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Illegale Deponie unter Erdschichten

Müllskandal Illegale Deponie unter Erdschichten

Wie Lasagne ist der illegale Müll geschichtet: Zwischen sauber planierter Erde fanden Ermittler ganze Berge von Sonderabfällen. Jetzt ist der Prozess gegen die Müllpanscher eröffnet..

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Müllkippe in Bernau anno 2005

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Frankfurt (Oder). Die Fotos sprechen für sich: Meterhohe Berge aus Müll und Erde türmen sich auf dem Gelände der früheren Gesellschaft zur Abfallverwertung und Bodensanierung mbH (GEAB) in Bernau (Barnim). Bagger haben Löcher gefressen. Deutlich zu sehen sind Schichten von Erde, die sich mit Schichten aus zerschredderten Kunststoffabfällen abwechseln. 250 000 Kubikmeter.

„Da war alles dabei von Dämmstoffen, über Disketten, Schläuche, Kabel, Leiterplatten und Folien“, erinnert sich ein Techniker des Landeskriminalamtes (LKA) vor dem Frankfurter Landgericht. Alles sei sorgfältig planiert worden, bevor die nächste Schicht aufgebracht wurde. Die versteckten Abfallberge waren 2009 bei Routinekontrollen entdeckt worden.

Mindestens seit 2006 wurde der Sondermüll vergraben

Gestern begann ein Verfahren wegen der illegalen Lagerung von verunreinigten Abfällen im besonders schweren Fall gegen die damalige Geschäftsführerin der im Jahr 2010 nach Insolvenz aufgelösten Firma GEAB und ihre „rechte Hand“, den Bereichsleiter für Schüttgut und Kompostierung. Mindestens seit 2006 sollen die riesigen Haufen auf Veranlassung der Angeklagten angelegt worden sein, laut Anklage aus purer Gewinnsucht. Das Geld für die Verwertung der Abfälle hatten die Angeklagten demnach eingestrichen, ohne den Sondermüll fachgerecht zu entsorgen. Darunter waren Baumaterialien, Verpackungen aus dem medizinischen Bereich, Möbelpolster, Metall- und Elektroschrott. Die daraus freigesetzten Schwermetalle und giftigen Dämpfe hätten zu einer erheblichen Gefahr für das Grundwasser und einer dauerhaften Kontamination des Bodens geführt, belegen Gutachten.

Früherer Deponierbrand sorgte für Schabenplage

Bereits im Jahr 2005 war die Bernauer Firma GEAB durch einen verheerenden Großbrand auf ihrer Deponie in die Schlagzeilen geraten. 50 000 Tonnen Müll und Recyclingabfälle verbrannten. Im Umfeld wurden Bernauer Anwohner, geplagt ohnehin schon durch eine starke Dauer-Geruchsbelästigung, von einer noch nie dagewesenen Schaben-Plage heimgesucht. Ermittler stellten „schwerwiegende Umweltstraftaten“ fest.

Die aktuellen Vorwürfe weist der wegen Beihilfe angeklagte Bereichsleiter vor Gericht zurück. Er sei dafür gar nicht zuständig gewesen. Seine frühere Chefin behauptet, bei den entdeckten Schredderbergen handele es sich ursprünglich um den alten Brandhaufen, den man versucht habe, mit Erde abzudecken, um das Feuer zu ersticken. Doch verkohlten Müll hatten die LKA-Ermittler nicht entdeckt. Die GEAB habe nach Brand und Schabenplage weiter Abfälle angenommen, im Glauben, die Genehmigung dafür später zu bekommen, räumte die Angeklagte ein. „Wir mussten weitermachen, es ging um 100 Arbeitsplätze.“

Auf 24 bis 32 Millionen Euro werden laut Gutachten die Kosten allein für die Entsorgung der kontaminierten Schredderberge geschätzt – eine Summe, mit der die Stadt Bernau heillos überfordert wäre. Das Land will das Areal vorerst nicht beräumen, bei einer Verurteilung aber die Verursacher des Skandals haftbar machen.

Von Jeanette Bederke

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