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Brandenburg Hundehalterin will Leinenzwang kippen
Brandenburg Hundehalterin will Leinenzwang kippen
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14:00 02.02.2016
Auslauf mit neun Collies: Anke Müller und ihre Schwester Heike wollen, dass der Leinenzwang für Hunde im Wald abgeschafft wird. Quelle: Müller
Potsdam

Heike Müller ist sauer. Gerade hat die Collie-Züchterin aus Luckaitztal (Oberspreewald-Lausitz) wieder eine Anzeige vom Jagdpächter bekommen, weil sie ihre Hunde beim Waldlauf nicht angeleint hatte. Einmal sei eines der Tiere von einem Unbekannten sogar mutwillig angefahren worden, sagt Müller. „Das ist Schikane. Ich habe meine Hunde im Griff, selbst wenn Wildtiere in Sicht sind.“

Müller hat neun Collies und betreibt seit 2004 auch eine Hundeschule, wo sie den Vierbeinern ihrer Kunden beibringt, sich auch ohne Leine in Wald, Feld und Flur angemessen zu verhalten. Dabei sieht Brandenburgs Waldgesetz – bundesweit eines der schärfsten – diese Freiheit gar nicht vor. „Hunde dürfen nur angeleint mitgeführt werden“, heißt es im Paragraf 15. Dahinter steckt die Sorge, dass nicht angeleinte Hunde Wild aufstöbern und den Jägern und Förstern die Arbeit erschweren, Spaziergänger angreifen oder sich selbst in Gefahr bringen.

Ist der Leinenzwang für Hunde bei Waldspaziergängen sinnvoll

Wer seinen Hund in Brandenburg ausführt muss ihn meist an der Leine halten. Auch dann, wenn man mit ihnen im Wald spazieren geht. Eine Hundehalterin ist damit nicht einverstanden und hat eine Petition an den Landtag eingereicht.

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Für Müller ist der Leinenzwang ein Verstoß gegen das bundesweit geltende Tierschutzgesetz, das eine artgerechte Haltung fordert. „Hunde brauchen freien Auslauf. Alle wollen gut erzogene und gut sozialisierte Hunde. Das ist aber kaum zu erreichen, wenn wir die Tiere ständig mit einer Zwei-Meter-Leine an uns binden müssen“, grollt die Züchterin.

Sie hat mit ihrer Schwester Anke eine Petition zur Abschaffung der Leinenpflicht in den märkischen Wäldern an den Landtag eingereicht. Im Internet haben sich landesweit bislang mehr als 1600 Unterstützer gemeldet. Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, verweist Heike Müller auf andere Bundesländer, die die Leine deutlich lockerer lassen. Tatsächlich ist Deutschland in Sachen Leinenpflicht in Wald und Flur ein Flickenteppich.

Ende der Leinenpflicht – was sagen Sie?

Die Leinenpflicht in den Wäldern sollte aufgehoben werden, weil Hunde, wie Züchterin Heike Müller aus Luckaitztal sagt, auch mal „freien Auslauf“ brauchen? Schreiben Sie an Märkische Allgemeine, Kennwort: Leserpost, Postfach 601153, 14411 Potsdam – oder per E-Mail: leserbriefe@maz-online.de

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Die Rechtsvorschrift ist bislang eindeutig. Paragraf 15 des Brandenburger Waldgesetzes vom 20. April 2004 legt im Absatz acht zum Ärger der Hundebesitzer landesweit fest: „Hunde dürfen nur angeleint mitgeführt werden. Das gilt nicht für Jagdhunde im Rahmen der Ausübung der Jagd sowie für Polizeihunde“.

Fünf Länder haben wie Brandenburg eine eher restriktive Regelung, die anderen erlauben den freien Lauf oder schränken ihn nur in der Schonzeit des Wildes von Mitte März bis Mitte Juli ein. Als Ultima Ratio ist es Jagdschutzberechtigten fast überall erlaubt, auf wildernde Hunde zu schießen. Udo Kopernick, Sprecher des Bundesverbandes für das Hundewesen, hält den Leinenzwang in der freien Natur und den Wäldern für überholt. „Das ist Unfug. Heutzutage sind auch viele Jogger und Mountainbiker im Wald, das Wild hat sich auch an sie gewöhnt.“ Kopernick setzt auf Verständigung und plädiert für ein besseres Miteinander von Hundehaltern und Jägern. „Einschränkungen unterstützen wir auch. Es ist doch klar, dass jetzt, wenn die Paarungszeit beginnt, Hunde auch mal an die Leine gehören. Hundehalter meinen manchmal, der Wald ist allein für sie gemacht.“

Ministerium hat noch nichts von Zwischenfällen gehört

Brandenburg solle sich am Gesetz in Sachsen orientieren, fordert Collie-Züchterin Müller. Dort gilt im Wald: „Leinen los“. Von gravierenden Zwischenfällen mit frei laufenden Hunden ist dem sächsischen Agrar- und Umweltministerium nichts bekannt. „Wir halten die Leinenpflicht nicht für erforderlich“, so Sprecher Falk Hofer. Sein Kollege vom Brandenburger Ministerium, Hans-Joachim Wersin-Sielaff, pocht hingegen darauf, dass Hunde aus Sicherheitsgründen angeleint werden müssen, auch weil der Wildbestand zum Teil sehr hoch sei. „Wir werden das Waldgesetz nicht ändern.“ Entsprechend sind auch die Signale aus der rot-roten Koalition.

Das ist ganz im Sinne des Brandenburger Jagdverbandes. „Es kann für Hunde sehr gefährlich werden, wenn sie beispielsweise eine Bache mit ihren Frischlingen aufstöbern“, so Verbandssprecher Tino Erstling. Auch er unterstützt Dialog und Verständigung zwischen Jägern und Hundehaltern: „Beide sind Naturnutzer.“

In der Öffentlichkeit angeleint, manchmal sogar mit Maulkorb

Unabhängig von der Leinenpflicht in Wäldern, die im Waldgesetz verankert ist, gibt es auch eine allgemeine Hundehalterverordnung. Sie schreibt vor, dass Hunde in der Öffentlichkeit, etwa auf Straßen und Gehwegen sowie in Parks und Gebäuden angeleint sein müssen und gegebenenfalls einen Maulkorb zu tragen haben.

In Brandenburg gelten auf Grund rassespezifischer Merkmale oder Zucht als gefährliche Hunde: American Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Bullterrier, Staffordshire Bullterrier und Tosa Inu. Die Haltung dieser Hund ist in Brandenburg verboten.

Die Petition im Internet

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