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Brandenburg IHK will Schadensersatz von Victor Stimming
Brandenburg IHK will Schadensersatz von Victor Stimming
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19:43 26.03.2014
Victor Stimming muss mit einer Schadensersatzklage rechnen. Quelle: Michael Hübner
Potsdam

Das System der Bereicherung, das der zurückgetretene Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam in seiner 18-jährigen Dienstzeit aufgebaut hat, ist umfassender als bislang bekannt. Das ist das Ergebnis des internen Wirtschaftsprüfungsberichts, der am Mittwoch den Mitgliedern der IHK-Vollversammlung in einer nicht öffentlichen Sitzung mitgeteilt wurde. Stimming gönnte sich demnach stets neue Dienstwagen der Luxusklasse, die er auch privat ausgiebig nutzte. Dem Bericht zufolge gibt es Hinweise, dass er die dafür fällige Steuerschuld ebenfalls über die Konten der Kammer begleichen ließ. Ähnlich verfuhr der 63-jährige Bauunternehmer mit Reparaturkosten und Strafzetteln.

Die Prüfer bestätigten auch, dass Stimming eine IHK-Sekretärin für seine Privatfirma arbeiten ließ. „Durch Gespräche mit Mitarbeitern wurde festgestellt, dass sie nicht ausschließlich für die IHK gearbeitet hat“, sagte der IHK-Justiziar Christian Gerstädt am Abend im Anschluss an die Sitzung.

Für seine ehrenamtliche Tätigkeit in diversen Gremien ließ sich Stimming ebenfalls entlohnen. So erhielt er eine „Aufwandsentschädigung“ in Höhe von 30.000 Euro pro Jahr dafür, dass er im Verwaltungsrat der Bürgschaftsbank und im Förderausschuss der Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) saß. Dabei hatte er sich, auf eigene Anregung, anteilig an den Gehältern der jeweiligen Geschäftsführer orientiert. Es müsse jetzt geprüft werden, ob dies überhaupt zulässig war, sagte der Jurist Gerstädt. Die Entlohnung sei „zumindest innovativ“, sagte er.

Die Staatsanwaltschaft Potsdam, die gegen den im November zurückgetretenen Stimming wegen des Verdachts der Untreue ermittelt, interessiert sich vor allem für die Auftragsvergabe der Kammer, von der mehrfach Stimmings eigene Firma wie auch die seines Sohnes Kai profitiert haben. So erhielt Stimmings Firma 70.000 Euro für die Projektsteuerung zur Sanierung der Potsdamer Villa Carlshagen. Welche Leistungen dafür erbracht wurden, ist bislang ungeklärt. Bei ihren Ermittlungen stießen die Wirtschaftsprüfer auf verschlossene Umschläge, die in einem Tresor lagerten. Darin fanden sich Verträge zur Projektsteuerung. Pikant: Offenbar gab es die Vertragsunterlagen in unterschiedlichen Ausführungen.

Die Ermittlungsergebnisse ließen den Mitgliedern „die Kinnlade herunterfallen“, wie ein Teilnehmer der Vollversammlung berichtete. „Es herrschte eine gewisse Fassungslosigkeit“, sagte Beate Fernengel, die als Vizepräsidentin derzeit kommissarisch die Geschäfte Stimmings führt. „Die Mitglieder fühlen sich hintergangen.“ Sie beschlossen mit großer Mehrheit, gegen Stimming zivilrechtliche Schritte für Schadensersatzansprüche einzuleiten, sobald die juristische Bewertung der Affäre abgeschlossen ist. Der Schaden beläuft sich Schätzungen zufolge auf 500.000 bis 600.000 Euro.

Von Torsten Gellner

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