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YouTuber darkviktory mit illegalem Einrad ertappt

Fahrern drohen harte Strafen YouTuber darkviktory mit illegalem Einrad ertappt

Elektrische Einräder sind der Trend des Sommers, doch unbedarften Fahrern drohen empfindliche Strafen. Das hat jetzt ein Internet-Star aus Potsdam zu spüren bekommen: der mit dem Grimme Online Award ausgezeichnete YouTuber Marik Roeder alias „darkviktory“.

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Elektrische Einräder sind für den öffentlichen Straßenverkehr in Deutschland noch nicht zugelassen.

Quelle: KFR Group

Potsdam. Im Internet ist Marik Roeder ein gefeierter Star, aber durch den Straßenverkehr bewegt er sich auch nur als einer unter vielen. Der 26-Jährige hatte gerade seinen Grimme Online Award eingesammelt, als er im Juli in Potsdam von der Polizei gestoppt wurde. Roeder war in der Fußgängerzone auf einem Monowheel unterwegs – einer Art Kreuzung aus herkömmlichem Einrad und Segway. Das mit einem Elektromotor betriebene Fortbewegungsmittel beschleunigt auf bis zu 20 Stundenkilometer, aber ohne dass dafür größere körperliche Anstrengungen vonnöten wären, gesteuert allein mit dem Gleichgewichtssinn. Die Beamten konnten die Faszination des jungen Mannes für die neue Technik jedoch nicht teilen: Solche Fahrzeuge sind für den deutschen Straßenverkehr nicht zugelassen. Das Corpus delicti wurde deshalb eingezogen, gegen den Beschuldigten läuft ein Strafverfahren.

YouTube-Star darkvictory versteht die Aufregung nicht

Im Internet hat der Fall Hunderte Nutzer aufgescheucht, nachdem Roeder den Fall am Dienstagabend öffentlich gemacht hat. Der Potsdamer, der auf YouTube mit selbst animierten Videos gut 600.000 Abonnenten begeistert und es auf mehr als 70 Millionen Videoaufrufe gebracht hat, ist geständig, aber uneinsichtig. Er sei in einer „komplett menschenleeren Gasse angehalten“ worden, das Monowheel sicherer als jedes Fahr- oder Einrad, schrieb er auf Twitter.

Marik Roeder hat auf Twitter eine Diskussion über die Monowheels angestoßen

Marik Roeder hat auf Twitter eine Diskussion über die Monowheels angestoßen.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Aber das Straßenverkehrsrecht lässt da keinen Raum für Verhandlungen. Einräder gelten als Fahrzeug, Voraussetzung für das Führen sind ein Pkw-Führerschein, eine Zulassung und eine Versicherung, die derzeit allerdings gar nicht erhältlich ist, wie Jost Kärger erklärt, der für den Automobilklub ADAC als Jurist tätig ist. Die haftungsrechtlichen Risiken der – zumeist minderjährigen Fahrer – seien also beträchtlich. „Wer einen Unfall verschuldet, ist fürs Leben ruiniert“, mahnt Kärger.

Zukunftsmarkt mit Wachstumsschmerzen

Monowheels, Solowheels, Airwheels: Für elektrisch angetriebene Einräder gibt es viele Bezeichnungen. Sie eint ihre Bauart: Um ein Einzelrad sind seitlich Trittflächen montiert. Das Fahrzeug lässt sich durch Gewichtsverlagerung steuern, vergleichbar dem Segway.

1000 Euro kostet ein Fahrzeug wie das Modell One von Ninebot. Der Hersteller wirbt mit einer Spitzengeschwindigkeit bis 20 Stundenkilometern und einer Reichweite von 15 Kilometern bei einem Gewicht von 14 Kilogramm. Für den Straßenverkehr in Deutschland ist das Modell nicht zugelassen – im Gegensatz zu Segways, die seit 2009 zugelassen sind und vom Gesetz wie ein Mofa behandelt werden.

Auf dem Zukunftsmarkt elektrischer Kleinstmobile gibt es derzeit viel Bewegung. In jüngster Vergangenheit sorgte die Branche für Negativschlagzeilen, weil Produkte von Billiganbietern – etwa sogenannte Hoverboards, vergleichbar mit einem Segway ohne Stange – beim Aufladen des Akkus in Brand gerieten. Auch diese Fahrzeuge sind in Deutschland nicht zugelassen.

Die Auseinandersetzung erinnert an die langwierige Legalisierung von Segways, die mittlerweile auch in der Provinz Einzug gehalten haben. Marik Roeder geht das Problem pragmatisch an: „Wenn die Polizei ein elektrisches Spielzeug mit dem Fahren eines Autos ohne Führerschein, Versicherung und Zulassung gleichsetzt, ist das Gesetz hier in die Heutzeit anzupassen, wie bereits ja auch schon bei elektrischen Rollstühlen und Segways geschehen“, schrieb er auf Twitter.

Bundesverkehrsministerium arbeitet an Lösung

Tatsächlich arbeitet das Bundesverkehrsministerium unter Ressortchef Alexander Dobrindt (CSU) an einer möglichen Lösung. Das Ministerium habe die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) beauftragt, „sich einen Marktüberblick über die in Betracht kommenden Elektrokleinstfahrzeuge zu verschaffen und zu prüfen, ob diese kategorisiert werden können, um dann unter bestimmten technischen und verhaltensrechtlichen Voraussetzungen im öffentlichen Straßenverkehr bewegt werden zu können“, heißt es auf MAZ-Anfrage. Die abschließende Untersuchung des BASt soll im Laufe des Jahres vorliegen. Es ist also gut möglich, dass Monowheels künftig durch die Innenstädte surren – legal, also mit Zulassung und Versicherung, sofern der Fahrer auch über einen Führerschein verfügt.

Mehrere Straftatbestände mit hohen Strafen

Bis es soweit ist, sind die futuristischen Fortbewegungsmittel ausschließlich auf nicht öffentlichen Plätzen zu benutzen, etwa auf dem eigenen Grundstück. Wer auf öffentlichen Straßen unterwegs ist und der Polizei begegnet, muss auf Kulanz hoffen – oder mit einer Geldbuße, einem Punkt in Flensburg und einem Strafverfahren rechnen, wie Marik Roeder. Auf den Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz droht eine Geld- oder Haftstrafe von bis zu sechs Monaten, wer vorsätzlich handelt, muss schlimmstenfalls ein Jahr ins Gefängnis. Ohne Führerschein kommt der Tatbestand des Fahrens ohne Fahrerlaubnis dazu, worauf ein vergleichbares Strafmaß steht.

Der Hersteller Ninebot warnt auf seiner Webseite, dass das Modell One in Deutschland keine Straßenzulassung habe. „Bitte beachten Sie, dass Sie derzeit ohne Zulassung und Versicherungsschutz fahren.“ YouTuber Roeder will davon nichts gewusst haben – für ihn kam die Warnung offenbar zu spät.

Info: Nach Angaben der KSR Group gibt es unterschiedliche Ninebot-Modelle. Darunter befinden sich motorisierte Ausnahmen, die auch im Straßenverkehr zugelassen sind – etwa der ministreet oder der ninebot e. Sie bestehen allerdings nicht nur aus einem Rad. Mehr Infos auf der Unternehmensseite: www.ksr-group.com

Von Bastian Pauly

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