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IS-Terrorist im beschaulichen Bliesdorf

Terroranschlag in Düsseldorf geplant IS-Terrorist im beschaulichen Bliesdorf

Dramatische Szenen vor dem Asylbewerberheim in Bliesdorf (Märkisch-Oderland): Vermummte Polizisten stürmen am Donnerstag das Heim und suchen konkret nach Hamza C. Der unscheinbare junge Mann aus Syrien soll Kopf einer IS-Zelle sein, die einen Terroranschlag in Düsseldorf geplant hat. MAZ-Redakteur Ulrich Wangemann war vor Ort.

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Ein Islamist wurde in Bliesdorf verhaftet.

Quelle: dpa

Potsdam, Bliesdorf. Ermittler haben nach eigenen Angaben einen geplanten Anschlag des Islamischen Staates (IS) in Deutschland vereitelt und dabei auch in Brandenburg einen Verdächtigen festgenommen. Es handelt sich um den 27-jährigen Syrer Hamza C., der möglicherweise der Anführer eines Trios ist. C. wurde am Donnerstag in einer Flüchtlingsunterkunft in Bliesdorf (Märkisch-Oderland) gefasst. Zeitgleich ergriff die Polizei zwei weitere Syrer im Alter von 25 und 31 Jahren in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Die drei sollen einen Terroranschlag in Düsseldorf geplant haben.

Seit Spätsommer 2015 in Deutschland

Hamza C., der am heutigen Freitag 28 Jahre alt wird, sei über die Türkei, Griechenland und die Erstaufnahmestelle Eisenhüttenstadt im Spätsommer 2015 in die Region gelangt, teilten am Donnerstag die Bundesanwaltschaft und der Landkreis Märkisch-Oderland mit. Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) sagte dem RBB, der Vorfall zeige, dass die abstrakte Gefährdung in Deutschland nach wie vor hoch sei. Er zeige aber auch, dass die Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden in Europa ihre Früchte trage. „Dass es hier zu Festnahmen gekommen ist, ist das Ergebnis einer langen und gemeinsamen Observation.“

 Asylunterkunft in Bliesdorf bei Wriezen (Märkisch-Oderland)

Asylunterkunft in Bliesdorf bei Wriezen (Märkisch-Oderland).

Quelle: Ulrich Wangemann

Hinweise, „dass die Beschuldigten bereits mit der Umsetzung ihres Anschlagsplanes konkret begonnen hatten“, liegen laut Bundesanwaltschaft nicht vor. Einen Zusammenhang mit der Fußball-Europameisterschaft, die am 10. Juni in Frankreich beginnt, gebe es nicht.

Anschlag in Düsseldorf geplant

Nach bisherigen Ermittlungen schlossen sich Hamza C. und der 25-jährige Saleh A. im Frühjahr 2014 in Syrien dem IS an. Dort hätten sie den Auftrag erhalten, in der Düsseldorfer Innenstadt einen Anschlag zu verüben. Zwei Selbstmordattentäter sollten auf der Heinrich-Heine-Allee – einem zentralen und äußerst belebten Kreuzungspunkt – jeweils eine Sprengweste zünden. Anschließend sollten weitere Attentäter möglichst viele Passanten mit Gewehren und weiteren Sprengsätzen töten.

 Am Donnerstag vor der Asylunterkunft in Bliesdorf bei Wriezen (Märkisch-Oderland)

Am Donnerstag vor der Asylunterkunft in Bliesdorf bei Wriezen (Märkisch-Oderland).

Quelle: Ulrich Wangemann

Im Februar hätten die Terrorpläne dann ein Ende gefunden, weil sich der 25-jährige Saleh A. in Paris gegenüber den französischen Strafverfolgungsbehörden offenbarte, so die Ermittler. Seitdem sitzt Saleh A. in Frankreich in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft bemüht sich um seine Auslieferung.

Dramatische Szenen in Bliesdorf

In Bliesdorf spielten sich am Donnerstag dramatische Szenen ab. Das SEK kam am Vormittag – 20 bis 30 Fahrzeuge hielten vor dem Asylbewerberheim. Vermummte Beamte sprangen heraus, stürmten zu dem Zimmer im ersten Stock des ehemaligen Ausbildungszentrums. Hamza C. wurde abgeführt. Mit ihm nahmen die Beamten zunächst zwei weitere Männer mit in ein Verhörfahrzeug – einen ließen sie nach Auskunft von Augenzeugen aus dem Heim bald wieder laufen, den anderen brachten sie zum Verhör. Erst nach sechs Stunden wurde er von einem Zivilfahrzeug mit Berliner Kennzeichen vor der Unterkunft im Gewerbegebiet abgesetzt. Bewacht wurde er nicht mehr, ein Beamter gab ihm seinen Ausweis zurück. Wortlos ging der Mann an den Sicherheitsleuten und Journalisten vorbei ins Gebäude.

Heimbewohner – unter ihnen viele Afghanen – haben den Einsatz beobachtet. Einer berichtete der MAZ, die Polizisten hätten in einem rund 100 Meter entfernten Waldstück zwei Plastiktüten durchsucht. Kaum jemand scheint den 27-Jährigen zu kennen. „Er war nie da“, sagt ein Afghane. Das bestätigt sinngemäß die Kreisverwaltung von Märkisch-Oderland. Ihr zufolge kam der Syrer am 31. Juli 2015 nach Eisenhüttenstadt und wurde am 11. September nach Bliesdorf überstellt. Dort allerdings ließ er sich seither längere Zeit nicht blicken. Laut Kreisverwaltung holte er drei Monate lang sein Geld nicht ab.

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Von Ulrich Wangemann und MAZonline

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