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Brandenburg IHK macht aus Lehrern Praktikanten
Brandenburg IHK macht aus Lehrern Praktikanten
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17:10 26.02.2018
Lehrer Stephan Lobert (l.) lernt von Chef Rainer Scherwinski wie eine alte Buchdruckmaschine arbeitet. Quelle: Enrico Kugler
Oranienburg

Stephan Lobert ist seit acht Jahren Lehrer für Deutsch, Geschichte, Politische Bildung sowie für Wirtschaft, Arbeit und Technik am Mosaik-Gymnasium Oberhavel in Oranienburg. Unterrichten im Elfenbeinturm ist seine Sache nicht. „Bei uns geht es auch darum, dass man Kopf- und Handarbeit miteinander verbindet“, sagt er. Das beherzigt Lobert nun selbst.

Schon als Student arbeitete er in einer Berliner Verpackungsfabrik. Auch später informierte sich der Gymnasiallehrer immer wieder bei verschiedenen Unternehmen. Am Mosaik-Gymnasium hat er von Anfang an die Berufs- und Studienorientierung für Schüler mit aufgebaut. Er freut sich, dass die Schule inzwischen eine eigene Holzwerkstatt aufgebaut hat. Als im Mai 2017 eine Mitarbeiterin der IHK Potsdam in seiner Schule das neue Programm Schule und Wirtschaft vorstellte, musste er nicht lange überlegen. Die IHK will jetzt nämlich Lehrer durch Praktika in der Wirtschaft zu Experten der Berufswelt machen. Lobert sah sich im Juli 2017 in der gar nicht weit von der Schule entfernten Werbeagentur und Druckerei Scherwinski um. „Meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt“, sagt er rückblickend.

Gewerkschaft lobt IHK-Programm

Das Projekt Schule/Wirtschaft der IHK ist noch viel weiter gefasst als nur die Organisation von Lehrerpraktika an Betrieben. Die IHK will die Berufsvorbereitung der Schülerinnen und Schüler auch verbessern, indem sie mit diesen direkt oder mit ihren Eltern zusammenarbeitet. So vermittelt die IHK auch Praktika für Schüler und ist mit Aktionstagen über Berufsmöglichkeiten an den Schulen vertreten. Mit den Eltern spricht die IHK auf Elternabenden oder Schulveranstaltungen zu Themen der Berufswahl.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßt das Programm der IHK durchaus. Der Landesvorsitzende der GEW Brandenburg, Günther Fuchs, sagt: „Das ist ein wichtiges Angebot für eine zusätzliche Qualifikation.“ Die Bildungspolitik fordere von den Lehrkräften schon lange, für Schüler die Verbindung zur beruflichen Praxis zu schaffen. Deshalb sei das IHK-Programm sehr sinnvoll. Besonders wichtig sei aber, dass die Einblicke in die Wirtschaft repräsentativ blieben. Fuchs empfiehlt Kollegen, von dem Programm Gebrauch zu machen.

Rund 1200 allein der in der GEW organisierten Lehrer besuchen pro Jahr in Brandenburg Weiterbildungen. Die Zahl ist vermutlich noch größer. Märkische Lehrkräfte gelten allgemein als sehr weiterbildungsfreudig. Das Fortbildungsangebot ist sehr groß und am modernen pädagogischen Alltag orientiert. So gibt es Seminare zum Lernen mit Tablets und Smartphones ebenso wie Kurse, die Lehrer helfen können, die Gefährdung ihrer Schüler durch häusliche Gewalt oder Missbrauch erkennen zu können.

Das Praktikum, so Lobert, war auch ein Crashkurs in die Geschichte des Drucks. Die alte Setzerkunst lernte er ebenso kennen wie den Umgang mit modernsten Heidelberger Druckmaschinen. Er sah aber auch die Ansprüche der Agentur. „Für mich war in den drei Tagen die größte Faszination die Präzision der Arbeit“, sagt er. Wolle man zum Beispiel mit Spezialgeräten T-Shirts bedrucken, müsse man sehr sauber und konzentriert vorarbeiten, sonst werde das Ergebnis nicht gut. Die Geräte der Druckerei sind zwar leistungsfähig, dennoch spielt handwerkliches Können noch eine große Rolle. Loberts Erkenntnis: „Auch wenn es heute eine enorme Spezialisierung gibt und viele Arbeiten von Technik übernommen werden, muss man doch verstehen, wie das geht.“ Auch in der Agentur und Druckerei Scherwinski werde trotz Technologie die alte Handwerkskunst gepflegt. Diese Bedeutung grundlegenden Lernens versucht Lobert jetzt auch den Schülern am Gymnasium zu vermitteln.

