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„Ich bin Landwirt und kein Drogen-Bauer“

Prozess um Rauschgift-Fund: Breaking Bad Belzig „Ich bin Landwirt und kein Drogen-Bauer“

Im Prozess um einen millionenschweren Rauschgift-Fund in Bad Belzig hat der Angeklagte ein Teilgeständnis abgelegt. Für viele offene Fragen hat der 60-Jährige allerdings keine gute Erklärung und gibt sich weitgehend ahnungslos.

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Marinus V. in seinem Kuhstall auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2010.

Quelle: Dirk Fröhlich

Potsdam. Marinus V. redet, aber auf die wichtigen Fragen hat er keine Antworten. Im Februar fand der Zoll bei ihm kiloweise Drogen, harten Stoff wie Kokain und Ecstasy im Millionenwert. Doch mit der brisanten Ware, die im Keller seines Milchviehbetriebs in Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) lagerte, will der 60 Jahre alte Landwirt nichts zu tun haben. „Ich bin kein Krimineller“, lässt der gebürtige Niederländer vor Gericht durch seine Verteidigerin erklären. „Ich bin Landwirt. Ich bin auch kein Drogen-Bauer.

Missverhältnis von Risiko und Ertrag beim Drogengeschäft

Am zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht Potsdam hat Marinus V. am Montag nicht nur beim Vorsitzenden Richter viele Fragezeichen hinterlassen. Einmal schüttelt Jörg Tiemann ungläubig den Kopf, als es um die fragwürdigen Geschäftsgebaren des Milchbauers aus dem Belziger Ortsteil Werbig geht. Es ist das augenscheinliche Missverhältnis aus Risiko und Ertrag, auf das sich Marinus V. eingelassen haben will: Als mutmaßlicher Kurier und Lagerist im Dienste eines Drogendealers ließ er sich angeblich mit Kleinstbeträgen abspeisen. Nach eigenen Angaben zahlte ihm ein Komplize 300 Euro im Jahr für die Einlagerung von Drogen im Keller. 1000 bis 2000 Euro erhielt der Bauer pro Drogentransport aus der niederländischen Heimat ins märkische Depot.

Auf diesem Hof betrieb der „Drogen-Bauer“ seine Landwirtschaft

Auf diesem Hof betrieb der „Drogen-Bauer“ seine Landwirtschaft.

Quelle: Thomas Wachs

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Gut eine Hand voll Lieferungen soll es gegeben haben, verpackt in Plastiktüten und verstaut in großen Reisetaschen. Marinus V. will sich um Inhalt und Verbleib nicht weiter gekümmert haben. Es habe sich stets nur um Gras gehandelt, so hat man ihm es gesagt. Marihuana also, dessen markanter Geruch den Zollbeamten schon aus einiger Entfernung entgegenschlug, als sie den Werbiger Hof einer Durchsuchung unterzogen. Sie hatten illegale Zigaretten und missbräuchlich als Treibstoff eingesetztes Heizöl gesucht – und darüber hinaus einen Drogenbunker gefunden.

Drogentransport im Auto eines Diplomaten?

Wie das übrige Rauschgift – neben den Pflanzenblüten stießen die Ermittler auf Amphetamin, Kokain, Haschisch und Ecstasy – in den mit einem Vorhängeschloss versehenen Verschlag gekommen sein soll, kann Marinus V. nicht so recht erklären. Sein Komplize jedenfalls soll über einen Schlüssel verfügt haben und die Drogen dort auf eigene Faust in einer verschlossenen Kiste eingelagert und bei Bedarf geholt haben. Stolz soll der Mann, den Marinus V. nur als Ivan kannte, davon berichtet haben, wie das illegale Gut dorthin gefunden habe: aus Spanien, transportiert im Auto eines Diplomaten. Der Angeklagte selbst will zuvor eben jenen Kurierauftrag ausgeschlagen haben.

Diese Mengen an Drogen unterschiedlichster Art hat Marinus V

Diese Mengen an Drogen unterschiedlichster Art hat Marinus V. bei sich auf dem Hof gelagert.

Quelle: Polizei

Für den Transport der Marihuana-Reisetaschen – mal eine, mal zwei auf einmal – aber schien er sich nicht zu schade. Obwohl der Niederländer an der Grenze schon einmal kontrolliert wurde, nahm Marinus V. das Risiko auf sich. Mit Recht und Gesetz scheint er es nicht so genau zu nehmen: Seine Mitarbeiter entlohnte er schon mal mit unverzollten Zigaretten, was ihm letztlich zum Verhängnis wurde.

„Ich schäme mich“

„Ich schäme mich und bedauere, was ich getan habe“, heißt es in V.s Erklärung. Auf skeptische Nachfragen der Richter, etwa zum Inhalt der Reisetaschen, wiederholt sich der Angeklagte: „Das hat mich nicht interessiert. Ich habe keine Ahnung davon.“ Marinus V. hat die Staatsanwaltschaft auf die Spur seines Komplizen geführt und erhofft sich davon eine mildere Strafe.

Der Prozess wird am 19. September fortgesetzt. Marinus V. droht womöglich eine lange Haftstrafe. Er sitzt auch während des Prozesses in U-Haft.

Kiloweise Stoff im Keller

1,03 Millionen Euro sollen die Drogen Wert sein, die der Zoll im Februar 2016 zufällig in einem Kelleraum auf dem Hof in Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) fand – mehr als 100 Kilogramm, darunter 84 Kilo Marihuana, 9,5 Kilo Amphetamine und jeweils gut sechs Kilo Kokain und Ecstasy.


37.000 unverzollte Zigaretten konnte der Zoll außerdem beschlagnahmen. Ein früherer Angestellte hatte den Fahndern einen Tipp gegeben. Auch der Verdacht des illegalen Betankens von Fahrzeugen mit Heizöl bestätigte sich.

Von Bastian Pauly

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