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Hospize kämpfen mit Fachkräftemangel

Menschen in Brandenburg Hospize kämpfen mit Fachkräftemangel

Gibt es keine medizinische Hilfe mehr, begleiten Brandenburgs Hospizdienste Todkranke in ihrer letzten Lebensphase. Im Land gibt es derzeit neun stationäre Hospize. Ein weiteres ist fest geplant und auch ein stationäres Kinderhospiz soll es künftig geben. Doch die personelle Situation ist oft schwierig.

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Quelle: dpa

Potsdam. Die Hospize in Brandenburg kämpfen mit Fachkräftemangel. „Es wird immer schwieriger, sowohl ärztliche als auch pflegerische Fachkräfte zu finden, die geeignet sind“, berichtet Angela Schmidt-Gieraths von der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Hospiz in Kloster Lehnin (Potsdam-Mittelmark). Derzeit gibt es laut LAG im Land neun stationäre Hospize mit insgesamt 104 Plätzen. „Die Zahlen haben sich mit den Jahren erhöht.“ Ein weiteres Hospiz befinde sich in Luckenwalde in Planung.

„Noch gibt es ausreichend Hospizplätze“, sagt Vorstandsmitglied Schmidt-Gieraths. Allerdings sei die Versorgung in den einzelnen Regionen ganz unterschiedlich. So stehen Patienten im Hospiz am Drachenkopf in Eberswalde seit seiner Gründung vor zwölf Jahren lediglich neun Plätze zur Verfügung. „Die Nachfrage ist nach wie vor hoch“, sagt Pflegedienstleiter André Heenemann. Doch einen Anbau lasse das Gebäude nicht zu.

„Die stationären Hospize werden zu 95 Prozent über die Krankenkassen refinanziert“, erklärt Schmidt-Gieraths. Der Rest werde durch Spenden abgedeckt. Ähnliches gelte für die ambulanten Dienste.

Viele arbeiten ehrenamtlich im Hospiz

Zu den Fachkräften kommen nach Angaben der LAG landesweit noch rund 1100 ehrenamtliche Mitarbeiter, die vornehmlich für die 24 ambulanten Dienste tätig sind. „2015 haben wir 120 Menschen in ihrer letzten Lebenszeit begleitet“, erzählt die Expertin.

„Oft hatten die Leute familiäre Erfahrung mit der Hospizarbeit“, sagt Andrea Ladek vom ambulanten Hospizdienst des Deutschen Roten Kreuzes in Pritzwalk (Prignitz) mit Blick auf ehrenamtliche Helfer. Engagiert seien aber auch viele Rentner, die in ihrer Freizeit anderen Menschen helfen wollten.

Brandenburg bekommt stationäres Kinderhospiz

Manja Bieder vom ambulanten Kinderhospizdienst der Johanniter Unfallhilfe in Cottbus berichtet, dass es für Ehrenamtliche regelmäßig Supervisionen und Fortbildungen gibt. Ihren Angaben zufolge kann der Hospizdienst, obwohl die Krankenkassen einen Großteil der Kosten tragen, nicht kostendeckend arbeiten. „Wir sind händeringend auf Spenden angewiesen“, sagt sie. Glücklicherweise habe man mit den Johannitern einen großen Träger, der zusätzliche finanzielle Unterstützung bringe.

Den Bundesverband wolle der Hospizdienst Mitte des Monats zudem über ein geplantes Projekt informieren: Brandenburgs erstes stationäres Kinderhospiz. „Das ist schon lange unser großer Wunsch“, erklärt Bieder. Bislang gebe es ein solches Angebot in der Region nur in Berlin.

Problemfeld ambulante Sterbebegleitung

Menschen wollen zu Hause sterben

Zu Hause zu sterben ist nach Ansicht des Hospiz-Experten Benno Bolze, Geschäftsführer des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands, der Wunsch der meisten Patienten. Deshalb müsse vor allem die ambulante Versorgung wachsen, meint er.

1996 gab es nur rund 30 stationäre Hospize für Erwachsene in Deutschland, inzwischen sind es mehr als 230. Wo steht Deutschland heute bei der Versorgung Sterbenskranker?

Benno Bolze: Wir haben ein ganz gut ausgebautes Netz. In stationären Hospizen in Deutschland wurden im vergangenen Jahr rund 29 000 Menschen begleitet und versorgt. Wir brauchen aber vor allem einen Ausbau im ambulanten Bereich. Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Menschen immer älter werden, daher haben wir einen weiter steigenden Bedarf. Patienten sagen uns, dass der Wunsch dahin geht, bis zum Lebensende möglichst zuhause zu bleiben. Das Hospiz- und Palliativgesetz, das Ende 2015 in Kraft getreten ist, sieht vor allem eine Verbesserung für diese Menschen vor. Diese Versorgung zu organisieren, ist unsere Aufgabe.

Der Trend geht hin zur ambulanten Betreuung?

Benno Bolze: Ja. Aber auch in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen muss der Hospizgedanke Einzug halten. Zudem können Tageshospize ein Ort sein, wo Patienten zur Entlastung der Familien einzelne Stunden oder Tage verbringen können. Bisher gibt es aber nur sehr wenige solcher Häuser in Deutschland. Wie im Einzelnen der Ausbau insgesamt ausfallen muss, lässt sich in Zahlen nicht genau sagen. Gesicherte Angaben zur Gesamtzahl der Patienten in der ambulanten und stationären Versorgung hierzulande gibt es nicht. Wir brauchen mehr Versorgungsforschung zu diesem Thema.

Hospize sind auf Spenden angewiesen. Wie kommen sie mit der Finanzierung durch die Krankenkassen aus?

Benno Bolze: Wir erleben im Osten Deutschlands, dass dort die Tagesbedarfssätze sehr, sehr niedrig sind im stationären Hospiz. In Sachsen liegen sie bundesweit am niedrigsten mit etwas über 200 Euro. In den westlichen Bundesländern gibt es Hospize, die haben Bedarfssätze von weit über 300 bis hin zu 350 Euro mit den Krankenkassen verhandelt - für die gleiche Leistung in gleicher Qualität. Das kann nicht sein. Die Tagesbedarfssätze im Osten sind weitaus zu niedrig, um die benötigte Versorgung zu gewährleisten. Das neue Gesetz sieht Regelungen für auskömmlichere Sätze vor.

Von Christian Bark

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