ Den Opfern seien büschelweise Haare ausgerissen worden, oft seien sie ganze Nächte an Heizkörper oder in der Badewanne gefesselt gewesen. Die Aussagen hätten die Vernehmungsbeamten „ziemlich mitgenommen“.

Das Motiv soll eher „im Bereich der Machtausübung gelegen haben“ als im sexuellen Bereich. Es gebe „Anhaltspunkte für sadistische Züge“. Die Ermittler haben einen Psychiater hinzugezogen.

Paar ging planvoll vor

Das Paar sei recht planvoll vorgegangen. Vom Handy des 33-jährigen Opfers seien SMS an dessen Mutter geschickt und damit Lebenszeichen vorgetäuscht worden. Außerdem sei die Frau mit dem Hinweis „in die Niederlande/Amsterdam verzogen“ beim Einwohnermeldeamt abgemeldet worden. Ihre Mutter habe erst jetzt durch einen Anruf der Polizei vom Tod ihrer Tochter erfahren.

Frauen über Kontaktanzeigen angelockt

Die 47-jährige Verdächtige, die ursprünglich aus Herford komme, habe ein Geständnis abgelegt. Sie sei ihrem Mann hörig gewesen und von ihm ebenfalls misshandelt worden - das habe sie ausgesagt. Weitere Ermittlungsergebnisse stützten ihre Aussagen. Ihr 46-jähriger Mann, geboren in Bochum, bestreite dagegen eine Schuld. Das Paar soll Frauen mit bundesweit und in Tschechien geschalteten Kontaktanzeigen auf das Gehöft in Höxter-Bosseborn gelockt haben.

Wegen Misshandlung der Ex-Freundin in Haft

Der 46-jährige Hauptverdächtige ist einschlägig vorbestraft: Er sei bereits 1995 zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden, weil er seine damalige erste Ehefrau massiv misshandelt hatte. Er habe zuletzt von Hartz IV gelebt.

Ein Opfer stirbt im Krankenhaus an Folgen der Misshandlung

In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass das Paar eine 41-Jährige aus Bad Gandersheim in Niedersachsen wochenlang gefangengehalten und misshandelt haben soll. Die Frau habe in einem ungeheizten Raum auf dem Fußboden schlafen müssen. Als sich ihr Zustand bedrohlich verschlechterte, hatte das Paar versucht, sie an ihren ursprünglichen Wohnort zurückzubringen, hatte auf dem Weg aber eine Autopanne. Das Opfer kam in ein Krankenhaus, wo es den Verletzungen erlag. Die Ärzte entdeckten am Körper der Frau Spuren von Misshandlungen und schalteten die Polizei ein.

Horror-Haus wird akribisch durchsucht

Das Haus des beschuldigten Paars wird nun Zentimeter für Zentimeter nach etwaigen Spuren weiterer Opfer durchsucht. Am Montagabend wurde es mit einem Zaun zum Sichtschutz umgeben, am Dienstag wurden Spürhunde auf das Gelände gebracht. Die Spurensicherung könne sich noch zwei Wochen oder länger hinziehen, hieß es.

Polizei richtet Hotline ein

Die Polizei bittet Zeugen und mögliche weitere Opfer, sich zu melden. Dazu wurde eine Hotline eingerichtet: (0521) 545 1155.

Von dpa

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