Sieben weitere Interessenten für ein Betriebspraktikum

Sieben Lehrer im Einzugsbereich der IHK Potsdam haben bislang ähnliche Praktika absolviert. „Wir haben jetzt wieder sieben Interessenten“, sagt die Koordinatorin des Projekts Schule/Wirtschaft, Ulrike Waschau. Es könnten ruhig mehr sein, findet sie. „Uns geht es darum, dass die Lehrer wichtige Anwendungsbeispiele in ihren Unterricht einbauen können. Sie können authentisch von der Branche und dem Berufsfeld berichten.“ Welche Vorstellungen zum Beispiel die Unternehmer von einer guten Bewerbungsmappe hätten, erfahre man eigentlich nur aus erster Hand. Die Firmen Brandenburgs selbst seien offen für solche Lehrerpraktika.

Petra Scherwinski, Geschäftsführerin der Oranienburger Werbeagentur und Druckerei, ist jedenfalls offen. Lehrerkurse könnten auch helfen, geeignete Praktikanten unter den Schülern zu finden. „Wir haben oft junge Menschen, die gar nicht wissen, worum es bei uns eigentlich geht.“ Das werde anders, wenn ihr Lehrer den Betrieb kenne. Aus Scherwinskis Sicht haben sich bislang noch viel zu wenige Schulen beteiligt. „Ich denke, bei dem Fachkräftemangel dürften es noch ein paar mehr sein“, so die Chefin.

Der Betrieb hat jetzt feste Kontakte mit der Schule

Neue Kenntnisse Loberts sind nicht die einzige Frucht seines Praktikums. Die Druckerei und Werbeagentur ist eine Kooperation mit der Schule eingegangen. Im Mai dieses Jahres sollen sich Schüler der 9. Klasse des Gymnasiums ganztägig dort aufhalten, um ein eigenes Projekt umzusetzen. „Es wird um praktische Aufgaben und Erklärungen wie Drucken, Layouten, Binden gehen“, so Lobert. Außerdem will Lobert Ende Mai, Anfang Juni mit Schülern bei Scherwinski sein Praktikum fortführen und mit ihnen zusammen eigene T-Shirts drucken. Nicht zuletzt plant der Lehrer für Wirtschaft, Arbeit und Politische Bildung des Mosaik-Gymnasiums, Maik Gaster, ebenfalls ein Praktikum bei einem Betrieb zu machen.

Die Schulleitung wertet das Praktikum als Erfolg

Der Schulleiter des Gymnasiums, Jochen Peuckert, sieht diese neue Form der Begegnung zwischen Schule und Wirtschaft bisher als Erfolg. „Herr Lobert kam ganz inspiriert von seinem Praktikum zurück“, sagt er. Betriebspraktika seien eine wichtige Möglichkeit für Schüler, sich zu orientieren und zu entdecken, was ihnen liege. Deshalb wolle er diese Verbindung zwischen seiner Schule und den Unternehmen fördern.

Sowohl Peuckert als auch Lobert sehen die harten Bedingungen, denen Absolventen heute auf dem Arbeitsmarkt ausgesetzt sind. Doch Peuckert glaubt nach wie vor, dass man die Schüler auch angesichts großen Konkurrenzdrucks motivieren kann: „Das Wichtigste ist immer noch eine solide Grundausbildung“, sagt der Schulleiter. „Die öffnet Tür und Tor.“

Ähnlich äußert sich Lobert. Die Arbeit in Betrieben lehre: Anders als es die digitale Welt mit ihrer Wunscherfüllung auf Mausklick vorgaukele, müsse man Zeit und Mühe investieren, wenn man wirklich Wertvolles produzieren wolle.

Von Rüdiger Braun

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