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„Ich hatte nicht vor, mein Kind zu töten“

18-Jährige erstickt Baby nach heimlicher Geburt „Ich hatte nicht vor, mein Kind zu töten“

Mit 17 Jahren wird eine Abiturientin schwanger. Sie verheimlicht ihren Zustand und verdrängt ihn. Bis es in der Wohnung ihrer Eltern erst zur heimlichen Geburt und dann zur Tragödie kommt. Seit Mittwoch ist der Fall vor Gericht, er wird in Berlin verhandelt. Die nun 18-Jährige hat sich gleich zu Beginn umfassend geäußert.

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Die wegen Totschlags angeklagte Esther S. hält sich in Berlin in einem Verhandlungssaal des Landgerichtes ein Stück Pappe vor das Gesicht.

Quelle: Paul Zinken/dpa

Berlin. Eine 18-Jährige hat im Prozess um den Tod ihres Babys zugegeben, unmittelbar nach der Geburt ein Handtuch über das Mädchen gelegt zu haben. „Ich hatte nicht vor, mein Kind zu töten, ich habe nichts Böses gewollt“, erklärte die damalige Gymnasiastin zu Prozessbeginn am Mittwoch in Berlin. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Totschlag vor. Laut Anklage soll die 18-Jährige im vergangenen Jahr in der Wohnung ihrer Eltern im Berliner Stadtteil Friedenau unbemerkt ein Mädchen zur Welt gebracht und es „bewusst erstickt“ haben.

Unter Tränen sagte die Angeklagte, im Nachhinein könne sie ihre damaligen Gedankengänge „absolut nicht mehr verstehen“. Nachdem sie als Schülerin der 11. Klasse ungewollt schwanger geworden war, habe sie „alles verdrängt, weil es mir unangenehm und peinlich war“.

Die Gymnasiastin brachte im Dezember 2015 ein Mädchen zur Welt

Als ein Schwangerschaftstest, den ihre Mutter ihr im Sommer 2015 gegeben habe, negativ ausgefallen sei, habe sie sich daran festgehalten. Sie habe weiterhin „gelebt, als wäre alles ganz normal“.

Die Gymnasiastin aus einem Akademikerhaushalt brachte in der Nacht zum 11. Dezember 2015 ein Mädchen zur Welt – „gesund und lebensfähig“, heißt es in der Anklage. Sie habe den Säugling innerhalb eines Zeitraums von wenigen Minuten bis zu einer halben Stunde erstickt, verlas die Staatsanwältin.

Die Wehen hätten nach der letzten Unterrichtsstunde eingesetzt, sagte die Angeklagte. Damals habe sie sich gesagt, es seien wieder einmal Bauchschmerzen. „Ich wusste nicht richtig, dass ich kurz davor war, ein Kind zu gebären.“ An Schmerzen bei der Geburt in ihrem Zimmer könne sie sich nicht erinnern.

Warum sie das Baby in eine Plastiktüte steckte, könne sie nicht erklären

Sie habe schließlich die Enden des Handtuchs, auf dem das Baby lag, zusammengeschlagen. Das Mädchen habe nicht geschrien und sich nicht stark bewegt. „Ich hatte nicht realisiert, dass mein Kind darunter lag.“ Später habe sie das Handtuch mit dem Kind in eine Plastiktüte gesteckt. Warum sie das tat, könne sie nicht sagen.

Die Abiturientin gab zu, ihre Eltern und Freunde monatelang getäuscht zu haben. Wenn sie auf ihren veränderten Bauch angesprochen wurde, habe sie eine angebliche Lebensmittel-Unverträglichkeit vorgeschoben. Sie habe weite Pullover getragen und viel Sport getrieben. Es sei ihr unangenehm gewesen, zur Frauenärztin zu gehen. Sie habe sich auch geschämt. Den Vater des Kindes habe sie in dem Glauben gelassen, sie würde die Antibabypille nehmen, sagte die Angeklagte. Die Beziehung sei nach einigen Monaten in die Brüche gegangen.

Die Schülerin kam nach fünfwöchiger Haft frei und holte ihr Abi nach

Weil es der 18-Jährigen sehr schlecht ging nach der Geburt, hatte ihre Mutter den Notarzt alarmiert. Im Krankenhaus wurde festgestellt, dass die Schülerin gerade entbunden hatte. Die daraufhin alarmierten Rettungskräfte entdeckten wenig später in der Wohnung der Familie den toten Säugling. Gegen die Angeklagte wurde Haftbefehl erlassen. Nach fünfwöchiger Haft kam sie gegen Auflagen frei und konnte das Abitur ablegen.

Der Prozess wird am 29. August fortgesetzt.

Von MAZonline

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